Social Media sind Teil der demokratischen Meinungsbildung, und keine Bedrohung

Mediale Vielfalt ist ohne Zweifel eine Grundvoraussetzung für freie Meinungsbildung in einer demokratischen Gesellschaft. Zur Medienlandschaft gehören heute aber nicht nur die „etablierten Medien“ wie Radio, Fernsehen und Printmedien, sondern auch die „neue Medien“ wie Blogs, Twitter und andere Social Networks. Auch wenn diese häufig als „Bürgerjournalismus“ bezeichnet werden, verstehen sich die meisten Blogger und Twitterer nicht als Konkurrenten zu den Journalisten, die für Verlage und Medienhäuser arbeiten.

Trotzdem sehen sich schon seit längerer Zeit diverse deutsche Vertreter der „etablierten Medien“ in einer existentiellen Bedrohungslage, die sich hauptsächlich aus Google News und Blogs zusammensetzt. Eine ähnliche Diskussion gab es vor rund zwei Jahren auch in der Schweiz, als der Verband Schweizer Presse (VSP) gegen den vermeintlichen Urheberechtsverletzter Google News zu Felde zog und schlussendlich eine eigene News-Plattform lancierte, deren URL heute aber niemand kennt.

Aber zurück nach Deutschland: Am vergangenen Sonntag feierte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sein sechzigjähriges Bestehen. Staatsminister Bernd Neumann nutzte als Gastredner die Plattform, Blogger zu attackieren. Zudem – und auch das ist nicht neu – beanspruchte er für die Journalisten das exklusive Informationsmonopol.

Das Grundsatzprogramm des DJV sieht die zentrale Aufgabe von Presse und Rundfunk darin: “Die Staatsbürger so zu informieren, dass sie am Prozess der demokratischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen können”.

Dafür tritt der Deutsche Journalisten-Verband seit Jahrzehnten ein – doch niemals zuvor war die Einhaltung diese Grundsätze eines freien, demokratischen Journalismus so erschwert wie heute. Wie soll Qualitätsjournalismus einer zunehmenden Konkurrenz durch Gratisinhalte im Netz, durch so genannte “Bürgerjournalisten”, durch Blogger und Twitterer und den damit einhergehenden dramatischen Veränderungen des Nutzerverhaltens begegnen? (Quelle)

Social Media sind heutzutage Teil des „demokratischen Meinungsbildungsprozess“. Ein hierzu von den „etablierten Medien“ selber gestartetes Projekt war beispielsweise der YouTube-Kanal „Open Reichstag“ des ZDF. Dort konnten User als Video Fragen an Politiker hochladen, welche dann später live im ZDF-Fernsehen beantwortet wurden.

Aber auch jeder einzelne Blogger und Twitterer oder Nutzer von Diskussionsforen trägt mit seiner Äusserungen zur öffentlichen Diskussion und zur Meinungsbildung bei. Zudem passt es meiner Meinung nach schlecht zu einer demokratischen Gesellschaft, wenn eine bestimmte Berufsgruppe das alleinige Recht für sich beansprucht, Informationen weiter zu verbreiten.

Aber es gibt ja auch Verlage, die in Social Media und Communities investieren. Zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehören Social Networks wie StudiVZ und SchülerVZ. Eine Mehrzahl der im MEDIEN-TRENDMONITOR (Juni 2009) von newsaktuell befragten Journalisten sieht zudem keine „Bedrohung“ für den klassischen Journalismus.

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Quelle: newsaktuell.de

Die Online-Ableger der grossen Printmedien haben unter ihrem Dach längst selber erfolgreiche Blogger angesiedelt, zum Beispiel “Netzökonom” Holger Schmidt bei der FAZ.NET. Ob diese dem Kampf gegen Gratis-Inhalte geopfert werden, bleibt abzuwarten.

Überhaupt sieht der aktuelle Trend „weg von Gratis-Inhalten“ nur nach einem Schuss ins eigene Knie aus. Medienunternehmer Rupert Murdoch will die Internetseiten seiner Medien für Suchmaschinen wie Google sperren und generell Inhalte online nur noch gegen Bezahlung anbieten. Auch den iPhone-Nutzern von bild.de und welt.de soll es ans Portemonnaie gehen: Der Axel-Springer-Verlag will noch in diesem Jahr kostenpflichtige iPhone-Applikationen veröffentlichen. Zeitgleich wird dann der Zugang auf die Webseiten mit dem iPhone-Browser wohl nicht mehr möglich sein. Dies berichtete golem.de.

Auch generell scheint man sich bei Axel-Springer nicht mit Gratis-Inhalten anfreunden zu können. Im Gegenteil, anlässlich des Monaco Media Forum (11./12. November 2009) fuhr Vorstandschef Mathias Döpfner kürzlich mal wieder schweres verbales Geschütz auf:

“Es ist einfach falsch zu denken, im Web müsse alles kostenlos sein. Die Theorie, dass es einen freien Zugang zu Informationen geben soll, gehört zum Absurdesten, was ich jemals gehört habe… Dies ist ein spätes ideologisches Ergebnis von Webkommunisten: Nur wenn alles kostenlos ist, ist es demokratisch.” (Quelle)

Die User werden mit ihrem Verhalten schlussendlich entscheiden, ob sie diese neuen Geschäftsmodelle der Verlage akzeptieren oder nicht. Sollten die Bezahlinhalte in einer Pleite für die Verleger enden, werden sie Schuldigen sicher nicht bei sich selber suchen.

Zum Thema Gratis-Inhalte / Gratis-Kultur siehe auch
“Content ist nichts wert in einer Welt, die nur aus Content besteht” (persoenlich.com)
Frankreichs Zeitungen stemmen sich gegen Einnahmeschwund (handelsblatt.com)
Mehr Auflage, mehr Klicks (sueddeutsche.de)
Murdoch gegen Google – Der direkte Zugriff (faz.net)
Der Mythos von der Gratiskultur (Thomas Knüwer, blog.handelsblatt.com)
Ringen um Gratis-Inhalte im Web (fr-online.de)
Döpfner gegen Huffington: Der Endkampf (arlesheimreloaded.ch)

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1 Kommentar

  1. [...] auch Social Media sind Teil der demokratischen Meinungsbildung, und keine Bedrohung (fuellhaas.com) Funktioniert Paid Content auf Mobiltelefonen? (mobile zeitgeist) Für Inhalte bezahlen? (Das [...]

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