Heute schreiben wir allerei nützliches und nutzloses in digitale Tagebücher und teilen unsere intimsten und privaten Momente und Erkenntnisse global mit Menschen, die wir nicht einmal persönlich kennen und trotzdem Freunde nennen. Wir treffen Leute, die unsere Interessen teilen und tauschen mit ihnen Informationen aus, als würden wir gemütlich mit ihnen in einer Bar sitzen, und doch trennen uns Ozeane und Zeitzonen.
Wie hat das eigentlich alles angefangen?
Auf dem FASTforward blog hat man sich Gedanken zur Geschichte von social media gemacht und sich gefragt, welches den die wichtigsten Schritte und Milestones in der Vergangenheit waren. Die Autoren Rob Paterson und Andy Carvin scheuen sich dabei nicht, reale Geschichte und Fiktion miteinander zu vermischen. Ich greife im Folgenden meine persönlichen Highlights heraus:
1 Jh. vor Christus Julius Caesar schreibt De Bello Gallico und setzt damit einen Standard für alle Militär- und Soldatenblogger mehr als 2000 Jahre später. Wenn Caesar nicht Heerführer gewesen wäre, würde man ihn heute als „embedded journalist“ bezeichnen?
1776 Thomas Paine, Chefblogger der Amerikanischen Revolution, veröffentlicht sein Pamphlet „Common Sense“ und legt dar, dass es Aufgabe Amerikas sei, die Unabhängigkeit zu erringen und ein neues, demokratisches Regierungssystem einzuführen, das sich auf die Prinzipien der Menschenrechte gründet.
1812 John Letts, ein Verleger aus London, verkauft gebundene, leere Bücher mit weissen Seiten, die als persönliche Tagebücher benutzt werden sollen. Letts ist somit Urahne von Softwarelösungen wie WordPress.
1966 Captain James T. Kirk (dargestellt von William Shatner in der TV-Serie Star Trek) beginnt seine Logbucheinträge. „Captain’s Log, Stardate…“ inspiriert eine ganze Generation junger Tagebuchschreiber. Alle wolle so sein wie Kirk…
1992 Tim Berners-Lee publiziert am CERN in der Schweiz die erste Seite im World Wide Web.
2003 Der iranische Vizepräsident Mohammad Ali Abtahi beginnt seinen eigenen Blog, lange bevor amerikanische Politiker das Medium für sich entdecken.
Als eigene Ergänzung fällt mir der deutsche Dramatiker Bertold Brecht ein, der sich um das Jahr 1930 zum aufkommenden Hörfunk äusserte:
“Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, d.h., er würde es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müßte demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.”
Vor über 70 Jahren hat Brecht nicht nur das gegenseitige miteinander Kommunizieren sondern auch ganz aktuelle Konzepte wie user generated content vorweggenommen.
Hier geht zum kompletten Original-Posting (auch die Kommentare lesen) .










Social Media: Es war einmal… – Crossmediale Kommunikation…
Eine kleine, und nicht ganz ernst gemeinte, Geschichte von Social Media….