Am 4. September startete das Evolutionsspiel Spore, in der Spieler vom primitiven Einzeller über verschiedene Schritte hinweg ganze Zivilisationen erschaffen kann. Auf amazon.com hat das Spiel eine extrem schlechte Bewertung, wie der Screenshot unten zeigt. Ist das Spiel wirklich so unterirdisch schlecht?

Ob schlecht oder nicht, muss jeder Spieler für sich entscheiden. Am Spiel Spore und seinem Herausgeber Electronic Arts (EA) entlädt sich die Wut vieler Konsumenten auf das sogenannte DRM-System, welches den Käufern verunmöglichen soll, das Spiel mehr als drei Mal auf dem eigenen Rechner zu installieren. EA will mit dem eingesetzten DRM-System “SecuRom” Raubkopien bekämpfen. DRM-Systeme werden kritisiert, weil sie ehrliche Konsumenten bevormunden und „kriminalisieren“ und auf dem PC des Anwenders ungefragt Software installieren, die sich ähnlich wie Malware verhält und sicherheitskritische Einfallstore für Viren öffnen kann. Langfristig wird auch befürchtet, DRM werde den Herstellern maximale Kontrolle über den Vertrieb ihrer Produkte sichern und den Verkauf von kostengünstigen Gebraucht-Spielen verunmöglichen.
Spore und Herausgeber EA wurden von allen Seiten scharf attackiert: Auf Blogs, in Communities und in Produktereviews auf Shops wie Amazon. Untenstehende Grafik zeigt die Häufigkeit der Begriffe „Spore“ und „DRM“ in der Blogosphäre in den letzen Tagen.

Quelle: blogpulse.com
So wirft beispielsweise Amazon-User “DLS” EA vor, ein sehnsüchtig erwartetes Spiel mit DRM kaputt gemacht zu haben:
What the hell, EA? Why would you trash a game that so many people have been eagerly anticipating by forcing them to install a program which is practically spyware? I might have tried this game, but I’m not going to consent to be guilty until proven innocent in order to do so.
There is nothing good about Digital Rights Management. It’s a short-sighted solution that basically screams “we don’t care about our customers”. I won’t tolerate it, and neither should any other customer.
“Chris Higgins” hat sich auf Grund von Kundenreviews auf amazon.com gegen den Kauf des Spiels entschieden, wie er schreibt:
Came to Amazon to purchase Spore read the reviews that it contained DRM and decided to ditch this game. If I want someone dictating to me how to use my computer and software I’ll cruise websites in Bangkok and have it hijacked by malware there instead.
Ein Blogpost auf ars technica zum Thema wurde auf Social News-Plattform digg.com mit über 4900 Stimmen bewertet. Von dort wurde das Thema vom Tech Blog der amerikanischen Financial Times aufgegriffen und von Online-Medien wie Spiegel Online. Ein gewaltiger Reputationsschaden für Spore und EA: Wer in Google nach Informationen oder Erfahrungsberichten in Blogs zum Spiel sucht, stösst fast ausschliesslich auf negative Beiträge. Hauptkritikpunkt ist immer das DRM-System.
Das Reputationsdebakel begann sich auch auf amazon.com auszuweiten, als man dort (vorübergehend) kritische Reviews zensurierte, was vom betroffenen User wiederum kommentiert wurde.
Spieleherausgeber EA lässt sich vom Proteststurm im Internet nicht jedoch beeindrucken. Im bereits erwähnten Tech Blog der Financial Times spielte am 8.September Jeff Brown, Vice President of Corporate Communications bei EA, die ganze Sache herunter, indem er behauptete, nur 0,5 Prozent aller Spieler würden Spiele mehr als drei Mal installieren wollen. Am gleichen Tag meldete sich ein Entwickler von EA im Firmenforum und kündigte an, dass EA auch auf kommenden Spielen das DRM-System einsetzen werde. Somit ist die nächste Welle der Entrüstung schon vorprogrammiert. Bestätigt wurde dies durch die offizielle EA-Stellungnahme am 10. September:
Da die Digitale Rechteverwaltung (DRM) in Spore zu jeder Menge Diskussionen geführt hat, möchte das Team bei EA und Maxis Klarheit schaffen, wie das System funktioniert und warum es eingesetzt wird.
Unser System funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie bei Online-Musikdiensten, die die Anzahl der Rechner begrenzen, auf denen ein Titel abgespielt werden kann. Dieses System dient zur Bekämpfung der Softwarepiraterie…
Mit keinem Wort wurde auf die Kritik am DRM-System eingegangen. Offenbar ist EA nicht bereit, den Kundenbedürfnissen zu entsprechen und DRM-freie Spiele anzubieten. Was sind die Folgen? Anstatt sich mit dem Spielerlebnis von Spore auseinanderzusetzen, wird in Medien und Communities hauptsächlich über das verhasste DRM diskutiert. Auch wenn die Verkaufszahlen kurzfristig noch stimmen mögen, kann es sich kein Unternehmen leisten, langfristig an Kundenbedürfnissen vorbei zu produzieren.
Die Computerspielbranche, und auch die Musik- und Filmindustrie, wären gut beraten, die massive Welle an Kritik an DRM endlich Ernst zu nehmen, denn kein Hersteller kann Interesse daran haben, dass sein eigentliches Produkt immer in den Hintergrund treten muss und Berichterstattung und Wahrnehmung von Kritik und Wut über einen (meist ineffektiven) Kopierschutz bestimmt werden oder ehrliche Kunden sich wie Kriminelle behandelt fühlen.
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[...] on ars technica (that I saw, but haven’t linked before), and in German at Spiegel Online, via Crossmediale Kommunikation (German as well). Similar Posts:Tangential Learning, Sex, and GamesReview: Team Fortress 2Bad PSP [...]
Wie Spore für EA zum Reputations-Debakel wird…
Am Spiel Spore und seinem Herausgeber Electronic Arts (EA) entlädt sich die Wut vieler Konsumenten auf das sogenannte DRM-System, welches den Käufern verunmöglichen soll, das Spiel mehr als drei Mal auf dem eigenen Rechner zu installieren. Mit katas…
Wie Spore für EA zum Reputations-Debakel wird – Crossmediale Kommunikation…
Am Spiel Spore und seinem Herausgeber Electronic Arts (EA) entlädt sich die Wut vieler Konsumenten auf das sogenannte DRM-System, welches den Käufern verunmöglichen soll, das Spiel mehr als drei Mal auf dem eigenen Rechner zu installieren. Mit katas…
„[…]Somit ist die nächste Welle der Entrüstung schon vorprogrammiert.[…]“
Vorprogrammiert ist falsch, es heißt nur programmiert.
Aber witzig, daß EA an DRM so festhält, wo die Musikindustrie doch gerade von abrückt, und sie diese dennoch als Vorbild nennen. ^^
Ja. Mit Spore hat EA den Bock echt abgeschossen. Wollte dem Hype entkommen und hab mir das Game einfach gekauft… Naja. Jetzt hab ich ein paar nette Editoren. Das Game selbst ist leider eine zusammenwürflung von schlechten Minigames.
Und einigermaßen gut verkaufen kann man das Game dank dem Kopierschutz auch nicht mehr.
Für mich wird es weder Addons von Spore geben noch irgendwelche zukünftigen Spiele von EA. Ich fühle mich einfach nur verarscht.
[...] Zahl von Spielern nicht akzeptiert wurde. Die sture Haltung von Electronic Arts sorgte für ein Reputations-Debakel, unter dem das Spiel bis heute [...]