Reputationsschaden für H&M: Wegwerfen statt spenden

Am vergangenen Dienstag (5.1.2010) berichtete die New York Times, eine New Yorker Filiale der Modekette H&M am Herald Square entsorge nicht verkaufte Kleidung via Müllabfuhr. Um sicherzustellen, dass die Kleider nicht mehr getragen werden können, wurden sie zerschnitten.

Die Studentin Cynthia Magnus, welche auf die Abfallsäcke aufmerksam geworden war, wird in der New York Times wie folgt zitiert:

“Gloves with the fingers cut off,” Ms. Magnus said, reciting the inventory of ruined items. “Warm socks. Cute patent leather Mary Jane school shoes, maybe for fourth graders, with the instep cut up with a scissor. Men’s jackets, slashed across the body and the arms. The puffy fiber fill was coming out in big white cotton balls.” The jackets were tagged $59, $79 and $129. (Quelle)

Auf der H&M-eigenen Fanpage auf Facebook mit über 1,4 Millionen Fans wurden sofort entrüstete Kommentare veröffentlicht. Hunderte von Usern gaben ihrem Unverständnis Ausdruck, warum die Kleider nicht einer Wohlstätigkeitsorganisation gespendet wurden.


Kommentare auf Facebook (www.facebook.com/hm)

Eine Stellungnahme von H&M auf der Facebookpage erklärt schliesslich, die Kleider seien bereits beschädigt gewesen und hätten den Sicherheitsbestimmungen des Unternehmens nicht mehr genügt.


Quelle: www.facebook.com/hm

Ein paar Stunden später ergänzte H&M seine Stellungnahme mit dem Hinweis auf das bereits grosse soziale Engagement und verwies auf seine Webseite zum Thema Corporate Social Responsibility.

„H&M annually donates hundreds of thousands of garments to charity and aid organizations, and will continue to do so. For a list of organizations and more information regarding our corporate social responsibility, please visit www.hm.com/csr.“ (Quelle)

Dort erfährt man, H&M spende zwar Kleider, die den Qualitätsstandards nicht genügten. Kleider, die den „safety requirements“ nicht entsprächen, könnten jedoch nicht an Wohltätigkeitsorganisationen weitergegeben werden:

We donate garments that do not meet our quality requirements to organisations such as UNHCR, Caritas, the Red Cross and Helping Hands. When possible, we also donate faulty garments that have been returned to our stores. However, we do not donate clothes that do not meet our safety requirements, chemical restrictions or are damaged… In total, more than 500,000 pieces of H&M garments were donated during 2009. (Quelle)

In einer Stellungnahme auf fashionweekdaily.com versprach H&M-Sprecherin Nicole Christie, die Handhabung von beschädigter Ware neu zu überdenken.

“We are reevaluating what we categorize as damage goods and how we discard what we are not able to donate… Everything goes through our warehouse, and from there we will determine where it is sent.” (Quelle)

Liest man die Kommentare auf Facebook, dreht sich die Diskussion unter anderem darum, zu welchem Grad die Kleider bereits beschädigt waren, bevor sie bewusst unbrauchbar gemacht wurden und in die Abfallsäcke gesteckt wurden. Das lässt sich schlussendlich nicht mehr nachvollziehen. Was Cynthia Villasenor schreibt, finde ich bemerkenswert, man solle nur Kleider spenden, die man auch selber tragen würde:

When I was a kid, we were very poor and couldn’t buy clothes from the store, we had to buy from the salvation army or get clothes from charity. One thing I hated was getting clothes that were stained and ripped. I always felt so humiliated having to wear them. Kids were very cruel and I was constantly made fun of or stared at. Damaged clothes should not be donated. Please be kind and thoughtful to those that can’t afford new clothes and only donate items that you would wear yourself. (Quelle)

Für H&M hat die Geschichte schon den Weg in die Medien ausserhalb Amerikas gefunden. Spiegel Online schreibt etwa:

„Jetzt sieht sich der Bekleidungsdiscounter als asozial gebrandmarkt, der frierende Obdachlose im Stich lässt.“ (Quelle)

Der Spiegel glaubt nicht an ein Versehen einzelner Ladenmitarbeiter. Er sieht die bewusste Zerstörung von Kleidern auch als Massnahme von H&M im Kampf gegen die unbeliebten Wiederverkäufer, welche Altkleider zu günstigen Preisen weiterverkauften.

H&M muss seine Praxis besser erklären und sich nicht hinter unternehmensinternen „Sicherheitsbestimmungen“ verschanzen, welche von der Öffentlichkeit nicht verstanden werden und das PR-Debakel erst recht befeuert haben. Mit der Fanpage auf Facebook verfügt H&M über eine gute Plattform, mehr Transparenz in ihre Spenden-Politik zu bringen.








4 Kommentare

  1. Martin sagt:

    H&M=hunger&misery 4ever4all those who are not able to pay.

  2. [...] via Reputationsschaden für H&M: Wegwerfen statt spenden – fuellhaas.com . [...]

  3. [...] Reputationsschaden für H&M: Wegwerfen statt spenden Zerschnittene Kleidung im Müll lässt das Image der schwedischen Modekette H&M alt und unsozial aussehen. Nachdem die “New York Times” berichtete, dass die Kette nicht verkaufte Ware ihres New Yorker Flagshipstore am Herald Square zerstörte und in den Müll warf, folgte ein Sturm der Empörung in Blogs, bei Twitter und Facebook. Link: Beitrag auf fuellhaas.com lesen [...]

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