Multiplikatoren soll man pflegen und nicht abmahnen

Wer begeistert ist von einem Produkt oder einer Marke, erzählt davon auch gerne seinen Freunden. Hat man viele Freunde und ein grosses Beziehungsnetz, kann man viele Menschen erreichen. Die Werbung profitiert von solchen Multiplikatoren, die mit Mund-zu-Mund Propaganda für mehr Bekanntheit sorgen. Besonders gut funktioniert dieser Mechanismus online, in Social Networks oder via Blogs, die viele Leser haben. Als Verantwortlicher auf Unternehmensseite sollte man eigentlich solche Multiplikatoren pflegen, wenn sie sich schon freiwillig als „Botschafter“ engagieren. Begeisterung und Freude miteinander zu teilen gehört zum gegenseitigen Austausch in Social Media.

Seit einiger Zeit rollt die Abmahnwelle über Deutschland. Verfolgt man verschiedene Blogs, hat nun auch die Musikindustrie dieses zweifelhafte Vorgehen als neue Einnahmequelle für sich entdeckt und fordert Musikblogs auf, Links auf Musikdateien zu entfernen. Wie gulli:news richtig schreibt, geht die Industrie damit eigentlich gegen ihre eigenen Fürsprecher vor:

Sonderlich clever ist es nicht, sich ausgerechnet mit den Multiplikatoren im Internet anzulegen. Auf Multiplikatoren ist die Branche traditionell schon immer angewiesen gewesen. Doch vermutlich sind der Industrie Blogger einfach suspekt, und sie setzen weiter ganz auf den Viva-, MTV- und Radio-Effekt. Nachdem also Filesharing jahrelang abgebügelt wurde, scheint die Industrie nun eine neue Grenzlinie aufzuziehen, indem sie gegen Blogger vorgehen wollen. (Quelle: gulli:news)

Ob der Musikindustrie Blogger suspekt sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich denke, dass dieses Vorgehen auch damit zu tun hat, dass die Kommunikationsmechanismen in Social Media von vielen Verantwortlichen in den Führungsetagen zu wenig oder gar nicht verstanden werden. Ein paar Fakten zu diesem Aspekt liefert der Social Media Company Monitor 2009:

Mit 51% der Befragten planen über die Hälfte in absehbarer Zeit keine Social Media Aktivitäten. Der Grund für diese Entscheidung könnte zumindest zum Teil mit dem noch fehlenden Wissen der Entscheidungsträger zusammenhängen… (Quelle)

Interessanterweise geben viele Verantwortliche zu, dass sie zu wenig über Social Media wissen:

Bei den Entscheidern in den Chef‐Etagen deutscher Unternehmen gibt es einige Fürsprecher, die meisten bewerten ihr Wissen selbst aber noch als unzureichend…
69,65% der Befragten sind der Auffassung, dass sie zu wenig über Web 2.0 wissen. (Quelle)

Nach dem Motto „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“, kann man nur hoffen, dass die Damen und Herren in den Chef‐Etagen ihre Wissenslücken schnell füllen.

Hier kann man den konkreten Fall nachlesen…
Abmahnwelle gegen Musikblogger (gulli.com)
Angst-Strategie: Musik-Blogs trifft Abmahnwelle (textberater.com)
MP3’s, Major Labels, Abmahnungen gegen uns und wie ihr helfen könnt (WhiteTapes)
Meine erste Abmahnung – nur eine Frage der Zeit? (StyleSpion)
Song geleakt, Fanseiten mit Klage gedroht (gulli.com)

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4 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Danke für den Link auf den Artikel mit der Angst-Strategie! Der Kern ist jedoch, und das wurde hier nicht angesprochen, dass die Musik-Labels kalkuliert vorgehen.

    Man will die vielen kleinen Marketing-Multiplikatoren wieder entmachten, um die Musiker neu zu binden.

    Und verbreitet sich erst mal die Link-Angst in der Blogger-Szene, werden die Artikel ohne Verweise auf Mixtapes für Leser weniger interessant…

  2. mysmallville sagt:

    Abmahnwelle für Multiplikatoren…

    In den vergangenen Tagen wurde bereits auf diversen Blogs und Foren über die Abmahnwelle der Musikindustrie berichtet und diskutiert. Inwiefern die Musiktitel Urheberrechtlich geschützt waren, kann ich nicht beurteilen, doch war das Handeln der Musikin…

  3. [...] Siehe auch Jack Wolfskin eröffnet den Abmahn-Herbst! (werbeblogger.de) Web wehrt sich gegen Jack Wolfskin (meedia.de) Abwahnsinn: Jack Wolfskin mahnt Bastelcommunity ab (netzpolitik.org) Jack Wolfskin in der öffentlichen Abmahnfalle (PR Blogger) Multiplikatoren soll man pflegen und nicht abmahnen (fuellhaas.com) [...]

  4. [...] Siehe auch Neue Regeln fürs Web: BVDW veröffentlicht „Social Media Code of Ethics“(fuellhaas.com) Social Media sind Teil der demokratischen Meinungsbildung, und keine Bedrohung (fuellhaas.com) Reputations-Falle Abmahnung… lernen Unternehmen nie dazu? (fuellhaas.com) Keine Angst vor Twitter (fuellhaas.com) Multiplikatoren soll man pflegen und nicht abmahnen (fuellhaas.com) [...]

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