Kommunikative Tage des Zorns

Wer eine Rede hält, äussert sich nicht nur zu einem Anlass oder einem Sachverhalt, sondern sagt auch noch sonst viel über sich selber. Zwei aktuelle Beispiele eines kommunikativen Supergaus möchte ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Uli Hoeness, seines Zeichens Manager von Bayern München, verliert an der Jahresversammlung die Kontrolle und legt sich mit den treusten Fans seines Vereins an. Es ist nie gut, sich mit den treusten Kunden anzulegen, auch wenn sie wie in diesem Fall nicht am meisten Geld einbringen.


Link: sevenload.com

Im nächsten Fall ist es Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). In einer Rede auf dem DJV-Verbandstag 2007 attackiert er Blogger pauschal und unverhältnismässig:

Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten. Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden.

Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Damit hat er sich garantiert keinen Gefallen getan. Bloggende Journalisten reagierten denn auch empört. Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog Indiskretion Ehrensache richtete ein offenes Mail an Konken, das er auch auf seinem Blog veröffentlichte:

In Saarbrücken sprachen Sie Sätze, die mich erzürnen. Die dafür sorgen, dass ich mich am Wochenende geschämt habe, DJV-Mitglied zu sein. Weil Ihre Äußerungen von einer unter deutschen Entscheidern sehr beliebten Haltung zeugen: Das Internet ist böse. Dies aber ist eine Verweigerungshaltung, die auf Dauer nur zu einem führen wird: dem Untergang unseres Berufsstandes. Und sie demonstriert leider auch, dass sich der DJV (zumindest aus meiner Sicht) keinerlei Gedanken macht über die grundlegenden Entwicklungen der Medienwelt und die Fundamente unseres Berufsstandes.

Ich veröffentliche meine Meinung grundsätzlich unter meinem Namen, ob sie Müll ist oder nicht, sollen bitte andere bewerten. Um menschliche Kommunikation in Blogs als Müll abzutun, braucht es schon eine unverschämt grosse Menge an Arroganz.

Hoeness und Konken werden gute PR-Berater brauchen, um aus diesen Nummern wieder halbwegs rauszukommen und die Wogen wieder zu glätten. Und da diese Ausfälle auf Newsseiten, Foren und Blogs wie diesem bleibend dokumentiert werden, haben sie auch ihrer digitalen Reputation auf Dauer einen Minuspunkt hinzugefügt.

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2 Kommentare

  1. [...] Crossmediale Kommunikation, Karsten Füllhaas: Kommunikative Tage des Zorns (mit Hoeneß-Video! (-; T.M.) [...]

  2. [...] Derartige Aussagen dürften Leuten wie Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), neue Munition liefern. Er spricht Bloggern und anderen Inhalteproduzenten pauschal jegliche Fähigkeiten ab. [...]

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