Mit Online-Journalismus und Social Networks lässt sich kein Geld verdienen

Quelle: ringier.chMichael Ringier, Aktionär und Verwaltungsratspräsident des gleichnamigen Schweizer Medienkonzerns, hat diese Woche der Handlungszeitung ein Interview gegeben.

Ringier gibt in der Schweiz unter anderem die Boulevard-Zeitung Blick heraus. Neben Fragen zur Zukunft seines Konzerns und einzelnen Produkten hat er sich auch zu Online-Journalismus und Social Networks geäussert.

Eine Print-Zeitung ohne begleitende Webseite ist für ihn nicht vorstellbar, auch wenn mit der Online-Ausgabe kein Geld verdient wird:

„Sie können es sich nicht leisten, eine führende Zeitung ohne Online-Auftritt auf dem Markt zu haben. Blick Online ist für Blick-Leser eine Selbstverständlichkeit – würde man auf den Online-Teil verzichten, würde die Marke als Ganzes massiv beschädigt. So sind wir gezwungen, Blick Online zu führen, selbst wenn wir derzeit kein Geld damit verdienen.“

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck betreibt in Deutschland unter anderem das populäre Social Network StudiVZ. Michael Ringier ist jedoch froh, nie in Communities investiert zu haben. Seine Begründung:

„Weil es kein Business Modell dafür gibt. Solche Netzwerke wie Facebook und StudiVZ sind zwar attraktiv für die Teilnehmer. Doch die Mitglieder sind nur aus einem einzigen Grund dort aktiv: Weil sie sich austauschen wollen. Sicher wollen sie sich nicht durch Werbung stören lassen. Werbung wirkt extrem kontraproduktiv auf diese Netzwerke. Wenn jemand 50 bis 100 Mio Fr. investiert, ohne Umsatz und Gewinn erwarten zu können, dann macht das einfach keinen Sinn. Wir investieren nur in Produkte, die bereits einen positiven Cashflow ausweisen – und wenn möglich auch einen Gewinn.“

Keine Zukunft sieht Ringier dafür, journalistische Angebote mit Werbung finanzieren zu wollen. Die Suchmaschine Google ist ihm ein Dorn im Auge.

„Es kann nicht sein, dass wir hier „kostenlos“ Informationen herstellen und anbieten, während andere Marktteilnehmer wie Google ein dickes Geschäft damit machen. Ich bin überzeugt, dass sich das Copyright von journalistischen Inhalten früher oder später durchsetzen wird. Das klappt aber nur, wenn es dereinst vernünftige Lösungen für ein Micro-Billing gibt – also wenn ganz kleine Beiträge über die Telefonrechnung oder ähnliches abgerechnet werden. Kein Mensch holt für einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der 1,80 Euro kostet, extra seine Kreditkarte raus.“

Effektiven Online-Abonnements räumt Ringier auch nur Nischenchancen ein:

„Das ist ebenfalls ein Modell, das aber nur mit ganz starken, hochwertigen Marken funktionieren könnte – zum Beispiel bei der Financial Times oder beim Spiegel.“

Eine wichtige Rolle spielen die Online-Angebote seiner Ansicht nach jedoch für Imagepflege und Markenbindung.

„Die Blick-Produkte haben eine enorm junge Leserschaft, die die Marke Blick sehr schätzt. Aber bezahlen wollen die nicht. Wir hoffen, dass sich diese Imagepflege, die wir heute betreiben, irgendwann auf die Produkte auswirkt, für die wir ein Business Modell haben.“

Hinter allem steht die Frage, ob das Modell Print-Zeitung überlebensfähig ist und ob Kunden und Konsumenten bereit sein werden, für Online-Inhalte (wieder) zu bezahlen. Ich denke, auch Michael Ringier trauert Geschäftsmodellen nach, die heute überholt sind. Die untenstehende Karikatur könnte es kaum treffender auf den Punkt bringen:

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Quelle und Copyright: tagesanzeiger.ch “Ich bin ein Traditionalist… ich bevorzuge immer noch Zeitungen…”

Quelle für alle Zitate: Handelszeitung








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