Politik im Social Web – Mitmachen, aber wo?

Am nächsten Wochenende stimmen die Schweizer darüber ab, ob die aktiven Wehrmänner ihre persönliche Dienstwaffe weiterhin zu Hause aufbewahren dürfen oder nicht. Die Vorstellung des Schweizer Milizsoldaten, der sich im Falle einer Kriegsmobilmachung den Weg zur Kaserne freischiessen muss, ist in gewissen Teilen der Bevölkerung als Tradition fest verankert und Teil des Schweizer Selbstverständnisses. Die Abschaffung dieses Systems ist auch eine emotionale Angelegenheit, stehen doch Schweizer Werte auf dem Spiel.

Dementsprechend intensiv und engagiert sollte doch auch der Abstimmungskampf gewesen sein, könnte man als Aussenstehender daraus schliessen. Ein Blick auf die Online-Präsenzen der Pro- und Kontra-Lager lässt jedoch für den „Online-Abstimmungskampf“ nichts Gutes erahnen.

Die Initianten der Volksinitiative und ihre Argumente findet man unter der Adresse www.schutz-vor-waffengewalt.ch. Unter dem Navigationspunkt „Mitmachen“ kann man gedruckte Flyer bestellen und kostenlose SMS an seine Bekannten verschicken.


Webseite www.schutz-vor-waffengewalt.ch

Keine Spur von Dialog, Engagement oder Tools zur viralen Verbreitung. Ich verzichte an dieser Stelle auf eine Auflistung der Möglichkeiten von Social Media für eine politische Kampagne, sondern stelle einfach fest: Für die Initianten und Befürworter der Volksinitiative existiert das Social Web überhaupt nicht. Die Webseite ist ein Einweg-Kanal, um seine Argumente darzulegen und gedrucktes Werbematerial zu bestellen. Immerhin gibt es die Share-Buttons für Facebook und Twitter, wobei man diesen keinen zu hohen Wert zumessen sollte. Dialog und Engagement sehen anders aus.

Kein bisschen besser sieht es im Lager der Initiativ-Gegner aus. Sie findet man unter www.waffeninitiative-nein.ch.


Webseite www.waffeninitiative-nein.ch

Auch hier keine Spur von Interaktionsmöglichkeiten. Die Kampagne setzt stark auf „Schweizer Werte“, wobei eine Diskussion darüber nicht erwünscht scheint. Immerhin hat es eine Facebook-Seite „Nein zur Waffeninitiative am 13. Februar 2011“ geschafft, rund 4000 Mitglieder anzuziehen. Wer als Komitee oder Partei hinter diesem Auftritt steht, ist allerdings unklar.

Nimmt man die beiden obigen Beispiele, kommt man zum Schluss, dass Politik und Social Media in der Schweiz (noch) nicht zueinander gefunden haben, nicht einmal „Standard-Möglichkeiten“ werden genutzt, um Leute zum Mitmachen im Rahmen einer Kampagne zu bewegen.

Interessante Links zu Politik und Social Media
Argumente vergleichen auf politnetz.ch
Social Media und Politik in der Schweiz (blogstone.net)
Twittercharts: twitternde Politiker in der Schweiz und ihr Einfluss über Twitter (thomashutter.com)
Auswertung der Umfrage zu Social Media in der Politik (iwant.ch)








1 Kommentar

  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Karsten Füllhaas, Self Branding. Self Branding said: News fuellhaas.com: Politik im Social Web – Mitmachen, aber wo?: Am nächsten Wochenende stimmen die Schweizer da… http://bit.ly/i6DtK6 [...]