Haben Sie das Ende der amerikanische TV-Serie LOST schon gesehen? Keine Angst, ich werde Ihnen an dieser Stelle die Auflösung nicht verraten, Sie können also den Beitrag ruhig zu Ende lesen…

Kaum zu glauben: Ein Flugzeugabsturz hat aus diesen Menschen Freunde gemacht: Quelle: abc.com
Nur wenige Tage nach der Erstaustrahlung in den USA am 23. Mai 2010 – und lange vor der offiziellen Ausstrahlung in der Schweiz – berichtete der Tagesanzeiger bereits über das Ende der Mystery-Serie. Logisch waren darüber nicht alle begeistert. Fernsehsender wie das Schweizer Fernsehen SF stehen vor einem Dilemma: Über gehypte und populäre Serien wie LOST wird in den Medien berichtet und diese orientieren sich an der Ausstrahlung in den USA und nicht wann bei uns die Folgen zu sehen sind. Zudem kann man sich auf den offiziellen Seiten der amerikanischen Sender informieren oder sich einen Episoden-Guide ergoogeln. Die Informationen sind da – nur die Episoden nicht.
Aber nicht nur die Informationen über den weiteren Gang der Handlung sind im Netz verfügbar – die meisten Episoden lassen sich wenige Stunden nach ihrer Ausstrahlung auf einem US-Network bereits in HD-Qualität herunterladen. Dabei gibt es illegale und legale Angebote, wobei die Medienverantwortlichen im deutschen Raum meist nur von den illegalen sprechen oder schlicht alle Online-Angebote als illegal in einen Topf werfen. So war beispielsweise die sechste Staffel von LOST im deutschen iTunes-Store immer mit einem Tag Verspätung gegenüber den USA verfügbar. Völlig legal. Die Fernsehausstrahlung steht in Deutschland noch aus.
In der Schweiz ist man da noch rückständiger: TV-Serien im Schweizer Store sind (aus welchen Gründen auch immer) nicht verfügbar. SF zeigt die alte Staffel – als letzter Ausweg bleiben Downloads aus dem Torrent-Netzwerk oder von Filehostern wie Rapidshare.
Für SF ein unhaltbarer Zustand, findet Michel Bodmer im Gespräch mit dem Tagesanzeiger:
„Wir haben die Serie teuer eingekauft und zeigen sie einem Publikum, das Gebühren zahlt. Die sind mit Recht genervt, dass man ihnen das Ende verrät, das auf SF erst in einem Jahr ausgestrahlt wird. Natürlich ist mir klar, dass man die Realität Internet nicht ausblenden kann. Gerade weil die Serie von Fans im Internet verfolgt wurde, haben viele Sender das Serien-Finale synchron ausgestrahlt. Im deutschen Sprachraum war das aber nicht möglich.“ (Quelle)
Und angesprochen auf die Einschaltquote sagt Bodmer:
„Die Quote ist erodiert. Nachweislich schauen mehr Leute «Lost» und «Heroes» online als im Fernsehen. Für das Fernsehen ist das fatal, weil die Werbeeinnahmen wegfallen und so irgendwann kein Geld mehr vorhanden ist, um solche Serien zu produzieren.“ (Quelle)
Bodmer geht so weit zu behaupten, die Zuschauer wären gar nicht bereit, für legale und offizielle Download-Angebote zu bezahlen:
„In Amerika bieten die Sender ihre Serien auf speziellen Webportalen an. Wir dürfen auf Weisung des Bakom nichts ins Internet stellen, was wir vorher nicht im Fernsehen ausgestrahlt haben. Ausserdem: Wieviele Leute sind wirklich gewillt, gegen Geld, etwa auf iTunes, Serien herunterzuladen? Der Grossteil der Serien-Freaks foutiert sich um solche Kanäle und holt sich die Serie als illegale Downloads auf den Computer.“ (Quelle)
Die Behauptungen zur Zahlungsbereitschaft sind völlig aus der Luft gegriffen. Im Gegenteil, SF und andere deutschsprachige Sender haben es versäumt, frühzeitig in Verhandlungen mit den Serienproduzenten in den USA neue Vertriebswege aufzubauen. Warum nicht Episoden ohne sie zu synchronisieren zeitgleich mit Amerika ausstrahlen? Oder warum richten die amerikanischen Sender nicht ein europäisches Äquivalent zum Online-Serienportal hulu.com ein? Damit könnten sie die Veröffentlichung ihrer Serien sogar selber kontrollieren. Aber alle Beteiligten halten an etablierten Verwertungs-Abläufen fest – obwohl der Konsument schon lange andere Bedürfnisse hat.
Auch ein direkter Zugriff auf hulu.com aus Europa ist nicht möglich. Zwar kann man die Webseite aufrufen, aber dann ist Schluss:

hulu.com: Keine Chance, hier eine Episode zu schauen
Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten trotzdem die Episoden auf hulu.com abzuspielen – aber die Frage bleibt: Wie viele technische Hürden muss ich als Konsument knacken, nur um mir in einer globalisierten Welt eine aktuelle Episode einer amerikanischen TV-Serie anzuschauen?
Es sind die TV-Sender, die sich hier bewegen müssen. Das Bedürfnis der Konsumenten ist da. Also warum schafft bis heute keiner ein entsprechendes Angebot?










Ich kann mich da nur voll und ganz anschließen. Natürlich ist es eine Tatsache, dass Serienfreaks die neusten Episoden so schnell wie möglich sehen möchten. Viele davon möchten für das gebotene Angebot auch wirklich nicht bezahlen. Allerdings wäre dies weniger der Fall, wenn die Fernsehsender die Serien mit guten Untertiteln wenige Stunden nach der US-Ausstrahlung als käuflich-erwerblichen Download zur Verfügung stellen würden.
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