In wirtschaftlichen Krisenzeiten sollen Arbeitnehmer nicht nur den Gürtel enger schnallen, sondern sich am Arbeitsplatz auf die Arbeit konzentrieren – Social Networking hat im Büro immer weniger eine Berechtigung.

Immer mehr Firmen sperren Facebook und andere Social Networks aus. Quelle: stock.xchng
Das Unternehmen ScanSafe, ein weltweit tätiger Web Security Dienstleister, hat kürzlich festgestellt, dass bereits 76 Prozent seiner Kunden den Zugang zu Social Networks blockieren, was einem Anstieg um 20 Prozent innerhalb der vergangenen sechs Monate entspricht. Damit gilt Social Networking als „Produktivitätskiller“ Nummer eins am Arbeitsplatz, nur 52 Prozent aller ScanSafe-Kunden sperren Online-Shopping oder Webmail (58 Prozent).
Spencer Parker, Produktmanager bei ScanSafe, sieht für Social Networking in Unternehmen keine positive Zukunft.
…companies are increasingly taking a sterner approach to the sites that their employees are allowed to access. I imagine before long, social networking will be up there with pornography in terms of categories blocked. (Quelle ScanSafe)
Auch für Schweizer Unternehmen ist die Sperrung von Social Networks zunehmend ein Thema, im Zentrum steht dabei meist der Zugriff auf Facebook. Nach Grossunternehmen wie UBS, SBB oder der Post will nun auch der Bund seinen 36’000 Beamten in der Bundesverwaltung den Zugang zu Facebook verbieten.
Liest man die Kommentare auf blick.ch, scheint die Sperrung auf breite Zustimmung zu stossen, häufig nach dem Motto „die faulen Beamten sollen arbeiten und nicht surfen“. Es gibt aber auch differenzierte Sichtweisen:
Das finde ich richtig wenn der Zugang am Arbeitsplatz gesperrt ist. Gerade in Beamtenstellen gehört sich ein solches Verhalten nicht. Im weitern möchte ich sagen dass man am Arbeitsplatz die Interessen der Firma vertreten soll und Private Angelegenheiten zu hause macht. Auch Private Post ( E-Mail ) haben dort nicht zu suchen. (Hans-Jürg Müller, Zürich)
Facebook ist ein soziales Netzwerk. Soziale Aktivitäten werden nach meinem Dafürhalten in der Freizeit ausgeübt und nicht während der Arbeit. Deshalb ist es für mich absolut unverständlich, wie MitarbeiterInnen während der bezahlten Arbeitszeit sich munter im Facebook tummeln. Und nun wohl der grosse Aufschrei, weil der Arbeitgeber diesem Treiben Einhalt gebietet. Aber anscheinend braucht es für viele diese Bevormundung durch den Arbeitgeber. (Priska Jermann, Zürich)
Facebook sperren ist lächerlich. Man kann diejenigen Personen die “viel” surfen rauspicken und entsprechend warnen, egal ob sie jetzt zu viel beim Facebook surfen oder sonst im Internet. Facebook ist für mich geschäftlich gesehen ein unverzichtbarer Marketing-Tool, und für unsere Werbungstätigkeiten kaum wegzudenken. (Daniel Gutman, Basel)
Für mich bleibt bei derartigen Sperr-Aktionen immer ein fader Beigeschmack und die Feststellung, dass offenbar viele Unternehmen die Bereitschaft von Kunden und Konsumenten via Social Media mit einer Marke und einem Produkt in Kontakt zu treten, nicht konstruktiv erwidern wollen.
Glaubt man dem kürzlich veröffentlichten Report “Marketing on Social Networks: Branding, Buying and Beyond“, sind Internetnutzer durchaus bereit, sich mit Unternehmen oder Marken online zu vernetzen, zum Beispiel via eine Fanpage auf Facebook.

