Nur ein Flügelschlag für Red Bull

Am vergangenen Freitag erlag der Schweizer Basejumper Ueli Gegenschatz seinen Verletzungen. Zwei Tage zuvor war er für einen Red Bull Promotion-Event vom Sunrise-Tower in Zürich gesprungen. Dabei wurde sein Fallschirm von einem Windstoss erfasst und er stürzte auf den Asphalt. Für seine Familie und Freunde natürlich ein tragisches Ereignis. Wer jedoch erwartet hatte, über Red Bull würde jetzt online der kollektive Zorn der Internet-Gemeinde hereinbrechen, wurde in den letzten Tagen eines besseren belehrt.

In Blogs (Suche mit Google Blog Search) und auf Twitter (Twitter Search) ist das Ereignis kaum ein Thema, obwohl das Unternehmen Red Bull nur knappe Stellungnahmen abgibt und sich mehrheitlich in Schweigen hüllt.


Auf Twitter stellen nur wenige das Verhalten von Red Bull in Frage.

Einzig auf YouTube, wo ein Video des Sprungs bisher über 27’000 Mal aufgerufen wurde, wurde fleissig kommentiert. Die Kommentare beschäftigen sich jedoch eher mit der Person Ueli Gegenschatz und nicht mit der Marke Red Bull.

Zwei grosse Medientitel – der Tagesanzeiger und der Blick – nehmen das Ereignis und das Verhalten von Red Bull jedoch genauer unter die Lupe. Werbeprofi Hermann Strittmatter von der Agentur GGK Zürich kritisiert Red Bull für das Sponsoring von extremen Risikosportarten.

„Der Unfall ist eine Folge der Perversionen des Event-Marketings… Leute, die solche Events veranstalten, haben wohl eine Neigung zu einem asozialen Charakter. Kein Wunder, dass sie so verantwortungslos handeln.“ (Quelle)

Philippe Pfister, stellvertretender Chefredaktor des SonntagsBlick kommentiert wie folgt:

Sechs Fragen schickte SonntagsBlick dem Getränkemulti. Der Chef wollte sie nicht beantworten. Auch der Pressesprecher nicht. Die Redaktion erhielt nur ein dürres Statement von vier Sätzen. Auf der Schweizer Internetseite von Red Bull – dort, wo sich die Marketing-Strategen sonst so gern austoben, suchte man bis gestern Abend vergebens ein Wort der Trauer über den schrecklichen Unfall von Ueli Gegenschatz. Wie immer ist dort alles wild und süss und schön. Dass die wilden Werbeideen für einen wilden Energy-Drink innerhalb kurzer Zeit zwei Tote fordern, ist bitter. Aber es ist dieses Schweigen, das Red Bull ungeniessbar macht. (Quelle )


An solchen Schlagzeilen hat kein Branding-Experte Freude. Quelle: blick.ch

Auch heute Montag ist auf redbull.ch kein Wort zum Tod von Ueli Gegenschatz zu finden.


Bild: www.redbull.ch

Der Tagesanzeiger bringt derweil den nächsten Artikel, der Red Bull wenig Freude bereiten dürfte:


Bild: www.tagesanzeiger.ch

Red Bull spielt mit dem Draufgänger-Image. Der Energy-Drink-Hersteller gibt sich mit dem Sponsoring von Extremsportarten bewusst verwegen. Die erwünschte Botschaft: Nur Helden trinken Red Bull. Das hat auch seine Kehrseite, wie der Unfall von Ueli Gegenschatz zeigte. Doch der Schweizer ist nicht der einzige Sportler, der unter dem Logo von Red Bull tragisch verunglückte.  (Quelle)

Für den Tagesanzeiger stellt sich die Frage, ob Red Bull nach den tödlichen Vorfällen weiterhin am Extremsport und damit an halsbrecherischen Aktionen festhalten will. Ich denke, Red Bull wird von seiner Strategie nicht abweichen – Nervenkitzel ist Teil des Marketings. Unfälle bei Red Bull-Events sind auch zahlreich auf YouTube zu finden, scheinbar haben solche Vorfälle bisher der Marke Red Bull nicht wirklich schaden können. Und solange dies nicht passiert, wird Red Bull auch keinen Grund sehen, sein Engagement für den Extremsport in Frage zu stellen.








3 Kommentare

  1. [...] nicht. Ich versteh’, dass die Angehörigen sich nicht öffentlich äussern wollen. Aber, hey, von einem internationalen Konzern hat man andere Erwartungen als von Hinterbliebenen. Was bei der Familie als verständlich angesehen wird, kann bei einer Firma [...]

  2. Karsten S. sagt:

    Ich versteh ja das es Leute gibt die das schockt, wurde jedoch ein Sponsor in der Formel 1 angegriffen, als Senna sich tödlich verletzt hat? Extremsportler wissen genau was sie tun, sie schätzen das Risiko ab. Das auch da noch ein Restrisiko bleibt, ist ihnen bewußt. Ebenso, wie dem Formel1-Piloten, wenn er in sein Fahrzeug steigt.

    Das Werbepartner für jeden Sportler wichtig ist, das steht außer Frage. Das es Partner gibt die auch solche Randsportarten fördern ist toll. Ihr Engagement besteht jedoch nicht im Druck ausüben, sondern im Ressourcen stellen. Red Bull trifft keine Schuld.

  3. Man sieht wieder mal, wie hoffnungslos überfordert die Leute sind, die in der Krisensituation eigentlich reagieren müssten. Man ist schlecht vorbereitet, weiss nicht wie es geht und sagt sich “Augen zu und durch”. Und dann kann das natürlich eskalieren. Nicht auszumalen, wenn 20Min oder der Blick früher auf den letzten offiziellen Tweet von Red Bull gestossen wäre, der vom 12.11. bis heute Online war: Drink a Red Bull! You can nap when you’re dead! : )