Via PR Kloster bin ich auf das Wiki-Projekt „pr-woerterbuch.de“ gestossen. Hier werden alle Fachbegriffe aus der Welt PR erklärt. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die ganze Sache jedoch als dreiste Mogelpackung:
1. Was als „Wiki-Projekt“ präsentiert wird, ist in Wirklichkeit gar keins. Bei jedem Eintrag ist folgender Satz zu finden:
„Diesen Beitrag hat uns freundlicherweise die Redaktion von LexiCom, dem umfangreichsten internetbasierten PR-Nachschlagewerk in Deutschland, zur Verfügung gestellt. Daher sind Änderungen am Inhalt nicht möglich. Wir bitten um Verständnis.“
Das Editieren von Beiträgen ist aber ein Grundkonzept der Wiki-Idee.
2. Alle Beiträge verlinken auf oben genanntes „LexiCom“. Dabei handelt es sich um ein kostenpflichtiges PR-Lexikon, hinter dem verschiedenen deutsche PR-Agenturen stehen.
3. Das Mogel-Wiki ist ein Projekt der Kommunikationsagentur Schrader aus Hannover. Die Agentur ist Mitglied der Deutschen Public Relations Gesellschaft DPRG. Genauso wie die Schweizerische Public Relations Gesellschaft SPRG ist auch die DPRG dem „Kodex von Lissabon“ angeschlossen. Dieser definiert Richtlinien des Berufsstandes. In Artikel 11 heisst es dort:
„Public Relations-Fachleute (…) dürfen auf keinen Fall eine Bezahlung oder eine sonstige Gegenleistung akzeptieren, deren Höhe sich nach dem messbaren Erfolg der erbrachten Dienstleistungen richtet.“
Genau diese erfolgsabhängige Entlöhnung bietet die Agentur Schrader auf ihrer Webseite aber an und verstösst damit gegen die Richtlinien der DPRG.
Das pr-woerterbuch.de ist also nichts anderes als ein fauler Trick, um auf kostenpflichtige Angebote zu verlinken und einer unseriösen Agentur zusätzliche Aufmerksamkeit zu generieren.
Update, 28.4.2007: Die DPRG hat im Jahr 2000 den besagten Artikel 11 aus dem “Kodex von Lissabon” gestrichen. Ich nehme daher den Ausdruck “unseriöse Agentur” zurück (siehe dazu auch Kommentar von Ulf-Hendrik Schrader).
Autor: KF







Lieber Herr Füllhaas,
schön, dass Sie von unserem PR-Wörterbuch Kenntnis genommen haben. Schade aber, dass Sie aufgrund der beschriebenen Umstände, die zunächst tatsächlich ungewöhnlich für ein Wiki sind, gleich zu so einem einseitig unfreundlichen Urteil kommen.
Blogs verleiten zu schnellen, provokanten Storys, ich weiß. Es schadet aber nichts, im Zweifel erst einmal von guten Absichten auszugehen, sich evtl. in einem persönlichen Gespräch ein umfassenderes Bild zu verschaffen und sich stark wertender Äußerungen zu enthalten. Zumindest entspräche das der Arbeitsweise eines um Objektivität bemühten Journalisten.
Lassen Sie mich hier auf Ihre Kritikpunkte eingehen:
1. Wir haben einen engagierten Anfang gemacht und wollen das Projekt mit Elan ausdrücklich als Wiki zu einer wertvollen Wissensquelle weiterentwickeln.
2. Woher nehmen und nicht stehlen? Wir freuen uns, dass Com+Plus uns zum Start sehr hochwertigen und umfangreichen Inhalt zur kostenfreien Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat. Nachvollziehbare einschränkende Bedingungen hinsichtlich der Editierbarkeit halten wir da für hinnembar. Nicht optimal, da stimme ich Ihnen zu, aber hinnembar. Vielleicht können wir in diesem Punkt auch noch nachverhandeln.
3. 730 Begriffe bilden vielleicht 50% der PR-Termini ab. Wir haben bewusst PR-Fachleute dazu aufgerufen, als Autoren mitzuwirken um die großen Lücken zu schließen. Ein ambitioniertes Vorhaben, an dem sich innerhalb weniger Tage nun schon vier Kollegen quer aus Deutschland beteiligen wollen. Da bewegt sich was und wir sind stolz darauf.
4. Ob im Einzelfall änderbar oder nicht – das Wörterbuch bietet PR-Leuten schon jetzt gratis einen großen Nutzen und wird mit erweiterten Inhalten eine immer interessantere Quelle werden. Kein Grund uns zu beschimpfen, finde ich.
