Gefakte Bundesräte: Identitätsdiebstahl oder Gag 2.0?

Als vergangenen Dezember die Schweizer Regierung neu gewählt wurde, dachte ich mir nichts Schlimmes und prüfte aus Neugierde, ob Bundesrat Moritz Leuenberger in Facebook vertreten ist. Immerhin bloggt er ja schon, dachte ich. Wie ich positiv überrascht feststellte, war der gesamte Bundesrat in Facebook vertreten und verfasste sofort mein Posting Schweizer Bundesrat goes Facebook. Andere Blogs haben die Geschichte dann aufgegriffen.

Heute Nachmittag wurde ich dann via Texter-Blog eines besseren belehrt. Die sieben Facebook-Bundesräte sind allesamt Fakes, ins Netz gestellt hat die Profile ein Student aus Neuenburg, wie die NZZ berichtet. Sein Ziel war es, dass möglichst viele Facebook-Nutzer ihre Profile mit jenen der Bundesräte verlinken. Mit dem Druck der Masse sollen die Bundesräte dazu bewegt werden, in direkten Kontakt zur Schweizer Facebook-Community zu treten, schreibt die NZZ weiter.

Handelt es sich dabei um einen Fall von Identitätsdiebstahl oder einfach einen Gag, dem man auch seine positiven Seiten abgewinnen kann? Rechtliche Konsequenzen hat der Student offenbar keine zu befürchten:

Rechtlich vorgehen gegen die unautorisierten Profile wird der Bundesrat kaum, wie man auf der Bundeskanzlei auf Anfrage durchblicken lässt. Die falschen Profile seien in Bundesbern zwar bekannt, die Inhalte seien aber weder unwahr noch diffamierend. (NZZ)

Doch zeigt die Geschichte eins: Mit Facebook und anderen Social Networking-Seiten ist es möglich, sich als jemand anders auszugeben oder als frei erfundene Person aufzutreten. Wer genug kriminelle Energie besitzt, kann auf diesem Weg sich ins Vertrauen anderer User einschleichen und ihnen vertrauliche Informationen entlocken. Fachleute nennen dies Social Engineering. Letztes Jahr wurde ein besonders bösartiger Fall aus den USA bekannt. Eine Teenagerin nutze ein falsches MySpace-Profil um eine ehemalige Freundin mittels Cybermobbing zu diskreditieren. Am Schluss erhängte sich das verzweifelte Mädchen im Keller ihres Elternhauses. Ebenfalls denkbar ist es, mit einem falschen Profil die digitale Reputation einer Person gezielt zu schädigen.

Eine gute Sache hat die Sache mit den falschen Facebook-Bundesräten auf jeden Fall. In Bern wird man sich verstärkt mit Web 2.0-Kommunikation auseinandersetzen:

Bis Ende März sucht eine departementsübergreifende Arbeitsgruppe Antworten auf die Fragen, ob und wie Regierung und Verwaltung neue partizipative Kommunikations- und Auftrittsmöglichkeiten im Internet nutzen sollen. Zur Sprache kommen dürfte dabei auch Facebook. (NZZ)








1 Kommentar

  1. Pligg sagt:

    Gefakte Bundesräte: Identitätsdiebstahl oder Gag 2.0? – Crossmediale Kommunikation…

    Die Facebook-Profile des Bundesrats sind alles Fakes. Gag oder Identitätsdiebstahl?…