Onlinesucht ist bis heute nicht als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Ebenso fehlen klar und eindeutig formulierte Kriterien. Der eben Drogen- und Suchtbericht der deutschen Bundesregierung formuliert es wie folgt:
Nach verschiedenen Studien gelten 3–7 % der Internetnutzer als „onlinesüchtig“ und ebenso viele als stark suchtgefährdet. Im Blickpunkt steht dabei die ausufernde Teilnahme an Onlinespielen oder Chats ebenso wie der übermäßige Konsum sexueller Inhalte. „Onlinesüchtige“ verbringen im Extremfall nahezu ihre gesamte Zeit (10 bis 18 Stunden pro Tag) mit Computerspielen. In Folge dessen vernachlässigen sie ihre Umwelt mehr und mehr und verlieren ihre übrigen sozialen Kontakte. (Quelle)
In der Wikipedia findet man unter dem Stichwort “Internetabhängigkeit” folgendes:
Mit Internetabhängigkeit (umgangssprachlich auch Internet- oder Onlinesucht) wird das Phänomen bezeichnet, in letztlich gesundheitsgefährdendem Ausmaß das Internet zu nutzen.
Als Symptomatik wird beschrieben:
- Häufiges unüberwindliches Verlangen, sich ins Internet einzuloggen
- Kontrollverluste (d. h. länger „online“ bleiben, als man sich vorgenommen hatte) verbunden mit diesbezüglichen Schuldgefühlen
- sozial störende Auffälligkeit im engsten Kreis der Bezugspersonen (Freunde, Partner, Familie), häufige Rügen durch unmittelbare Bezugspersonen
- nachlassende Arbeitsleistung
- Verheimlichung/Verharmlosung der Netz-Aktivitäten vor der Umwelt
- Psychische Irritabilität bei Verhinderung am Internet-Gebrauch (kann sich auswirken in Form von Nervosität, Reizbarkeit und Depression)
- Mehrfach fehlgeschlagene Versuche der Einschränkung
Als erster Schritt ist an jedem selbst, sein eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren, auch wenn das manchen schwer fallen mag. Gilt schon jemand als onlinesüchtig, wer täglich 10 Stunden twittert, RSS-Feeds liest und Beiträge für seinen Blog schreibt?
Zu den Gründen für Online-Sucht lese ich auf onlinesucht.de einen Text, der zum Teil die gleichen Formulierungen verwendet, wie wenn man die Vorteile von Social Media-Kommunikation beschreiben würde:
Die Faszination des Neuen, die unbegrenzten Möglichkeiten, sich weltweit mit Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten und Gruppierungen auszutauschen, Informationen einholen zu können, deren (scheinbarer) Notwendigkeit man sich bis dahin gar nicht bewusst war…
Zudem ist mir aufgefallen, dass die verschiedenen Beratungs- und Selbsthilfeseiten, die es zum Thema Online-Sucht gibt, nicht ganz in der Gegenwart angekommen sind. Das erkennt man nicht nur am häufig veralteten Layout der Seiten, sondern es wird auch vergessen, dass in den letzten Jahren immer mehr Prozesse und Aktivitäten ins Internet verlagert wurden: Social Networking, Online Collaboration, Messaging, Online Rollenspiele, Xbox Live, Telefonie via Skype oder auch Anwendungen wie Google Docs. Wenn Selbsthilfegruppen ihre Glaubwürdigkeit behalten wollen, dürfen sie nicht nur die Nutzungsdauer als Suchtkriterium heranziehen.
Zum Thema „Twitter-Sucht“ kursiert auf YouTube dieses Video:









