
Die Schlagzeile auf tagesanzeiger.ch, die Schweizer Aussenministerin wolle den Terrorchef Osama Bin Laden persönlich treffen, hat heute morgen viele Schweizer aus ihrer gewohnten Ruhe gerissen. Über 370 Kommentare wurde innert weniger Stunden geschrieben, viele erbost über das unmögliche Verhalten der Bundesrätin.
Was war denn geschehen? Die Nachrichtenagentur AFP und die renommierte französische Zeitung Le Monde berichteten am Montag, Micheline Calmy-Rey hätte sich an einer Botschafterkonferenz in Bern bereit erklärt, sich mit Bin Laden an einen Tisch zu setzen. Und prompt griffen Schweizer Medien die Geschichte auf und setzten obige Schlagzeile auf die Frontseite. Schnell bemühte sich das Aussenministerium EDA die Wogen zu glätten, Frau Calmy-Rey hätte in ihrer Rede bloss eine rhetorische Frage gestellt und nie die Absicht geäussert, mit Terroristen zu verhandeln. Le Monde und AFP hätten falsch zitiert.
Das Beispiel zeigt gut, wie sich journalistisch unsorgfältige Berichte rasend schnell durchs Internet verbreiten, unfreundliche Kommentare provozieren und Personen (in diesem Fall die Schweizer Ministerin) in einem ungünstigen Licht darstellen. Auch wenn im Nachhinein die Geschichte geklärt worden ist, ein Schaden ist auf jeden Fall angerichtet worden. Das Ansehen von Frau Calmy-Rey im In- und Ausland und der Ruf der Schweiz haben gelitten. Auch wenn morgen neue Ereignisse die Schlagzeilen besetzen, die Online-Artikel und Kommentare sind für immer via Google bei einer Recherche über die Bundesrätin auffindbar.










Und das ist genau der Schwachpunkt vieler Schweizer Politiker. Sie sagen was und wissen immer noch nicht wie schnell sich sowas im Web ausbreiten kann. Ein wunderbares Beispiel ist hier auch Esther Murer und die Story um die Streep Parade die dann in Facebook eskalierte. Erstaunlicherweise trifft es immer die selben, dh bei M Calmy-Rey wird’s nicht das letzte Mal gewesen sein