Social Media: Präsenz ohne strategische Nutzung

Eine Umfrage der deutschen Agentur PR-COM unter den 30 deutschen DAX-Konzernen zeigt, dass die meisten Unternehmen zwar auf den gängigen Web 2.0-Plattformen vertreten sind, diese aber im Rahmen der Unternehmenskommunikation nicht strategisch nutzen.

Von den 21 Dax-Unternehmen, die sich an der Untersuchung beteiligt haben, sind 67% im Bereich Social Media auf mindestens einer Plattform aktiv. Bei 33% der befragten Unternehmen gibt es nach derem eigenem Bekunden keinerlei Social-Media-Aktivitäten, weder auf deutschen noch auf englischsprachigen Plattformen. Wichtigste Social-Media-Plattformen sind YouTube und Twitter, hier verfügen jeweils 48% der befragten Dax-Unternehmen über Accounts in deutscher Sprache. Bei Facebook sind 19%, bei Xing, LinkedIn und StudiVZ jeweils 10% aktiv.

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Was DAX-Unternehmen vom Social Web erwarten. Quelle: pr-com.de

Dass Social Media dialogorientierte Medien sind, scheint bei der Mehrzahl der Dax-Unternehmen durchaus angekommen zu sein. Die Befragten erwarten von einer Präsenz im Web 2.0 eine Intensivierung des Dialogs: 67% mit der Öffentlichkeit, 57% mit Mitarbeitern, 52% mit Kunden, immerhin noch 38% mit Geschäftspartnern. Eine Verbesserung des Unternehmensimages wollen 52% erreichen, einen höheren Bekanntheitsgrad etwa ein Viertel. Knapp ein Fünftel erwartet eine Unterstützung des Vertriebs und ein Drittel eine Verbesserung des Supports.

Eine grosse Bedeutung hat Social Media allerdings für keines der DAX-Unternehmen, wie unten stehende Grafik zeigt.

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1=sehr grosse Bedeutung, 6=keine. Quelle: pr-com.de

Klassische Freigabeprozesse für die Kommunikation nach aussen lassen sich nur schlecht mit Social Media vereinbaren. Die befragten Dax-Unternehmen gehen mit dieser Problematik auf unterschiedliche Weise um: 33% geben an, über einen einheitlich definierten Freigabeprozess zu verfügen, 19% machen die Freigaben vom jeweiligen Thema abhängig, 14% verzichten ganz auf einen festen Freigabeprozess. Unternehmen ohne strukturierten Freigabeprozess gehören auch zu den aktivsten im Web 2.0.

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Interne Freigabeprozesse. Quelle: pr-com.de

Die Autoren der Studie ziehen folgendes Fazit:

Das Thema Social Media spielt in der Kommunikation der Dax-Unternehmen noch immer eine untergeordnete Rolle. Auch wenn die von Social Media völlig abstinenten Dax-Unternehmen mittlerweile in der Minderzahl sind, so erscheinen die vorhandenen Aktivitäten lückenhaft und halbherzig. Zudem sind sie nur wenig in die übrige Unternehmenskommunikation integriert. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass keiner der Social-Media-Auftritte – mit Ausnahme der Deutschen Bank und der Daimler AG – in die Homepage des jeweiligen Unternehmens integriert ist. Offenbar gehen die Dax-Unternehmen davon aus, dass sich die Besucher der Homepages für Social Media nicht besonders interessieren. (Quelle)

PR-COM-Geschäftsführer Alain Blaes sagt es etwas direkter:

„Das zögerliche und inkohärente Vorgehen der meisten befragten Unternehmen erinnert an einen Selbstfindungsprozess, der allerdings schon einige Jahre anhält. Social Media ist aber kein Thema, das erst kürzlich aufgekommen ist. Es ist also an der Zeit, dass die Konzerne aus ihrer Lethargie erwachen und Social Media in ihre Kommunikationsstrategie fest einbinden. Social Media ist nämlich längst dabei, Medien und Öffentlichkeit grundlegend zu verändern und mittlerweile auch zum Wirtschaftsfaktor avanciert.” (Quelle)

Über die Gründe für diese Zurückhaltung gibt die Studie leider keine Auskünfte.

Siehe auch
Online ja, aber nicht unbedingt Social Media (fuellhaas.com)
Zurückhaltung gegenüber Blogging im Unternehmen (fuelhaas.com)
Interview: Social Media in Dax 30 Unternehmen (Marketingberater 2.0)








3 Kommentare

  1. sehr gute zusammenfassung, danke. das sample ist sehr klein, die prozentzahlen sind dadurch seltsam. was schön gezeigt wird ist die grosse zurückhaltung, die wir immer noch sehen. das gebiet ist einfach noch zu neu und zu unübersichtlich dafür, dass die grossen dax-companies sich hier reinstürzen. der prozess geht weiter.

  2. Hannes sagt:

    Sehr schöne Zusammenfassung! Aber das Ergebnis wundert mich gar nicht. Schon in kleinen Unternehmen mit flachen Hierarchien ist die Investition in strategisches SMM äußerst schwierig durchzusetzen.

  3. [...] zeigte Ende Oktober 2009 eine Umfrage der deutschen Agentur PR-COM unter den 30 deutschen DAX-Konzernen, dass die meisten Unternehmen [...]