oder: Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte. Dies kommt unweigerlich in den Sinn, wenn man die Bilder, die auf den offiziellen Kanälen von BP veröffentlich werden mit denen vergleicht, die auf Facebook oder etablierten Online-Medien zu sehen sind. Eine heile Welt, wo die Ereignisse unter Kontrolle sind und wo alles technisch mögliche unternommen wird um aufzuräumen versus den nackten Horror einer unermesslichen Umweltkatastrophe mit unsäglichem Leid.
BP hat in den letzen Tagen Glaubwürdigkeit in allen Bereichen verloren:
- Technische Fähigkeit: Ist BP mit seinen Ingenieuren in der Lage, den Ausfluss von Öl zu stoppen?
- Transparente Kommunikation: Berichte über aggressives Online Reputation Management und Zensur vor Ort machen die Runde.
- Profitabilität: Unter dem Druck der US-Regierung soll BP die Dividende zurückbehalten und Milliarden von Dollars in Treuhandkonten einbezahlen.
- Verantwortungsbewusstsein: Notfallpläne und Sicherheitsberichte sind ungenügend. Hinweise auf Mängel wurden nicht beachtet.
- Ansehen in der Branche: Die Konkurrenten werfen BP vor, die Katastrophe sei „vermeidbar“ gewesen. Gemeinsam fürchten sich sie vor einschneidender Regulation durch die US-Regierung.
Die etablierten Medien haben nebst den aktuellen Entwicklungen an den Küsten des Golfs von Mexiko die Unternehmenskommunikation und PR-Kampagnen von BP als Thema entdeckt. Die Süddeutsche Zeitung bringt es zugespitzt auf den Punkt:
Früher wäre BP eher mit einem blauen Auge davongekommen. Man hätte die Krisenregion abgeriegelt, die Öffentlichkeit mit Euphemismen besänftigt, gehofft, dass sich die paar Bilder von ölverklebten Vögeln in der Tagesschau bald versendet hätten, um dann Lobbyisten ins Land ausschwärmen zu lassen und mit den wirklich wichtigen Reparaturmaßnahmen zu beginnen, denen am Image nämlich.
Einst kam man mit dieser Strategie gut aus der Krise. Doch nun gibt es das Social Web. Und BP kann sich nicht mehr so einfach aus der Affäre mogeln. Nun muss sich der Konzern so transparent und so zerknirscht zeigen, wie es dem Riesenunglück vielleicht angemessen und von der globalen Öffentlichkeit gewünscht ist. (Quelle)
Mit aller Kraft versucht der Konzern auch, die journalistische Arbeit vor Ort zu blockieren, wie Spiegel Online schreibt:
Am Golf von Mexiko bestimmt BP, wer die Ölpest zu Gesicht bekommt. Die Firma blockiere die Berichterstattung über die Katastrophe, sagen Journalisten. Mit riskanten Tricks erlangen Reporter Zugang zur Sperrzone – ihnen bieten sich grausige Bilder. (Quelle)
Doch zurück zu den eingangs erwähnten Bildern. Ölverschmierte Vögel und andere Tiere liefern besondern grauenhafte Motive bei Ölkatastrophen, unzählige Tiere sind bereits verendet, auch wenn versucht wird, sie zu reinigen. Auf der flickr-Seite von Deepwater Horizon Response sind seit ein paar Tagen diese Bilder zu sehen.
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Sie zeigen wie Vögel und Meeresschildkröten vom Öl befreit werden. Die Schutzanzüge der Arbeiter sind verdächtig weiss und die Tiere scheinen auch nicht allzu stark verschmutzt. Sind die Bilder nur gestellt? Auf jeden Fall hat BP für die Behandlung der Tiere einen Prozess festgelegt, der suggeriert, jeder Tier würde ihn problemlos durchlaufen, bis es wieder freigelassen wird:
Oiled wildlife is brought to the triage center for assessment and a brief cleaning before being transported to Fort Jackson, Fla., for cleaning, rehabilitation and release. (Quelle)
Wohin Tiere kommen, die getötet werden müssen oder die schon tot gefunden werden, verschweigt BP komplett.
Der wahre Horror findet nicht in der offiziellen BP-Kommunikation statt, sondern in den Foto-Strecken der Online-Medien oder auf Facebook. Solche Bilder würde BP am liebsten unterdrücken. Kein Wunder, sie machen betroffen und wütend auf den Konzern.
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Natürlich ist der Umgang mit Bildern nur ein Teil der gesamten Krisen-Kommunikation. Doch er zeigt sehr eindrücklich, welche Botschaften BP rüberbringen will und welche nicht. Das wurde auch schon mit dem viel kritisierten TV-Spot deutlich.
BP-CEO Tony Hayward ist jedoch nicht der einzige, der sich nicht mit toten Vögeln oder grossen Ölteppichen zusammen fotografieren lassen will. Die im flickr-Stream des Weissen Hauses veröffentlichten Bilder sind „clean“.
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Mehr Medienberichterstattung zu BP
BP’s „Deepwater Horizon“: Desaster für Umwelt und Reputation (fuellhaas.com)
BP – das Web schlägt zurück (fuellhaas.com)
Ölkonzerne: Angst vor Regulierung Alle Finger zeigen auf BP (sueddeutsche.de)
Ölkatastrophe Schicksalswoche für BP (WirtschaftsWoche)
Geld gegen Öl (FTD.de)
BP: Lehrstunde für schlechtes Notfall- und Risikomanagement (RiskNET)
Social Media: Vertuschen schwer gemacht (Zeit Online)



















Wie wäre denn eine angemessene Reaktion?
Ist es realistisch zu erwarten, dass ein Global Player wie BP sich mit ölverschmierten Vögeln und Familien, die Ihre Existenz verlieren zusammen ablichten läßt? Ich denke, BP verhält sich wie sich große Unternehmen bisher immer verhalten haben – distanziert, offizielle Kanäle und einen Maulkorb für Mitarbeiter. Stellen wir uns doch einmal vor, die Ingenieure von BP schrieben in Ihren Blogs über Ihre Ideen das Loch zu stopfen? Wären wir dann als interessierte Öffentlichkeit besser gestimmt?
Die Vorgehensweise von BP und die Öffentlichkeitsarbeit, die dort betrieben wird, sehe ich selbst auch kritisch und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Notfallplan für die Öffentlichkeitsarbeit in der Schublade liegt, Facebook und andere Social Media Plattformen dort aber nicht vorkommen und allte 0815 Vorgehensweisen “wie immer” eingesetzt werden.
Gabe es denn anderen Vorgehensweisen? Wenn ja, welche?
Interessierte Grüße,
Judith Torma
Wenn BP, wie vom Konzern selbst angekündigt, nach diesem Desaster vor Amerikas Küste jetzt trotzdem auch im Mittelmeer noch tiefer nach Öl bohren möchte, dann ist das in meinen Augen Schwerst-Kriminalität gegenüber den Menschen in Europa. Um das zu stoppen, sind jetzt Uno und EU schnellstens gefordert. Und wir alle durch einen weltweiten Boykott dieses verbrecherischen Unternehmens.