Lesenswert (12): Der Tag, als das Internet still stand

Twitter und Facebook down
Mit Twitter und Facebook standen gleich der grössten Social Media-Plattformen vergangene Woche still.


Bei Twitter und Facebook ging letzte Woche nix mehr. Quelle: thenextweb.com

Twitter erwischte es als erstes. Auf twitter.com wurde eine Sicherheitslücke ausgenutzt, um per Javascript Schadcode zu verbreiten. Betroffen war jedoch nur die Webplattform von Twitter selber, die zahlreichen Twitter-Clients wie Tweetdeck waren nicht betroffen. Später wurde bekannt, dass ein erst 17-jähriger Australier hinter der ganzen Aufregung stand. Auf dem eigenen Blog entschuldigte Twitter sich bei seinen Nutzern und betonte, es seien keine sicherheitsrelevanten Informationen offengelegt worden:

This exploit affected Twitter.com and did not impact our mobile web site or our mobile applications. The vast majority of exploits related to this incident fell under the prank or promotional categories. Users may still see strange retweets in their timelines caused by the exploit. However, we are not aware of any issues related to it that would cause harm to computers or their accounts. And, there is no need to change passwords because user account information was not compromised through this exploit.

We’re not only focused on quickly resolving exploits when they surface but also on identifying possible vulnerabilities beforehand. This issue is now resolved. We apologize to those who may have encountered it. (Quelle)

Zwei Tage später erwischte es dann Facebook. Als offizieller Grund wurde ein Softwarefehler angegeben. Das Social Network war während rund zweieinhalb Stunden nicht erreichbar. Via Twitter, was ja zum Glück wieder lief, wurde dann bekannt gegeben, die Seite wäre wieder erreichbar.

Vom Totalausfall von Facebook war aber nicht nur das Network selber betroffen. Da viele Webseiten Like-Buttons, Like-Boxen und andere Social Plugins von Facebook integriert haben, konnten auch viele dieser Seiten nicht mehr komplett im Browser geladen werden. Für Stunden gab es im Internet kein rechtes Vorwärtskommen mehr. Die Downtime von Facebook hat gezeigt, wie stark viele Webseiten untereinander verzahnt sind und was der Ausfall eines grossen Anbieters wie Facebook bedeuten kann.

Facebook-Kritiker nahmen den Tag wiedermal zum Anlass, die Vorteile eines Ausfalls zu betonen, nämlich weniger Verlust von produktiver Arbeitszeit:
Der Tag, an dem Facebook stillstand (Welt Online)
Facebook down: Was tun ohne den Zeitfresser? (Badische Zeitung)

Blogs: Leser-Wachstum im Schatten der Social Networks
Wer sich online mitteilen und präsentieren will, dem stehen heute eine Vielzahl von Möglichkeiten offen. Das Angebot reicht von den grossen Social Networks wie Facebook und XING, über Twitter bis hin zu Live-Streaming Plattformen wie posterous und tumblr. Wer auf Bilder und Videos setzt, kommt um die Branchenriesen flickr und YouTube nicht herum. Kommunikationsagenturen setzen neu auf Social Media Newsrooms, um ihren eigenen Content online zu pushen. Blogs, mit ihren langen Texten, scheinen hinten anzustehen. Social Media sind ständig im Wandel, Plattformen kommen und gehen.
Meinen eigenen Blog (die Webseite, auf der sie sich gerade befinden) betreibe ich seit dreieinhalb Jahren. Das Medium Blog halte ich nach wie vor für das vielseitigste, wenn es darum geht, umfangreichen „Unique Content“ online zur Verfügung zu stellen. Der aktuelle Report “The Blogosphere: Colliding with Social and Mainstream Media” von eMarketer sieht überraschenderweise die Leserschaft von Blogs immer noch im Wachstum, auch wenn nur sehr minimal. Paul Verna, eMarketer Senior Analyst, sagt:

“Trends in blog reading are expected to maintain an upward course as blogs continue to gain influence in the mainstream media. But there is a caveat to this forecast: Over time, blogs will continue to become indistinguishable from other media channels.” (Quelle)

Das aktive Schreiben von Blogs wird immer eine Nischenangelegenheit bleiben. Blogging ist nicht mehr die bevorzugte Art und Weise, sich online auszudrücken, zieht eMarketer Bilanz.

