Nur geringe Akzeptanz für Paid Content

Gross war die Aufregung als vor ein paar Wochen Verleger Rupert Murdoch ankündigte, die Webangebote seiner Zeitungen kostenpflichtig zu machen. Die Webseite der Londoner Times soll ab kommendem Frühjahr kostenpflichtig werden. In seinem Rundumschlag gegen das Internet plante er sogar, Google von den Webseiten seines Medienimperiums auszusperren und die Inhalte exklusiv bei der Microsoft-Suchmaschine Bing anzeigen zu lassen.


Sind Bezahl-Inhalte das neue Geschäftsmodell für Verlage? Quelle: pixelio.de / Running Man Fotos

Doch wie viele Internetnutzer sind überhaupt bereit, für Inhalte zu bezahlen? Nicht allzu viele, wie eine Studie von GfK Custom Research im Auftrag des The Wall Street Journal Europe herausgefunden hat. Für die Studie wurden rund 17’000 Personen in 16 europäischen Ländern und den USA befragt. Die Resultate kurz zusammengefasst:

  • 80 % wollen wie bisher kostenlosen Zugriff auf die Inhalte im Web haben
  • 33 % meinen, Internetinhalte sollen werbefrei und kostenlos sein
  • 46 % wollen kostenlosen Zugang, nehmen aber Werbung in Kauf
  • 13 % akzeptieren Bezahlinhalte (Quelle)

Für Paid Content scheint es keine grosse Akzeptanz zu geben. In Europa gibt es jedoch grosse regionale Unterschiede: So sind 23 Prozent der Schweden und knapp 20 Prozent der Niederländer bereit, für den Zugang zu Informationen im Web zu bezahlen. Am unteren Ende bei der Zahlungsbereitschaft rangieren Rumänen (4 Prozent), Polen (5 Prozent) und Spanier (6 Prozent). Eine erhöhte Akzeptanz hat die Umfrage bei auch bei denjenigen Usern festgestellt, welche bereits Dienste wie Online-Banking nutzen oder für den Kauf von Tickets oder Musikdownloads online bezahlen.

Im deutschen Sprachraum experimentiert der Springer-Verlag mit Paid Content für die Bild-Zeitung und die Welt. Während die bekannten Webangebote frei zugänglich bleiben, will Springer die Mobile User zur Kasse bitten, und zwar über eine kostenpflichtige iPhone-App.

Und was bietet Springer für’s Geld? Die WELTApp verspricht unter anderem:

  • Exklusive, spannende Storys unserer Auslandskorrespondenten, die Sie weder in der WELT noch auf WELT ONLINE finden.
  • Täglich fünf historische Geschichten des jeweiligen Tages und ihre Bedeutung.
  • Eine Länderdatenbank mit Informationen über 200 Staaten.
  • Wochentäglich die komplette WELT KOMPAKT als PDF, bevor Sie am Kiosk liegt.
  • Eine personalisierbare Startseite…
  • Eilmeldungen mit Push-Alarm…
  • Fußball-Liveticker mit Push-Alarm

Solange nur vereinzelte Newsseiten auf „bezahlen“ umstellen, kann mir schlecht vorstellen, dass dies ein Geschäftsmodell sein wird, welches sich durchsetzen wird. Zudem müssten die Verlage auch dringend an der Qualität ihrer journalistischen Inhalte arbeiten. Und dabei geht es in der erster Linie um Rechtschreibung und korrektes Deutsch. Viele Artikel auf dem Schweizer Newsnetz, zu welchem unterdessen die Online-Ableger mehrerer grosser Tageszeitungen zählen, schaffen meist nicht einmal mehr diese Hürde. Und dafür soll man dann noch bezahlen?

Siehe auch
Social Media sind Teil der demokratischen Meinungsbildung, und keine Bedrohung (fuellhaas.com)
Funktioniert Paid Content auf Mobiltelefonen? (mobile zeitgeist)
Für Inhalte bezahlen? (Das Kulturmanagement Blog)

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