Wo liegt die wahre Bedrohung der Privatsphäre im Internet?

Die deutsche Stiftung Warentest hat mit ihrem Test den Aufreger der Woche geliefert: Social Networks wie studiVZ, XING oder Facebook achten zu wenig auf den Datenschutz und die Privatsphäre ihrer Nutzer.

Hier die Ergebnisse im Detail von der Webseite der Stiftung Warentest:


Quelle: Stiftung Warentest

Chefredakteur Hubertus Primus fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen. Für ihn zeigt sich ein deutlicher Graben zwischen europäischen und amerikanischen Anbietern von Social Networks.

Insgesamt zeigt der Test auch ein unterschiedliche Verständnis von Datenschutz. Die deutschen Anbieter sind eher dem europäischen Ansatz verpflichtet, dass jeder Nutzer ein Recht an den eigenen Daten hat. Deshalb ist zum Beispiel die Weitergabe dieser Daten an Dritte problematisch. Anders sieht das bei den amerikanischen Netzwerken Facebook, LinkedIn und Myspace aus. Der Deal ist einfach: Wir stellen euch das Netzwerk zur Verfügung. Ihr gebt uns dafür eure Daten, die wir zu Geld machen… Letztlich ist jeder sein eigener Datenschützer. Je weniger Daten er ins Netz stellt, desto geringer ist sein Risiko. (Quelle)

Anfangs Jahr hat ein Zitat von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Datenschützer ebenfalls alarmiert: „The age of privacy is over…“ Wie ich damals schon geschrieben habe, passen persönliche Aktivitäten und Anspruch auf Privatsphäre eh nur noch schlecht zusammen.

Wer im Web 2.0 auf einem oder mehreren Social Networks unterwegs ist, hat sich eigentlich vom ursprünglichen Begriff schon verabschiedet – man kann nur einstellen, wieviel Privatsphäre es noch sein soll. (Quelle)

Doch sind Facebook, Google & Co. wirklich die grössten Bedrohungen für unsere Privatsphäre oder werden die Dienst einfach gerne regelmässig von etablierten Medien attackiert? – Während die Mitgliedschaft in Social Networks immerhin freiwillig ist, brauen sich mit „ACTA“ internationale Regelungen zusammen, die massive Eingriffe in die Grundrechte jedes einzelnen bedeuten und denen sich keiner entziehen können wird.

Gewöhnt haben wir uns auch schon fast an flächendeckende Überwachungskameras im öffentlichen Raum an Bahnhöfen, Strassenbahnen und grossen Plätzen. Mit neuartigen Radar-Kontrollen, den so genannten Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen, sollen in Zukunft Autofahrer mit Zeit und Ort erfasst werden. In Deutschland machten im vergangen Jahr die Online-Hausdurchsuchung und die Vorratsdatenspeicherung ihre Runde und in der Schweiz wurde klammheimlich eine umfassende Überwachung des Internetverkehrs eingeführt, wie die WOZ aufdeckte. Dies nur ein paar Beispiele, wie der Staat ständig weiter in den bisher sicher geglaubten Bereich des Privaten eindringt.

Die Verweigerung an Social Networks teilzunehmen, mag zwar Facebook daran hindern, die eigenen Daten zu Werbezwecken an Dritte weiterzugeben, aber der zunehmenden Überwachung durch den Staat kann man sich kaum entziehen. Wir alle haben einen Internetanschluss zu Hause, fahren Tram, Auto oder Bahn und besuchen Grossveranstaltungen.

Mit Abkommen wie ACTA oder nationalen Gesetzgebungen wie das französische Hadopi-Gesetz werden häufig privatrechtliche Unternehmen zu verlängerten Armen des Staates um Bürger auszuspionieren und ihnen als Strafe den Zugang zum Internet zu sperren. Insbesondere scheint heute bald jedes Mittel recht zu sein, um der massiven Lobbyarbeit der Musik- und Filmindustrie Folge zu leisten – Bürgerrechte müssen sich den kommerziellen Interessen der Content-Anbieter unterordnen.

Ich denke, dies sind Themen über die man sich in Bezug auf Datenschutz und Privatsphäre wirklich Sorgen machen sollte.

Mehr Infos zu Privatsphäre, ACTA… hier:
Anti-Counterfeiting Trade Agreement ACTA (Wikipedia)
Kompletter Entwurf für Anti-Piraterie-Abkommen ACTA im Netz (heise.de)

Rechtsexperten sehen Licht und Schatten im ACTA-Internet-Kapitel (heise.de)
ACTA-Abkommen soll etwas transparenter werden (zeit.de)
Facebook will Nutzerdaten automatisch weitergeben (heise.de)
Internetüberwachung Schweiz: Am Tag danach (fuellhaas.com)








3 Kommentare

  1. [...] Bericht zu Privatsphäre und Datenschutz in Social Networks hat einer schon lange andauernden Debatte neuen Schwung verliehen. Höhepunkt war die Drohung der deutschen Verbraucherministerin Ilse [...]

  2. [...] (golem.de) Facebook greift nach dem Web (heise.de) Facebook-Chef gelobt Besserung (spiegel.de) Wo liegt die wahre Bedrohung der Privatsphäre im Internet? (fuellhaas.com) Vom Ende der Privatsphäre oder wenn private Information zur Währung werden… [...]