Wenn man sich innerhalb der „Social Media-Szene“ bewegt, kann man schon den Eindruck haben, dass überall nur noch gebloggt und getwittert wird und die Menschen ihre Kaufentscheidungen ausschliesslich nach Google-Ergebnissen richten. Auch wenn dem natürlich nicht so ist, irritieren die Ergebnisse einer von Faktenkontor in Auftrag gegeben Studie zu Mediennutzung und der damit verbundenen Glaubwürdigkeit.
In der aktuellen Medienmitteilung liest man:
Die klassischen Medien behaupten sich: Nur jeder elfte Bundesbürger nutzt neue Medien wie Twitter und Blogs, um sich zu informieren. Die Mehrheit bringt ihr Wissen jedoch mithilfe von Fernsehnachrichten (80 Prozent), Internetnachrichten (70 Prozent) und Tageszeitungen (64 Prozent) auf den neuesten Stand. (Quelle)
Gefragt nach der Glaubwürdigkeit der einzelnen Medien, schneiden Blogs und Twitter ganz schlecht ab. Nur Boulevardzeitungen gelten als noch unglaubwürdiger:
Auch beim Thema Glaubwürdigkeit ergibt sich eine klare Verteilung zugunsten der klassischen Medien. Nahezu die Hälfte der Befragten vertraut bei den Fernsehnachrichten auf die Richtigkeit der Aussagen. Den Tageszeitungen bescheinigt rund jeder Vierte Glaubwürdigkeit, bei den Internetnachrichten ist es jeder Neunte. Mit insgesamt lediglich 1,3 Prozent liegen Twitter und Blogs weit hinten, können sich aber dennoch vor den Boulevardzeitungen plazieren, deren Nachrichten nur 0,25 Prozent der Bundesbürger für wahrheitsgetreu halten. (Quelle)
Die Autoren der Studie kommen zum Schluss:
Die neuen Medien sind laut Umfrage somit noch keine Konkurrenz für Fernsehnachrichten, Internetnachrichten und Tageszeitungen. Twitter und Blogs gelten als wenig glaubwürdig und werden von den Bundesbürgern kaum genutzt, um sich über aktuelle Geschehnisse zu informieren. (Quelle)
Vor zwei Monaten hatte Nielsen in einer Umfrage ermittelt, welche Werbeformen als vertrauenswürdig gelten. Online-Bewertungen von Konsumenten wurden von drei Dritteln aller Befragten als glaubwürdig eingestuft. (siehe Medienmitteilung)
Auch wenn redaktionelle Berichte und Werbung im weitesten Sinne nicht direkt vergleichbar sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass Blogs und andere Social Media betreffend Glaubwürdigkeit so tief angesiedelt werden. Warum wollen denn alle Politiker und Parteien im Web und auf Twitter sein, wenn es dort angeblich so unglaubwürdig zu und her geht?
Für mich riechen die Ergebnisse von Faktenkontor nach Print-Verlegern, die in Google immer noch ihren grössten Feind sehen und überzeugt sind, Blogs und Tweets sind unglaubwürdig, weil sie keine überprüfbaren Quellen nennen.
Fast hätt ich’s vergessen: Wenn ich aus dem Iran twittere, bin ich eine Quelle. Wenn ich aus dem Bundestag twittere, bin ich höchstens eine undichte Stelle, die sofort identifiziert und geschlossen werden muss.
PS. Ich blogge aus der Schweiz. Dieser Blogbeitrag beruht auf zwei Medienmitteilungen und persönlichen Behauptungen von mir, die ich anstelle, ohne dafür eine Quelle zu nennen.







Zitat: “Für mich riechen die Ergebnisse von Faktenkontor nach Print-Verlegern, die in Google immer noch ihren grössten Feind sehen und überzeugt sind, Blogs und Tweets sind unglaubwürdig, weil sie keine überprüfbaren Quellen nennen.”
Komisch, für mich war es bislang immer andersherum: Blogs bzw. Onlinemedien allg. schätze ich als vertrauenswürdiger, gerade WEIL sie im Gegensatz zu Printmedien auf die Quellen meist verlinken. Hat sich also in den Text ein Bedeutungsdreher eingeschlichen? Grüße aus München