Während sich Unternehmen zaghaft an Blogs als Mittel der Unternehmenskommunikation herantasten und ihre Furcht vor negativem Feedback aus dem Internet Schritt für Schritt abbauen, zieht die Social Media-Karawane schon einen Schritt weiter: Blogs sind out, Streaming ist das neue Ding.
Steve Rubel von Edelman PR verfrachtete seinen vielgelesenen Blog Micro Persuasion vor ein paar Tagen ins digitale Archiv und startete The Steve Rubel Lifestream. „Blogging feels old,“ schreibt Rubel in seinem letzen Beitrag, heute gehe es um „The Flow“. Er bezieht sich dabei auf Stowe Boyd, der schon vor ein paar Monate das Ende der Vorherrschaft der Blogs eingeläutet hat. Blogs sind seiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäss, Online-Dialoge sind heute wie ein kontinuierlicher Fluss.
Basically, conversation is moving from a very static and slow form of conversation — the comments thread on blog posts — to a more dynamic and fast form of conversation: into the flow in Twitter, Friendfeed, and others. I think this directionality may be like a law of the universe: conversation moves to where is is most social. (Quelle)
Posterous ist ein Anbieter für Lifestreams, wie Steve Rubel ihn veröffentlicht. So sieht sein Lifestream in der Praxis aus:

Bild: http://www.steverubel.com
Auch wenn die Posterous-Applikation verschiedene Möglichkeiten zur Integration von Content bietet, sieht das Ganze doch irgendwie auch aus wie ein Blog, oder etwa nicht? Und Kommentare, die ja angeblich so langsam sind, kann man auch zu jedem Beitrag hinterlassen.
Das Aufkommen zahlreicher Feed-Dienste wie Twitter oder FriendFeed – ganz zu schweigen von allen „Status-Updates“ bei Facebook, Xing und Co – hat die traditionellen Blogs unter Druck gesetzt. Ein Link auf eine gute Webseite oder einen spannenden Beitrag ist halt schneller getwittert als gebloggt. Mit ein paar Worten, maximal sind es 140 Zeichen, kann man auch noch seine Meinung dazu geben. Wer es etwas ausführlicher mag, schreibt einen kurzen Beitrag in seinen FriendFeed, wo es auch wieder für die Leser die Möglichkeit gibt, Kommentare abzugeben.
Für viele Blogbeiträge auf dieser Seite erhalte ich Feedback via Twitter. Dieses ist dann aber für andere Blogleser meistens nicht zugänglich, so dass eine Diskussion zu einem Thema an verschiedenen Orten stattfinden kann. Im schlimmsten Fall versandet sie schnell, weil zwischen den einzelnen Orten kein Austausch möglich ist. Die verschiedenen Feed-Dienste haben also dazu geführt, dass man zwar einerseits seine verschiedenen Online-Aktivitäten an einem Ort zusammenfassen kann, aber anderseits entsteht auch wie oben beschrieben eine Zersplitterung.
Was bedeutet das für die Zukunft der Blogs? Louis Gray, Blogger und Unternehmer aus dem Silicon Valley, ist der Überzeugung, dass Blogs nach wie vor das Fundament für alle andere Aktivitäten im Social Web sind. In seinem Blogbeitrag „Blogging Is Still the Foundation In A World of Streams“ schreibt er:
The blog is the foundation and center for who you are – either as an individual, or a brand. While I believe the best bloggers in the world are participating outside of their blog, on Twitter, FriendFeed, Facebook and everywhere else, to only participate in those areas leaves a gaping hole. The world of lifestreaming and real-time is fun, but it can be as deep as a soap opera in a world that still demands insightful documentaries and news reporting. (Quelle)
Auch für Unternehmen sieht er den Corporate Blog als wichtigsten Baustein einer Social Media-Strategie:
In a presentation I gave to one company this week, I stated the same – I said the corporate blog is the foundation of your entire social media strategy. It may make sense to have secondary and tertiary blogs, but if you tried to just use Twitter and other services and neglect the blog, you would a failure from the beginning. (Quelle)
Es liegt in der Natur von Social Media, schnell etwas unübersichtlich zu werden, kein Wunder bei all den Diensten und Tools, die täglich dazu kommen. Wer erfolgreich einen Blog betreibt, sollte jetzt sicher nicht alles über den Haufen werfen und nur noch auf Streaming setzen. Jeder (auch jedes Unternehmen) muss für sich selber bestimmen, wie er seine Online-Aktivitäten organisiert, also welche Mischung aus Blogging, Twitter, FriendFeed, Flickr und Podcasting usw. er bevorzugt und wie er am besten seine Zielgruppe mit Content bedienen kann.