Quelle: emarketer.com
Für einen erfolgreichen Online-Dialog braucht es aber auch die Dialogbereitschaft der Unternehmen und der Personen, die dort arbeiten. Mit Sperren für Social Networks kommt dieser Dialog nicht zustande, wobei Kunden und Konsumenten sich online dann einfach andere Orte suchen, ihre Meinungen über ein Unternehmen oder eine Marke kund zu tun.
Siehe auch
simyo steigert Online-Reputation durch Bewerten (fuellhaas.com)
UBS verbietet Facebook (fuellhaas.com)










das wird sich wieder ändern, ich glaube fest daran, dass Mitarbeiter künftig mehr in die Unternehmenskommunikation eingebunden werden, wenn “Entscheider” erstmal den Wert der Sozialen Netzwerke erkennen.
Auf der einen Seite verständlich (aufgewendete Zeit), auf der anderen Seite aber auch nicht (Unternehmenskommunikation, PR), wobei entsprechende Erhebungen auch Aussagen, dass in Social Networks engagierte Mitarbeiter leistungsfähiger sind.
@sufranke
Leider wird es noch lange dauern, bis alle “Entscheider” kapiert haben, dass die eigenen Mitarbeiter ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskommunikation sind, bzw. den Wert von sozialen Netzen erkennen.
Die Sperren sind imho Augenauswischerei. Nur weil ich nicht mehr ins Facebook einsteigen kann, ist dies noch lange keine Garantie, dass ich auch effektiv arbeite. Aber so ist es ja meistens: 1) Kenne ich nicht, also 2) zusperren
[...] die Arbeitsnehmer nicht mehr auf Facebook und Konsorten zugreifen können, befindet sich gerade stark im Anstieg. Bedeutet dies auch eine gewisse Gefahr für Social Media Aktivitäten im Tourismus? Wird [...]
Es ist grundsätzlich immer ein Armutszeugnis für Unternehmen, wenn sie die Leistung von Mitarbeitern vor allem an formalen Kriterien wie Zeit messsen. Ein Mitarbeiter, der die von ihm erwartete Leistung nicht bringt, ist ein schlechter Mitarbeiter, egal ob er vermeintlich zu viel raucht, schwätzt, frisst oder twittert. Oder auch nichts von alledem tut. Und das gilt natürlich auch umgekehrt.
[...] auf diesem Blog Sperren von Social Networks blockiert Online-Dialog (07.09.2009) simyo steigert Online-Reputation durch Bewerten (12.08.2009) Vertrauen in Werbeformen: Empfehlungen [...]
Ich finde die Sperrung sozialer Netzwerke nicht unbedingt DIE Lösung!
In Zeiten, in denen jeder dritte ein Handy besitzt, das voll Internetfähig ist, und Apps wie Facebook installiert sind, braucht nicht zwingend seinen PC um in Facebook zu stöbern, allerdings brauche ich meinen PC um unsere Facebook-Marketing Seite zu aktualisieren, und um unsere Twitter-Feeds zu senden, geht aber nicht mehr.
Unsere Direktion meint jetzt das ich das ja wohl auch von Zuhause machen könnte, allerdings sehe ich das nicht ein.
Ich arbeite genug Stunden nach dem Feierabend zuhause, und jetzt eine Sparte komplett verschieben zu lassen, lass ich nicht mit mir machen, und so sieht das in vielen Branchen und Unternehmen aus, wie ich immer von Kollegen hören muss.
Liebe Entscheidungsträger der IT- und/oder Direktionswelt:
Überlegt nicht nur immer wie viel euch das kostet das ein Angestellter 15 min pro Tag in sozialen Netzwerken surft, sondern denkt auch einmal daran, wie viel in der heutigen Zeit ein soziales Netzwerk einbringen kann!
Wenn ihr heute eine Domain sperrt, finden eure Angestellten morgen eine neue um sich die Zeit zu vertreiben, oder sich (manchmal auch beruflich) zu informieren.