Twitter am Vorabend der Bundestags-Wahl 2009

Am Sonntag wird in Deutschland der Bundestag gewählt. Die Spatzen pfeifen es schon seit längerem von den Dächern: Twitter wird am Sonntagnachmittag von Politikern und Behörden soviel Aufmerksamkeit erhalten, wie nie zuvor. Gross sind die Befürchtungen in gewissen Kreisen, eine frühzeitige Veröffentlichung von Prognosen am Wahltag würde den Wahlausgang beeinflussen.

twitter-wahl2009

So hat gemäss ZDF der Bundeswahlleiter Roderich Egeler ein Experten-Team gebildet, das am Wahlsonntag das Internet und insbesondere Twitter im Auge behalten soll. Für Wirbel hatte die Veröffentlichung von angeblichen Prognose-Zahlen bei der Landtagswahl am 30. August im deutschen Bundesland Sachsen gesorgt.

Das deutsche Bundeswahlgesetz ist ziemlich deutlich, wenn es um die Veröffentlichung von Prognosen vor dem Schliessen der Wahllokale geht:

§ 32 Die Veröffentlichung von Ergebnissen von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe über den Inhalt der Wahlentscheidung ist vor Ablauf der Wahlzeit unzulässig. (Quelle)

Kaum verbieten lassen sich natürlich persönliche Prognosen und Einschätzungen, die via Twitter und andere Kanäle verbreitet werden können.

Verschiedene Dienste bieten die Möglichkeit, online eine Wahlprognose abzugeben und die Ergebnisse gleich via Twitter zu verbreiten. Bei prognoser.de wird jedoch in den FAQ klargestellt:

In der Nacht vom 26. auf 27. September 2009 um Mitternacht endet die Abgabemöglichkeit. (Quelle)

Auf mögliche juristische Nachspiele wollen es die Betreiber der Webseite offenbar nicht ankommen lassen.

Bei twittip.de kann man ebenfalls eine persönliche Prognose abgeben. Hier werden alle abgegebenen Voten in eine Twitter-Hochrechnung zusammengefasst:


Quelle: twittip.de, Stand: 26.09.2009, 15.15

Prognosen können bis am Wahlsonntag um 17.30 abgegeben werden.

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt wahlgetwitter.de. Aus Twitter und anderen Social Media-Seiten lassen sich mittels Monitoring Konsumentenstimmungen und Meinungsbilder herausfiltern, also wieso sollte das mit der Politik nicht auch funktionieren? Hinter der Idee steht unter anderem Sascha Lobo, einer der bekanntesten deutschen Blogger. wahlgetwitter.de durchsucht automatisch alle Twitterbeiträge nach den entsprechenden Parteikürzeln samt Bewertung, so beispielsweise „#SPD-“ oder „#CDU-“. In einem Diagramm lässt sich so die momentane Stimmung abbilden:


Quelle: wahlgetwitter.de, Stand: 26.09.2009, 15.30

Repräsentiv ist dieses Vorgehen natürlich nicht. Die Macher schreiben in den FAQ:

Es twittern derzeit (Anfang Mai) etwa 70.000 deutschsprachige Microblogger – die aber zu den vernetzteren und onlineaktiveren Webnutzern gehören. Nach unserer Erfahrung handelt es sich dabei um genau die Multiplikatoren, die die öffentliche Stimmung und Meinung im Netz maßgeblich mitbeeinflussen. Wir denken konzeptionell auch darüber nach, auch andere Netzwerke und Plattformen miteinzubeziehen, etwa Facebook oder die deutschsprachige Bloglandschaft.

Es steckt also einiges an Potential in wahlgetwitter.de, vor allem wenn immer mehr Politiker sich trauen, im Social Web den Dialog zum Wähler zu suchen, wobei das mehr beinhalten muss, als nur die letzte Medienmitteilung auch via Twitter zu verlinken.


Quelle: de.wikipedia.org

Wer für die nächste Legislaturperiode in das oben angebildete Gebäude einziehen wird, entscheiden die deutschen Wählerinnen und Wähler am Sonntag, den 27.09.2009. Erste Prognose liefern die TV-Stationen um 18.00. Und wer weiss, auf Twitter vielleicht schon vorher…








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