Notwehr als Geschäftsmodell
Die Auseinandersetzung zwischen frei zugänglichen Inhalten im Web und Paid Content ist noch lange nicht entschieden – schlussendlich werden die User entscheiden, welche Angebote sie akzeptieren. Im August wurde bekannt, dass Rupert Murdoch weitere Titel auf Paid nur noch gegen Bezahlung im Web zugänglich machen will. Auch auf dem iPad versuchen immer mehr Verlage mit kostenpflichtigen Apps ihren Content an den zahlenden Leser zu bringen: Im September lanciert die Wochenzeitung DIE ZEIT gleich mehrere Apps.

Quelle: slate.com
Mit wie harten Bandagen an gewissen Orten gekämpft wird, machte jüngst ein bericht auf Spiegel Online deutlich: Die Firma „Righthaven LLC“ wurde zu einem einzigen Zweck gegründet. Blogbetreiber sollen gezielt wegen Copyright-Verletzungen verklagt werden. Dabei es nicht um die Durchsetzung von tatsächlichen Rechtsansprüchen – es geht um Geld und darum, Konkurrenten der Printmedien die Existenzgrundlage zu machen.
Über 100 Blogger und kleinere News-Aggregatorenseiten in den USA haben in den letzten Monaten Post von Righthaven LLC bekommen. Der Inhalt ist immer derselbe: Es ist eine Abmahnung, die für die angebliche Verletzung von Copyrights eines Klienten der Kleinkanzlei 75.000 bis 150.000 Dollar verlangt, sowie die Überschreibung der Webadresse des Rechte verletzenden Blogs auf Righthaven LLC. (Quelle)
Viele kleine Blogger lassen sich von „Copyright-Trollen“ wie Righthaven einschüchtern und bezahlen lieber, als sich auf einen Rechtsstreit einzulassen. Righthavens Umsatz wird längst auf sechsstellige Höhe geschätzt.
Wohlgemerkt Umsatz, nicht Profit, denn Righthaven hat auch Auslagen, die über das bloße Porto hinausgehen: Die Strategie der Firma fußt darauf, die Rechte an von Bloggern abgekupferten Artikeln von den betroffenen Verlagen zu erwerben und dann als Verletzung eigener Rechte abzumahnen… Spätestens an diesem Punkt steigt selbst in der juristischen Kollegenschaft der Adrenalinspiegel: Zu deutlich riecht das nach Geschäftemacherei, nach Ausnutzung des geltenden Rechtes für kommerzielle Zwecke – korrekt in der Sache, aber unethisch im gewählten Ansatz. (Quelle)
Righthaven und seine Auftraggeber schrecken auch nicht davor zurück, das Recht auf Zitieren in Frage zu stellen. Vor allem amerikanische Lokalzeitungen, die selber ums Überleben kämpfen, wollen so Blogger aus dem Geschäft drängen.
Allein in Las Vegas, wo Righthaven residiert, soll es rund 150 auf Lokalnachrichten spezialisierte Blogs und Aggregatorenseiten geben. Die meisten davon arbeiten tatsächlich metakommunikativ: Sie schreiben über das Schreiben anderer. Genau hier liegt Righthaven LLCs Ansatzpunkt – die Anwälte greifen da an, wo Zitat auf vermeintliches Plagiat trifft. (Quelle)
Kein Wunder trifft Righthaven auch auf Widerstand im Netz. So schreibt beispielsweise Eric E. Johnson, Professor an der University of North Dakota School of Law, in seinem Blog regelmässig über das Unternehmen. Auf “Righthaven Victims” haben sich Opfer der fragwürdigen Geschäftspraktiken organisiert.