5. Als Autor muss man sich kurz bei uns freischalten lassen, was problemlos möglich ist. Wir freuen uns ja über jeden interessierten Kollegen. Warum kann nicht – wie bei Wikipedia – einfach jeder drauf los schreiben? Weil sich noch niemand gefunden hat, der bereit wäre, ehrenamtlich die dann notwendige Qualitätssicherung zu übernehmen und Vandalismus zu neutralisieren. Vielleicht etwas für Sie, Herr Füllhaas?
6. Der Artikel 11 des Code d’Lisbonne, auf den Sie sich beziehen um aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen Stimmung gegen meine Agentur zu machen, wurde im Jahr 2000 für Deutschland außer Kraft gesetzt. Erfolgshonorare sind auch bei DPRG-Agenturen schon lange Realität. http://www.dprg.de/upload/downloads_55upl_file/CodeDeLisbonne.pdf
Wie sagt man so schön: Much ado about nothing. Mit ein bisschen Recherche hätten Sie sich diesen Fauxpas ersparen können.
Lassen Sie uns aber bitte nicht streiten oder weiter aneinander reiben. Im Gegenteil lade ich Sie ausdrücklich zur konstruktiven Mitwirkung am PR-Wörterbuch ein, wir werden daraus ein Wiki machen, versprochen. Mit Ihrem Fachwissen würden Sie das Projekt bestimmt bereichern!
Abschließend würde ich mich freuen, wenn Sie den „faulen Werbetrick“ zurück nähmen. Der wird der gebotenen Qualität und der vielen Arbeit, die wir investiert haben, nämlich absolut nicht gerecht. Vielen Dank.
Schöne Grüße
Ulf-Hendrik Schrader
Besten Dank für die zusätzlichen Informationen zu Ihrem Wiki-Projekt. In der Tat ist das Führen eines “echten” Wiki-Projekts sehr aufwendig, wenn es um die Kontrolle der gemachten Einträge und Änderungen geht. Ich schlage Ihnen vor, dass Sie die jetzigen Einträge, welche nicht editiert werden können, Schritt für Schritt ersetzen.
Solange aber Ihr Wörterbuch mit hauptsächlich nicht editierbaren Einträgen gefüllt ist, wirkt es einfach für Aussenstehende sehr merkwürdig, wenn es als Wiki daherkommt.
[...] so gut. Dann bin ich jedoch auf dem Blog von Karsten Füllhaas auf folgenden Hinweis [...]
Mogel-Werbung fliegt auf…
Das Web für Werbung einzusetzen, ist absolut normal und die Budgets dafür steigen zur Zeit monatlich. Wer das Web jedoch für seine Werbezwecke missbraucht, fliegt schneller auf als er “piep” sagen kann. So geschehen mit „pr…
Ich erlaube mir auch mal einen Kommentar: Das Angebot nutzt lediglich die MediaWiki-Software als Engine. Nach den Regeln der GNU-GPL kann die Software zu jedem Zweck benutzt werden. Es ist deshalb absolut legitim, den Wiki als Lösung für das Wörterbuch einzusetzen und das Editieren von Einträgen zu sperren.
Die Inhalte selbst stehen nicht unter GPL-Lizenz, deshalb kann man sie auch problemlos in den Lizenzbestimmungen unter ein Copyright stellen. Das ist sogar erforderlich, da die Beiträge extern “eingekauft” wurden. Und im Rahmen dieses Deals – das kann man sich ja denken – wurde vermutlich abgesprochen, hinter jeden Artikel den entsprechenden Passus und Hinweis auf das kostenpflichtige Angebot von Beitragslieferant Lexicom einzufügen. Für Lexicom ist es kostenlose Werbung, prdienst.de kann sich damit brüsten, in der Lage zu sein, einen Wiki aufzusetzen. Und ein wenig Know-how aufzuzeigen, ist ja nichts verwerfliches…
Hinzu kommt: Sowohl in URL als auch in der Pressemitteilung findet sich kein Hinweis auf einen Wiki. Vielmehr ist deutlich von einem Wörterbuch die Rede. Und die kann man in der Regel nicht editieren.
Insofern kann man sich doch über ein kostenloses und durchaus brauchbares redaktionelles Angebot freuen. Die Nutzer seien aber darauf hingewiesen, dass viele der Beiträge nicht mehr ganz up to date sowie aufgrund der Kürze etwas unscharf sind. Ein zusätzliches PR-Lexikon, beispielswiese die Printausgabe von Herrn Bentele, kann nicht schaden…
Grüße vom Ostfriesen von http://www.ostfriesenblog.de