There are several factors driving the growth of blogging, including the ease of use of personal blogging platforms and the growing comfort level with blogs as a form of media. At the same time, social media like Twitter and Facebook are giving consumers an alternative, less-intensive way to communicate their thoughts to the world. Blogging is no longer a primary way for people to express themselves online. (Quelle)

Der BlogHerald hat mit einer wunderschönen Infografik den „State of the Blogosphere“ Im Jahre 2010 zusammengefasst.

Alte Blogbeiträge löschen?
Blieben wir noch beim Thema Blogs. Thomas Frütel hat auf dem Webmaster Blog die Frage aufgeworfen, wie man mit alten Blogposts, die auf nicht mehr existierende Webseiten verlinken und keinen Traffic mehr erzeugen, umgehen soll. Er will seinen Blog einer Verjüngungskur unterziehen:

„Die kaputten Links müssen raus, und auch bei den Posts muss aufgeräumt werden. Veraltete Artikel, die keinen Traffic und keine nennenswerten Backlinks haben, werde ich löschen.“ (Quelle)

Meinen eigenen Blog habe ich bis heute keiner Kur unterzogen, alle Posts sind bis auf eine Ausnahme im Archiv zugänglich. Da ein Artikel über das Löschen des eigenen Facebook-Accounts dazu geführt hatte, das ich spät abends Telefone von verzweifelten Damen und Herren bekam, sah ich mich gezwungen den Artikel offline zu nehmen. Wenige Tage später war er dann auch aus Google verschwunden. Aber alte Beiträge löschen? Auch wenn ich heute über manches Thema anders denken mag oder mehr drüber weiss, sind alte Blogbeiträge „Kinder ihrer Zeit“. Nicht mehr funktionierende Links sind ärgerlich, aber gehören halt auch zum Medium Internet.

Jugendliche mit Werbung via Social Networks erreichen
Was denken junge Menschen über Marketing in Social Media? MTV und Volkswagen haben in Partnerschaft mit Nielsen untersucht, wie man am besten mit Jugendlichen über soziale Netzwerke kommuniziert. Die Resultate: Social Media werden von 14- bis 29-Jährigen für Kontakte und Unterhaltung genutzt: 79 Prozent halten sie für gut geeignet, um mit anderen in Kontakt zu bleiben, für 72 Prozent ist der Spass der ausschlaggebende Faktor für den Einsatz.

Die Begeisterung für die Netzwerke überträgt sich auch auf die Marken: Vier von zehn jungen Menschen veröffentlichen in Social Media ihre Lieblingsmarken, jeder dritte hält Netzwerke für gut geeignet, um mit Unternehmen oder Marken Kontakt aufzunehmen oder Informationen zu finden. Ebenso viele haben ihre Sympathie oder Unterstützung durch Fan-Werden oder ähnliche Aktionen bereits öffentlich gemacht. Die Studie gibt sechts Richtlinien, die allerdings nicht nur für die Social Media Kommunikation mit Jugendlichen gelten:

  1. Ehrlich statt erhaben: Die jungen Netzwerker wünschen sich einen ehrlichen Austausch auf Augenhöhe.
  2. Ideenreich statt imitierend: Alter Wein in neuen Schläuchen kommt auch bei den jungen Netzwerkern nicht gut an. Eigene Ideen sind gefragt.
  3. News statt nerven: Bitte nicht Spammen. Echte News und spannende Geschichten sollen es sein.
  4. Privat statt penetrant: Soziale Netzwerke sind immer auch private Orte. Die jungen Netzwerker wollen sich nicht überwacht fühlen.
  5. Interaktion statt Infantilismus: Nutzer von sozialen Netzwerken wollen nicht wie kleine Kinder mit Informationen berieselt werden, sie wollen einen echten Dialog.
  6. Benefit statt Bonbon: Wenn User sich als Fans, Follower oder in irgendeiner anderen Form engagieren sollen, muss für sie klar sein, was es ihnen selbst bringt.

Mehr Informationen gib es auf internetworld.de








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