Unternehmen verlieren durch Web 2.0 ihr Informationsmonopol

Web 2.0 wird nach Meinung führender Mediaexperten in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung für die Werbeplanung gewinnen. Das hat der von der Zeitschrift media & marketing veranstaltete 2. Deutschen Mediatag ergeben, der am 1. März 07 in München stattfand. Über 200 Experten diskutierten über die Rolle des Internets und Web 2.0 als strategisches Element im Rahmen der Mediaplanung.

“Ein Drittel des Werbewachstums in den nächsten Jahren fliesst ins Internet”, zeigte John Taylor, Director Client Services World Wide bei der Londoner Agentur Zenithmedia, den Weg in die Werbezukunft. Akuter Grund zur Sorge bestehe für die klassischen Medien aber nicht.

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Bildquelle: www.deutscher-mediatag.de

Der Hype um die Möglichkeiten der Web 2.0-Technologie führe zu unnötiger Hektik, war die allgemeine Meinung der Experten. “Wenn die Prognosen von Mitte der 90er Jahre eingetroffen wären, hätte heute keiner mehr einen Fernseher”, sagte Unilever Media Director Uwe Becker. “Erst heute sind die für einen viel früheren Zeitpunkt prognostizierten technischen Nutzungsmöglichkeiten vorhanden, und das auch nur zum Teil.”

Die immer wieder totgesagten Medien wie Zeitungen und Zeitschriften werden sicher Einbussen bei Auflage und Anzeigengeschäft haben, sind aber nach Experten-Einschätzung in ihrer Existenz nicht gefährdet, zumal sie unter dem Druck der neuen Konkurrenz “ihre Hausaufgaben gemacht” und weitergehende Angebote im Internet und auch für mobile Medien entwickelt hätten. Vorteile der Printmedien und des TV seien ihre Glaubwürdigkeit, die Qualität und Verlässlichkeit des Contents und die Planbarkeit.

Die neuen Medien sollten realistisch betrachtet werden und ihre Vorteile, wie die Schnelligkeit und ihr Multiplikationseffekt, sollten genutzt werden. Sie seien zwar ideal geeignet für Community-Marketing, hätten aber grosse Probleme bei der Nutzerdefinition und der Zielgruppenbestimmung, für Mediaplaner und Unternehmen wichtige Faktoren. Seriöse Markenführung sei allein mit Web 2.0 kaum möglich, meinte Dr. Andrea Malgara, Geschäftsführer Marketing SevenOne Media. Nach Ansicht von Sven Holsten, Geschäftsführer NBRZ, “sind und bleiben Zeitungen für den regionalen Handel das wichtigste Medium, denn die Menschen stehen morgens auf, sehen in die Zeitung und planen ihren Tag und ihre Einkäufe”.

Für die etablierten Medien empfehle es sich, die Entwicklung der neuen mobilen Medien gut zu beobachten, war die allgemeine Meinung. Die Web 2.0-Technologie ermögliche individuelle Kommunikation von Mensch zu Mensch und das sei “das eigentlich Neue. Eine soziale Bewegung entsteht, ein Netzwerk, die Community”, sagte Matthias Ehrlich, Vorstand United Internet Media AG. Diese direkte Ansprache könnten die traditionellen Medien nicht leisten, hier liege eine grosse Chance.

Nach Meinung von Jens-Uwe Steffens, Geschäftsführender Gesellschafter Pilot Media, ist “die grösste Aufgabe der nächsten Zeit das Zusammenführen von TV und Internet, die Entwicklung neuer Kanäle” und damit die Möglichkeit für alle, sich interaktiv am Geschehen zu beteiligen. Kontrovers wurde Second Life diskutiert, die Internet-Plattfom, die derzeit in aller Munde ist. Die Entwicklung verlaufe sehr positiv und “nur noch 30 Prozent der Nutzer sind Amerikaner, der Rest sind Europäer”, sagte Stefan Weiss, Gründer und Geschäftsführer der Second Life-Agentur in-world momentum. Die kommerzielle Nutzung dieses Mediums sieht Dr. Andrea Malgara eher skeptisch: “Second Life hat die Wertschöpfung eines rumänischen Dorfes.” Und Volkswagen-Marketingleiter Jochen Sengpiehl warnte gar: “Die Menschen sollen ihre Energie lieber im richtigen Leben
einsetzen, statt sie in der virtuellen Welt zu vergeuden.”

Felix Ahlers, Vorstandsmitglied der Frosta AG, sieht für das Internet nicht nur bei der Mediaplanung gravierende Auswirkungen, sondern für die gesamte Kommunikation der Unternehmen: “Das Web 2.0 wird das Marketing verändern. Unternehmen verlieren ihr Informationsmonopol.” Kunden könnten sich immer leichter und schneller bei anderen Kunden informieren. Deshalb sei es unerlässlich, dass Unternehmen offen und glaubhaft kommunizieren. Auch Kritik müsse offen diskutiert werden, “nur so bleibt die Marke authentisch”.

Quelle: presseportal.de








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