Wer aktiv twittert oder den Nachrichtenstrom verfolgt, kennt die Kurz-URL’s wie tinyurl, bit.ly oder ow.ly. Es gehört zum Twitter-Ökosystem, dass rund um die Weblösung twitter.com eine ganze Reihe von vielfältigen Programmen und Diensten von Drittanbietern entstanden ist, die das tägliche Twittern erleichtern. Im Bereich der Kurz-URL’s soll es per Ende Jahr zu einer entscheidenden Änderungen kommen. Dies hat Twitter bereits im Juni bekannt gegeben.
Auf Ende Jahr sollen alle in Twitter geposteten Links einheitlich als t.co-URL angezeigt werden. Auf Accounts wie @TwitterAPI oder @rsarver hat Twitter dies bereits umgesetzt.

Bild: bit.ly & Co. geht’s an den Kragen… Quelle: stock.xchng
Was verspricht sich Twitter davon? Das sympathische an Twitter war bisher, dass sich der Dienst über eine Vielzahl von Interfaces nutzen liess und diesbezüglich wenig Druck auf seine Nutzer ausübte. Die Twitter-Verantwortlichen versprechen sich eine Verbesserung der „User Experience“. Dass will heissen, die Unklarheit einer verkürzten URL soll beseitigt werden und in Zukunft soll der User am Link erkennen können, wohin ihn dieser führen wird. Programme wie Tweetdeck haben dies jedoch in Form einer Vorschau-Funktion schon lange integriert.
Ultimately, we want to display links in a way that removes the obscurity of shortened link and lets you know where a link will take you. (Quelle: Twitter Blog)
Neben Sicherheitsaspekten geht es Twitter aber vor allem um ein eigenes zentrales Messinstrument für die Werbeplattform „Promoted Tweets“.
In addition to a better user experience and increased safety, routing links through this service will eventually contribute to the metrics behind our Promoted Tweets platform and provide an important quality signal for our Resonance algorithm—the way we determine if a Tweet is relevant and interesting to users. We are also looking to provide services that make use of this data, an example would be analytics within our eventual commercial accounts service. (Quelle: Twitter Blog)
Die Zentralisierung der Kurz-URL’s bedeutet aber auch, dass jeder Klick eines jeden Users auf einen Link in einem Twitter-Post bei Twitter geloggt wird. Aus der Auswertung dieser Daten erhofft sich Twitter, seinen Usern relevanteren Content anbieten zu können.
When you click on these links from Twitter.com or a Twitter application, Twitter will log that click. We hope to use this data to provide better and more relevant content to you over time. (Quelle: zdnet.com)
Wer bereits einen eigenen URL-Kürzer wie bit.ly benutzt, der neben der Verkürzung auch jede Menge interessante Klick- und Weiterverbreitungs-Statistiken liefert, kann jedoch wenigstens teilweise beruhigt sein.
If you are already partial to a particular shortener when you tweet, you can continue to use it for link shortening and analytics as you normally would, and we’ll wrap the shortened links you submit. (Quelle: Twitter Blog)
Was Twitter jedoch nicht anspricht, sind Performance- und Privacy-Fragen. Der Dienst ist bekannt für Unterbrüche und Unerreichbarkeit wegen Überlastung. Nun will Twitter sich auch noch die URL-Verkürzung aufbürden? Dies wird wohl nur mit einem Ausbau der Infrastruktur reibungslos möglich sein, wenn man die User nicht vergraulen will. cnet-Blogger Declan McCullagh spricht auch verschiedene Bedenken bezüglich Privatsphäre und Datenschutz an:
So beyond the it-feels-a-bit-creepy, what’s the real privacy concern? It’s this: a security breach at a Twitter data center could reveal who’s clicking on what links (although any theoretical breach would probably reveal much more sensitive information too). Police armed with search warrants in criminal investigations may have link-clicking questions they want answered. Divorce attorneys armed with subpoenas won’t be far behind. And, in general, users may not expect this data about their behavior to be stored forever. (Quelle)
Daneben darf man auch nicht vergessen, dass Informationen bezüglich dem Klickverhalten der User bisher bei vielen verschiedenen Dienstanbietern verteilt waren. Nun werden diese Informationen zentralisiert. Und da jeder Twitter-User mit einem Account bei Twitter registriert ist, lassen sich theoretisch auch userbezogene Klickverhalten-Profile erstellen.
Hinter dem Schritt von Twitter steht für mich klar die Absicht, mehr „kommerziell Verwehrtbares“ aus den eigenen Usern herauszuholen. Das geht nur über einen zentralisierten Dienst. Die Vielfalt des Twitter-Ökosystems aus Drittanbietern, die im Kleinen das dezentrale Konzept des Internets widerspiegelte, geht dabei verloren. Gegenüber zentralisierten Plattformen wie Facebook war dies lang eine Stärke. Ob die User, und dies betrifft Privat-Twitterer genau so wie Corporate Accounts, diese Entwicklung akzeptieren werden?
Weiterführende Links zum Thema
Twitter to Change Links and How They Are Displayed [UPDATED] (mashable.com)
Twitter Promoted Tweets Are Live (mashable.com)
How Will Bit.ly Work with Twitter’s Link Wrapping? (WebProNews)










Twitter beschneidet URL-Shorter…
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