Web 2.0-Inhalte sind kein Journalismus

So angriffig tönt es aus Deutschland, vom Präsidenten des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen. Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag führte er aus, dass die Medien Blogs und Wikis nutzen sollten, neue Wege zum Publikum zu finden. Doch seien die vom Publikum produzierten Inhalte kein Journalismus. Der Begriff Bürgerjournalismus (siehe auch englischsprachige Wikipedia) ist aus seiner Sicht Etikettenschwindel. Die Fähigkeit, relevante Inhalte zu generieren spricht er allen Nicht-Journalisten aufs gerade wohl ab. Dies kann aus seiner Sicht nur von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten erledigt werden.

Dass alle Blogger schlichtweg unfähig sind, kann nicht wahr sein. Sehr wahrscheinlich geht es ihm eher darum, die „Festung Redaktion“ gegen eine neue Gruppe von Journalisten zu verteidigen, die sich mit ihren Blogs eigene Publikationsgefässe geschaffen haben. Wobei man auch bedenken sollte, dass nicht jeder Blogger gleich den Anspruch hat, journalistisch tätig zu sein. In den USA haben Wissenschaftler festgestellt, dass sich die Arbeitsweise von Bloggern immer mehr derjenigen von Journalisten annähert. wort|ge|fecht-Blogger Michael Gisiger hat vor ein paar Wochen, dazu aufgerufen, als Blogger nicht nur im Web gefundene Texte wiederzugeben, sondern die eigenen Geschichten zu suchen, über die sonst keiner geschrieben hat (Primeurs). Und dass Blogger auch das Recherchehandwerk verstehen können, haben zum Beispiel die beiden Deutschen Blogger bewiesen, als sie die die Kampagne von Calvin Klein’s ck-IN2U mit gefakten Web 2.0-Identitäten aufgedeckt haben. Die „etablierten“ Medien (wie spiegel.de) haben die Geschichte dann nur noch aufgegriffen, was sie auch gewurmt haben dürfte.

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