Bild: righthavenvictims.blogspot.com. Hier haben sich Opfer von Righthaven online organisiert.
Lesen Sie den kompletten Artikel auf Spiegel Online.
Tageszeitungen verlieren erneut Leser
Bleiben wir noch einen Moment bei den Print-Medien. Fast alle grösseren bezahlten Tageszeitungen der Deutschschweiz und die Gratiszeitung “20 Minuten” haben Leser verloren, wie persoenlich.com berichtet. Dem Abwärtstrend getrotzt hat die Blick-Gruppe mit ihren Boulevard-Publikationen. “Blick”, “SonntagsBlick” und “Blick am Abend” legen zu. Der “Blick” macht erstmals seit viereinhalb Jahren wieder Boden gut. Interessant ist, dass der allgemeine negative Trend nicht für die französischsprachige Westschweiz gilt. Von den auflagenstärksten Titeln büsste einzig die “Tribune de Genève” an Reichweite ein.
Die aktuellen WEMF-Zahlen gibt es hier.
Warum der Social Media Newsroom ein „Must-Have“ ist
Auf dem Blog von myON-ID-Media lief in den vergangenen Woche eine spannende Serie zum Thema Social Media Newsroom. Auch wenn viele Unternehmen überzeugt sind, ihr „klassischer“ Medienbereich auf der Webseite genüge vollauf, öffnen sich immer mehr Firmen für die Online-Kommunikation mit allen Stakeholdern. Ein Social Media Newsroom ist dafür eine gute Basis.
Social Media Newsroom – “nice to have” oder “must have”?
Eine gute Unternehmenskommunikation benötigt keine Hype-Tools, aber sollte möglichst effizient ihre Stakeholder erreichen. Ist das mit dem klassischen Pressebereich überhaupt noch möglich? Ein Social Media Newsroom bietet weit mehr Services. Je aktiver Unternehmen sich auf das Social Web einlassen, desto mehr wird ein Social Media Newsroom zum “Must Have”. (Quelle)
Hier geht’s zur Zusammenfassung der Social Media Newsroom Expertenrunde.
Hilfe, meine Oma ist auf Facebook!
Ja, warum den auch nicht. Flowtown, bekannt für schön aufbereitete Infografiken, hat zur wandelnden demografischen Nutzerstruktur von Social Networks die wichtigsten Fakten visuell aufbereitet.

Klicken, um die gesamte Grafik anzusehen.
Weshalb Unternehmen mit Social Media scheitern
Klaus-Dieter Knoll hat sich Gedanken gemacht, warum viele User mit den Social Media-Aktivitäten von Unternehmen unzufrieden sind. Die Ursachen für mangelhafte Budgets und fehlende Strategien ortet er in einer Unternehmenskultur, die nicht zur digitalen Welt passt:
Lassen sich solche Mängel also aus Unverständnis und dem daraus resultierenden Kompetenzgerangel erklären, weisen sie auch offen darauf hin, dass industriell gewachsene hierarchische Strukturen in der digitalen Welt an ihre Grenzen stoßen. So lässt sich Social Media eben nicht von einem 400-Euro-Praktikanten oder als Zusatzaufgabe von den eigenen Mitarbeitern während unbezahlter Überstunden erledigen. Die Werbespots im Fernsehen und Radio, die Anzeige in den Printmedien oder die Imagebroschüre entstehen ja auch nicht auf diese Weise.
Social Media muss von Leuten bedient werden, die wissen was sie tun. Sie müssen mit der Sphäre ebenso vertraut sein wie mit den innerbetrieblichen Abläufen. Sie müssen ebenso Verständnis für die Unternehmenskommunikation wie fürs Marketing aufbringen und dürfen nicht durch streng von einander abgegrenzte Kompetenzbereiche behindert werden. (Quelle)
Ganzen Blogbeitrag von Klaus-Dieter Knoll auf Kadekmedien’s Blog lesen.
Lesetipp: Kommunikation 2.0: PR-, Marketing- und Werbeagenturen spüren die Evolution
Wenn Kunden nach Dingen fragen, die man selbst zu lange für einen Hype gehalten hat, wird die Gefahr Realität, von den eigenen Kunden überholt zu werden. Der Wandel in der Kommunikation(sbranche) hat die Agenturlandschaft in eine lange Evolutionskette zerlegt. Nicht alle Agenturen haben den Wandel bis heute erfolgreich vollzogen. Und so spüren je länger je mehr Agenturen, wie sich ihr Status quo verschärft und ihre Substanzen schwinden.
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