Datenschützer sagen, peinliche Partyfotos in Social Networks schaden der Karriere, weil Personalchefs jeden Bewerber mit der Hilfe von Google in einen gläsernen Kandidaten verwandeln. Auf der anderen Seite stehen die Aussagen einer neuen Studie der Universität Erfurt, die zum Schluss kommt: „Bewerber googeln lohnt sich nicht!“. Auf Seite fünf der Management Zusammenfassung kann man sogar lesen:
Die berühmt-berüchtigten Partybilder sind in aller Munde, spielen aber nur eine geringe Rolle im Bewerbungsprozess. (Quelle)

Quelle: stock.xchng
Heiner Stahl von der Universität Erfurt hält den googelnden Personaler für einen „urbanen Mythos”. In einem Bericht über die Studie auf t-online-business.de wird er wie folgt zitiert:
Vom “schnüffelnden Personaler” oder dem “Karrierekiller Internet” könne keine Rede sein. “Zwischen Unternehmensrealität und medialer Präsenz klafft eine große Lücke”, sagte Stahl. Den Ergebnissen zufolge googelt der größte Teil der Personaler nur selten nach den Stellensuchenden. (Quelle)
Da jedoch die Rolle des Internets im Rekrutierungsprozess ständig wachse, rät Stahl zwei Profile anzulegen:
“Ein Freizeitprofil, das ich privat nutze und in den Einstellungen ‘unsichtbar’ mache, und ein Bewerbungsprofil, das mein Arbeitgeber sehen darf.” (Quelle)
Ich halte diese „digitale Schizophrenie“ für äusserst gefährlich und für keinen guten Ratschlag. Erstens wird man früher oder später einen Fehler machen und ein Bild aufs „falsche“ Profil hochladen. Zweitens können vom als privat betrachteten Profil Bilder durch „Freunde“ weiterverbreitet werden. Drittens – und am auch am wichtigsten – muss man davon ausgehen, dass alles, was man online stellt, auch irgendwie zugänglich ist. Darum gilt: Was andere nicht sehen sollen, darf man auch nicht online veröffentlichen. Ganz einfach.
Die Erfurter Studie beschränkt sich zwar auf den Bereich der beruflichen Karriere, aber mit dem Vorschlag der zwei Profile wird suggeriert, es existiere ein „geschützter“ Bereich im Internet. Was natürlich nicht stimmt.
Besonders gefährlich sind solche Botschaften für Kinder und Jugendliche, die den Umgang mit Konzepten wie „Privatsphäre“ und „Datenschutz“ erst noch lernen müssen. So zeigen aktuelle Zahlen der BITKOM, dass jeder vierte Jugendliche in Internet-Gemeinschaften seine Privatsphäre nicht ausreichend schützt.
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Ich halte Stahls Tipp für gut und praktikabel, zumal ich das selbst schon seit Jahren so mache. Und ich war bisher nicht so doof und habe ein Bild aufs “falsche” Profil hochgeladen.
Das zweite Profil habe ich v.a. deswegen, um Familie usw. nicht mit Fachlichem zu langweilen. Und andersherum: Mein “öffentliches” Profil zeigt nichts oder fast nichts Privates.
Bisher hat sich nichts vermischt. Oder dergleichen.
Und was die “Partyfotos” angeht, sehe ich es genauso, dass diese relativ unwichtig sind. Im Gegenteil: Ein Personaler sagte einmal, dass sich der Bewerber lieber ausgetobt haben soll, als dann im Berufsleben dauernd ne Party schmeißen zu müssen.
Diese Studie überrascht mich nicht.
Das haben mir Personaler auch schon bestätigt. Es sei nicht die Regel, dass soziale Netzwerke beim Rekrutierungsprozess grundsätzlich beigezogen werden. Ausnahmen können Unklarheiten bilden, die einer näheren Abklärung (über das Bewerbungsdossier hinaus) bedürfen. Das wir aber nur in den seltesten Fällen praktiziert.
Nobody is perfect, das weiss auch der Personaler und verlässt sich deshalb vor allem auf die Ergebnisse aus den persönlichen Bewerbungsgesprächen oder Assessments.
Mit dem zweiten Profil dürfte es, insbesondere z.B. auf Facebook Probleme geben, da Facebook ja nur 1 persönliches Profil erlaubt.
Besser ist, was nicht ins Netz gehört bleibt eben draussen
Schön, dass eine Studie das endlich bestätigt. “Urbaner Mythos” beschreibt es ganz gut. Leider wurde dieser aber in ungefähr jedem Magazin und jedem Sender präsentiert.
Wie plausibel ist es, dass ein HR-Verantwortlicher einen Bewerber ausschließt, nur weil dieser im Internet dokumentiert, dass er tut was alle tun?
Ich kenne viele Menschen, die die beschriebene Zwei-Profile-Strategie in abgeschwächter Form praktizieren. Oft einfach deshalb, um zielgruppen- bzw. kontextadäquaten Inhalt zu liefern – man spricht mit Freunden anders (und über Anderes) als mit Geschäftspartnern.
Aber klar: Wenn etwas nicht öffentlich werden soll, sollte ich es nicht veröffentlichen.
[...] Partyfotos im Netz – Alles halb so schlimm? – fuellhaas.com [...]