Pöbelnde Jugendliche in Social Networks

Jan Fröhlich und Konsorten haben mich und alle anderen nörgelnden, bürgerlichen Spassbremsen letzte Woche ganz schön aufgeschreckt: Jugendliche, die offenbar vor gar nichts mehr zurückschrecken, verabreden sich via Facebook zu sinnlosen Massenbesäufnissen. Am Freitag dann gleich der nächste Schock: Der Tagesanzeiger enthüllt, wie Schüler und Jugendliche sich gegenseitig und ihre Lehrer auf der Community Netlog mobben und beschimpfen:

tagi-netlog1.jpg

„Das sind also die Social Networks, in denen ich als Unternehmen den Dialog mit meinen Kunden suchen soll?“ mag sich mancher Marketing-Verantwortlicher denken, der für sein Unternehmen gerade die ersten zaghaften Schritte Richtung „Web 2.0“ machen wollte. Die Wahrnehmung von Social Networks ist in der Tat in der vergangenen Woche alles andere als positiv gewesen.

Social Networks sind ein Medium, das sehr direkt von seinen Nutzern gestaltet wird. Wer eine Plattform für Mobbing sucht oder unkompliziert viele Gleichgesinnte für einen Event (beispielsweise ein Massenbesäufnis) erreichen will, ist mit einem Social Network bestens bedient. Dies trägt natürlich nicht zum positiven Ansehen von Social Networks in einem Grossteil der Gesellschaft bei, ist aber eine Tatsache, mit der sich alle „Web 2.0-Worker“ auseinander setzen müssen.

Social Networks werden zwar weltweit von mehreren hundert Millionen Menschen genutzt, um miteinander zu kommunizieren, aber trotzdem sind MySpace & Co. für viele immer noch eine grosse Unbekannte.

Jugendliche, die heute als „digital natives“ aufwachsen, nutzen das Internet und soziale Netzwerke als ganz selbstverständlichen Teil ihres Alltags. Doch auch sie, so betonen Experten immer wieder, sind sich der Tragweite, der Verantwortung und den möglichen Langzeitfolgen von Social Networking häufig nicht bewusst. Ein Bewusstsein für die eigene Online-Reputation ist nicht vorhanden. Umgekehrt haben Erziehungsberechtigte und Bildungsverantwortliche häufig kaum eine Ahnung, was es im sozialen Internet alles für Angebote gibt. Wahrgenommen werden diese meist nur, wenn rechtswidrige Mobbing-Aufrufe, beleidigende Lehrerbewertungen oder persönlichkeitsverletzende Bilder publiziert werden.

In der Geschäftswelt sieht es leider nicht viel besser aus. Geschäftsorientierte Netzwerke wie XING erfreuen sich zwar steigender Beliebtheit, aber bei vielen andere Web 2.0-Anwendungen sind viele Unternehmen nach wie vor zurückhaltend (siehe Studie zu Web 2.0 in Schweizer Unternehmen).

Wie wichtig eigentlich ein  Engagement für Unternehmen in den sozialen Medien wäre, zeigt die Tatsache, dass das Medium Internet immer mehr für Produktrecherchen und Kaufentscheidungen genutzt wird. Zahlreiche Unternehmen und Organisationen nutzen virtuelle Gemeinschaften erfolgreich für Kundenbindung und das eigene Marketing. Wer heute als Unternehmen in Social Media und Social Networking investiert, …

…ist mit seinen Produkten, Dienstleistungen und Marken an den Orten präsent, wo Meinungen gemacht und Kauf- und Investitionsentscheide getroffen werden.

…hat erkannt, dass die klassische Werbung und Marken-Kommunikation zunehmen als störend empfunden wird und erfolgreiche Kommunikation auf Interaktion und Dialog aufgebaut ist.

…will von der Kreativität der Kunden und Konsumenten zugunsten von Marketing und Entwicklung/Verbesserung der eigenen Produkten profitieren, und sich damit einen Wettbewerbsvorteil schaffen.

…weiss, dass die Online-Reputation des Unternehmens ständig überwacht werden sollte und durch das Publizieren eigener Inhalte und die aktive Teilnahme in Social Networks positiv beeinflusst wird.

…handelt nach dem Motto „Wer Kommunikation beeinflussen will, muss Teil von ihr werden.“

Es gibt also mehr als genug gute Gründe, sich den sozialen Medien nicht zu verschliessen. Kommunikation in Social Networks beschränkt sich nicht auf Massenbesäufnisse und Mobbing, auch wenn solche Vorkommnisse von den Massenmedien immer gerne hochgespielt werden. Es kann gut sein, dass Social Networks selber ein Reputations-Problem haben. Dies zu lösen, liegt einerseits an den Betreibern der Networks selber, aber auch an allen aktiven Nutzerinnen und Nutzern.

Eins darf man auch nicht vergessen: Menschliche Kommunikation ist vielfältig und das Tun und Handeln in Social Networks ist auch ein Abbild unserer Gesellschaft.

Mehr zum Thema Social Networks auf diesem Blog
Facebook am Arbeitsplatz








2 Kommentare

  1. Pligg sagt:

    Pöbelnde Jugendliche in Social Networks – Crossmediale Kommunikation…

    Die Wahrnehmung von Social Networks ist in der vergangenen Woche alles andere als positiv gewesen….

  2. [...] zum Thema auf diesem Blog Serie Social Media in KMU Pöbelnde Jugendliche in Social Networks Web 2.0 Nutzung in der [...]