Ist Marken-Präsenz auf Facebook Pflicht?

Gehört eine Marken- oder Unternehmenspräsenz auf Facebook heute zum Standard in der Kommunikation? – Auf jeden Fall, wenn man sich die Ergebnisse einer Umfrage von eprofessional unter 500 Internetnutzern ansieht. „Das Unternehmen versteht die neuen Medien nicht und lebt hinterm Mond“ denkt rund ein Drittel der Befragten über Unternehmen, die nicht auf Facebook zu finden sind. Über zehn Prozent vermuten sogar, Unternehmen ohne Facebook-Präsenz hätten etwas zu verbergen. Wer an seiner Online-Reputation arbeiten will, sollte  also neben anderen Massnahmen auch eine Facebook-Präsenz ins Auge fassen.

Auch wenn es sich um eine reine Online-Umfrage handelt, zeigen die Resultate doch klar die Richtung auf. Die Autoren der Studie werten die Ergebnisse als „Warn- oder zumindest ein Startsignal“ für Unternehmen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Markenschutz auf Facebook für viele Unternehmen noch kein Thema ist. Laut eprofessional verfügen nur sechs der zwanzig Best Brands 2010 über eine Präsenz mit einer so genanten Vanity-URL nach dem Muster „http://www.facebook.com/cocacola“, also mit dem Marken- oder Firmennamen in der URL. Martin Hubert, Geschäftsführer der eprofessional GmbH,  sagt dazu:

„Markenschutz ist auch in Facebook elementar. Unternehmen können ab 26 Fans eine URL beantragen und so ihrer Markenpräsenz eine eindeutige Adresse zuweisen, die sich auch in der Außenkommunikation besser verwenden lässt. Unternehmen sollten daher schon bei Gründung und Markenlaunch daran denken, ihre Marke auch in den wichtigsten Social-Media-Kanälen zu schützen.“ (Quelle)

Für viele Marken und Unternehmen existieren unterdessen von Konsumenten eingerichtete Seiten und die sozusagen „offiziellen“ Pages nebeneinander.

„Marken können die Kommunikation in Social-Media-Kanälen besser steuern, wenn sie diese selbst betreiben, statt es Dritten zu überlassen, eine Fanseite oder Gruppe zu gründen…“ (Quelle)

…empfiehlt eprofessional dazu. Ich denke, dies schiesst etwas übers Ziel hinaus. Es gehört zur Grundidee von Social Media, dass Kunden und Konsumenten ihre Vorlieben für bestimmte Marken online zum Ausdruck bringen und sich darüber mit anderen austauschen. Das ist Teil des “Kontrollverlustes” mit dem Kommunikations-Verantwortliche in Unternehmen umzugehen lernen müssen. Auf keinen Fall sollte man als Unternehmen bereits bestehende Fan-Communities behindern, sondern ein gutes Verhältnis zueinander suchen.

Die eprofessional-Umfrage zeigt auch, was Marken-Fans sich von Unternehmen am meisten wünschen:

Mit Material von
eprofessional.de

Mehr zum Thema Markenpräsenz in Social Networks
Branding auf Facebook: Zahlen und Fakten (fuellhaas.com)
Socialized Media: The Powerful Effects of Online Brand Interaction (briansolis.com)

Consumers Demand Brand Interaction (emarketer.com)
Facebook: Demographie Deutschland, Österreich und Schweiz per 28.02.2010 (thomashutter.com)








6 Kommentare

  1. Ein sehr wichtiges und interessantes Thema. Leider haben wir in letzter Zeit mehrere negative Erfahrungen mit Facebook gemacht. Unlängst haben wir für eine internationale Marke die Vanity-URL reserviert. Die Fanseite war danach mittlerweile 48 Stunden fast ununterbrochen OFFLINE, also für Fans und potenzielle Fans nicht erreichbar. Das stellt für uns eine große Problematik dar, vor allem was die Integration von Fanseiten in die Kommunikation und in Kampagnen betrifft: Wenn wir eine Social Ad-Kampagne konzipieren, deren Ziel eine Fanseite ist, und wir nicht mit einer Uptime von 99,5% rechnen können, überlegen wir es uns 3-mal. Klar, die Fanseite wird bis dato von Facebook kostenlos zur Verfügung gestellt. Aber Facebook selbst setzt verstärkt mit Tools, der Einführung einer eigenen Währung und anderen Maßnahmen, ja auf stärkere Werbeeinnahmen durch eine intensivere Präsenz von großen Unternehmen und Marken. Aber das wird schwierig, wenn es schon an der Uptime scheitert. Hier dazu auch unser Blogartikel: http://blog.viermalvier.at/facebook-fanseite-mehrere-tage-offline-nach-reservierung-der-vanity-url/

  2. Magaziniker sagt:

    Blitzumfrage unter 500 Facebook’lern. Soso.

  3. Frank JR sagt:

    Ein schöner Artikel. Jedoch bin ich wie Karim der Meinung, das der aktuelle Fanpage-Hype als sehr problematisch anzusehen ist. Zum einen generiert man nur auf Facebook zugeschnitten Content. Muss diesen mit allen anderen wichtigen Kanälen synchronisieren und bekommt bei Fragen einen Support der einem nur den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Man ist auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Den Launen, den technischen Änderungen und hat keinerlei Vetorechte. Man kann Anfangs so viele Fehler begehen und kann diese zum Teil nicht einmal hinterher korrigieren (zBsp. Vanity URL). Facebook ist kostenlos – richtig aber wenn ich schon auf Datenschutz und Privatsphäre verzichte und Anzeigen bei Facebook schalten soll, ist ein Support der nicht nur aus Textbausteinen besteht oder einer Blackbox dringend notwendig. Facebook wirkt überheblich und arrogant, das bringt der Erfolg manchmal mit sich.

  4. Frank JR sagt:

    PS: Die Umfrage sollte aber differenziert betrachtet werden – sie fand im Umkreis von Onlinern statt. Also Menschen die nicht unbedingt verstehen können, wenn man auf Facebook oder einer Fanpage verzichten möchte. Dies sollte man bei dem Ergebnis berücksichtigen.

  5. Ich denke, dass von dieser Umfrage am ehesten die Wünsche der der Facebook-Nutzer zu gebrauchen sind. Natürlich hat Facebook wie alle sozialen Netzwerke den Charme, dass ich hier einen riesigen Nutzerstamm vorfinde, aus dem ich als Unternehmen meine Fans “rekrutieren” kann – auch wir haben bei 1&1 diverse Fan-Pages und werden das Engagement hier sicher noch ausbauen. Außerdem kann ich eine entsprechende Seite natürlich in kürzester Zeit und mit minimalem Aufwand aus dem Boden stampfen.

    Allerdings bestehet eben das von Frank beschriebene Problem – die Seite liegt, kostenlos, bei einem externen Dienstleister, der sich kaum kontrollieren lässt. Daher haben wir uns entschieden, ganz klar auf unsere eigenes Blog als “Hub” unserer Social-Media-Aktivitäten zu setzen.

    Spannend dürfte einmal eine detaillierte Analyse sein, wie sehr sich denn die Follower/Fans ein und der selben Marke auf verschiedenen Social Networks / Plattformen unterscheiden.

  6. [...] ist das nicht viel mehr als eine Profilseite, nur eben nicht für eine Person, sondern eine Marke bzw. Institution. Ohne das Konzept hier ausführlich diskutieren zu wollen, muss doch die [...]