Social Web Trend-Spotting: #zensursula und #iranelection

Die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten durch die deutsche Bundesregierung und die Unruhen nach den Präsidentenwahlen im Iran sind zwei Themen, welche die Internetgemeinde bewegen. Das eine ist ein hauptsächliches nationales Thema, das andere wird weltweit verfolgt. Auf dem Microblogging-Dienst Twitter hat sich der neue Spitzname „Zensursula“ der Bundesministerin Ursula von der Leyen als Hash-Tag #zensursula eingebürgert, um alle Tweets zum Thema zu markieren. Auch in Blogs ist Zensursula ein Topthema, wie unten stehende Grafik zeigt. Die Spitze markiert die Verabschiedung des Gesetzes durch den Deutschen Bundestag am vergangenen 18. Juni 2009:

zensur
Quelle: blogpulse.com

Doch die Popularität der “Zensursula” verblasst im Vergleich mit den iranischen Wahlen:

zensur-iran
Quelle: blogpulse.com

Wie bereits erwähnt, ist Zensursula auch auf Twitter nach wie ein heiss diskutiertes Thema, auch wenn mit der Verabschiedung des Gesetzes der Höhepunkt erstmal vorüber sein dürfte. Hier ein aktueller Blick in Twitter:

Und wie steht es um den Iran? Welche Rolle spielen Social Media, insbesondere Twitter, bei der Organisation von Protesten und Kundgebungen? Spiegel Online nennt Twitter mit Bezug auf den Iran „Protestmedium und Koordinationswerkzeug“. Doch wie weit stimmt diese Einschätzung? BusinessWeek schätze letzte Woche, dass rund 8600 Personen im Iran selber Twitter nutzen und die Mobilisierung für die Proteste über andere Kanäle stattfinde:

However, Iran experts and social networking activists say that while Iranian election protesters have certainly used social media tools, no particular technology has been instrumental to organizers’ ability to get people on the street. Indeed, most of the organizing has occurred through far more mundane means: SMS text messages and word of mouth. (Quelle)

Twitter hat jedoch dazu beigetragen, ausserhalb von Iran das Interesse an den Wahlen und den Ereignissen danach zu steigern.

…one of Twitter’s primary contributions in the Iranian elections has been to raise awareness of the issue among tech-savvy users outside the country. (Quelle)

Weil die Vor-Ort Berichterstattung für die internationalen Medien von Tag zu Tag schwieriger wird, steige die Bedeutung der lokalen Social Media-Berichterstattung, meint Ethan Zuckerman von der Harvard University.

For now, these tools represent the best chance the demonstrations have of getting continued coverage. “Social media is not at all a prime mover of what is happening on the ground,” says Ethan Zuckerman, a senior researcher at Harvard University’s Berkman Center for Internet & Society. “The reason social media is so interesting [for the press] is that the international media doesn’t have its members on the ground.” (Quelle)

Auf Twitter dient der Hash-Tag #iranelection zur Kennzeichnung aller Tweets (via Tinker):

Auf YouTube ist es vor allem die junge Frau Neda, die dem Protest ein Gesicht gibt. Sie wurde auf offener Strasse in Teheran von Heckenschützen erschossen. Das unten verlinkte Video verbreitete sich über YouTube und Twitter.

Unterdessen gibt es Facebook-Gruppen in ihrem Namen, einen Twitteraccount und eine Webseite, welche weitere Menschen mobilisieren soll.

Siehe auch
“Die Europäer überschätzen die Opposition in Iran” (nzz.ch)
Irans Wächterrat, Bastion der Konservativen (zeit.de)
Iran: Quellen, Informationen, Bilder, Linksammlung (blog.rebellen.info)
Die wichtigsten Links in den Iran (stern.de)

zensursula.de (zensursursula.de)
Die dreizehn Lügen der Zensursula (netzpolitik.org)








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