Experimentieren ist sicher immer gut und wenn man den Anschluss nicht verlieren will, sicher auch Pflicht. Aber ich denke, Jeremiah Owyang hat Recht, wenn er schreibt:
it’s one thing to experiment, but the right media tools should also be determined by the consumption habits of the folks you’re trying to communicate with. Once I know that my corporate stakeholders prefer content in life streams over blogs (they likely are not now) I’ll continue this path with a blog. There’s plenty of places to experiment –but why do it on the primary platforms? (Quelle)
Für alle, die jetzt komplett verunsichert sind, hier meine Tipps:
- Auf jeden Fall weiter bloggen
- Feed-Dienste wie Twitter nutzen für kleine Updates, Hinweise, Networking
- Alle Online-Aktivitäten in einem Ort zusammenführen, zum Beispiel mit FriendFeed
Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, sich online zu organisieren. Welche Strategie verfolgen Sie? Wie nutzen Sie Blogging, Twitter und andere Feeds?
Siehe auch
Is Blogging Evolving Into Life Streams? (web-strategist.com)
Is blogging passe? (Computerworld)
Is Life Streaming Replacing Blogging? (socializedpr.com)
6 der größten Fehler in Corporate Blogs (PR Blogger)






Hallo,
warum das eine gegen das andere setzen? Beides hat sein Recht und seinen Sinn. Der Blog dient zum Berichten, Analysieren, Kommentieren. Hier kann ich ausführliche Texte schreiben, die andere dann kommentieren können, wenn sie wollen.
Streams und ähnliches sind Medien, in denen ich mehr oder weniger in Echtzeit mit anderen kommuniziere. Hier geht es schnell und manchmal auch hektisch zu. Meist bieten sie sowieso aus technischen Gründen nur Platz für wenige Worte. Aber selbst wenn nicht, muss ich mich beschränken, will ich an der Diskussion teilhaben. Brauche ich wie z. B. für einen Blogbeitrag ein oder zwei Tage, bis die Nachricht fertig ist, dann hat mich die Diskussion schon lange überrollt und keinen interessiert es mehr. Für tiefere Analysen ist hier kein Platz und keine Zeit.
Also weiter bloggen und weiter twittern. Das ist genauso wenig ein Gegensatz wie Email und Chat oder im realen Leben Zeitung lesen und am Stammtisch diskutieren.
Liebe Grüße
Erik
[...] wenn von verschiedener Seite mehr auf so genannte Lifestream gesetzt wird (siehe meinen Beitrag Bloggen Sie noch oder streamen Sie schon?) Wer als Person oder als Unternehmen eine solide Online-Identität aufbauen will, kommt meines [...]
[...] auch Bloggen Sie noch oder streamen Sie schon? (fuellhaas.com) Wochenrückblick: Karsten Füllhaas auf Posterous (fuellhaas.com) Bloggen, Statusmeldungen, [...]
[...] auch State of the Blogosphere 2009 (technorati.com) Bloggen Sie noch oder streamen Sie schon? (fuellhaas.com) Zurückhaltung gegenüber Blogging im Unternehmen (fuellhaas.com) Bloggen, Statusmeldungen, [...]