Buchpreisbindung – Zurück in die Steinzeit

Verlage, Buchhandel und Rechteverwerter haben erfolgreich lobbyiert: Schweizer National- und Ständerat führen per Gesetz die Buchpreisbindung wieder ein. Demnach legen Importeure und Verleger einen verbindlichen Endverkaufspreis fest. Das Gesetz will die „Vielfalt und die Qualität des Kulturgutes Buch fördern“ und „möglichst vielen Leserinnen und Lesern den Zugang zu Büchern zu den bestmöglichen Bedingungen“ gewährleisten.


Wer in der Schweiz Bücher lesen will, muss sich melken lassen…

Dies wird zur Folge haben, dass Bücher teurer werden, da Verlage und Handel ihr gesetzliches Monopol dazu einsetzen werden, ihre Kunden zu melken. Mehr Bücher werden auf diese Art sicher nicht verkauft, also wird genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich will. Und das gedruckte Buch wird wieder zum Luxusgut. Geringverdiener, Arbeitslose und andere Randständige werden vom Zugang zu Büchern – also von Wissen und Unterhaltung – ausgeschlossen.

Zum Glück hat sich bereits ein Referendumskomitee gebildet, wie man auf dem Blog von Brenda Mäder (Präsidentin Jungfreisinnige Schweiz) lesen kann. Nun werden Unterschriften gesammelt, damit das Stimmvolk über die Buchpreisbindung abstimmen kann. Auch die noch junge Schweizer Piratenpartei will sich gegen die Buchpreisbindung engagieren.

Gemeinsame Medienmitteilung des Komitees:

Ein überparteiliches Komitee von Jungfreisinnigen, JSVP und Exponenten der Grünliberalen und Piratenpartei sowie Nationalräten der FDP und SVP ergreift das Referendum gegen die Wiedereinführung der Preisbindung.
Der Entscheid des Parlaments ist nicht nachvollziehbar:
Die Buchpreisbindung ist nicht zeitgemäss. Eine online-Preisbindung ist schlicht nicht umsetzbar und Schweizer Leserinnen und Leser würden fortan ihre Bücher in ausländischen Online-Shops kaufen. Zusehends werden e-books erworben und Bücher übers Internet bestellt. Der Schweizer Buchmarkt stellt sich dadurch selbst ins Abseits.
Eine Preisbindung schröpft die Konsumenten: Insbesondere Studierende und SchülerInnen haben die Zeche von überhöhten und staatlich festgelegten Preise zu bezahlen. Das Lesen wird
Die Massnahmen der fixen Preisen zielt am ursprünglichen Zweck vorbei, den Buchmarkt Schweiz zu schützen: Hohe Preise werden zementiert und der Markt abgeschottet. Eine Strukturerhaltungspolitik, wie sie mit einer Buchpreisbindung zu Lasten der Konsumenten betrieben wird, funktioniert nicht und schadet schliesslich dem Buch als wichtiges Kulturgut.
Die mündigen Konsumenten sollen sich nun gegen die unsinnige Buchpreisbindung wehren und sich im Rahmen des Referendums äussern.
Das Komitee setzt sich aus Jungfreisinnigen, JSVP, Exponenten der Grünliberalen, der Piratenpartei sowie Nationalräten der FDP und SVP zusammen. Wir sind offen für weitere Unterstützung und weitere Komiteemitglieder!

(Quelle)

Die Piratenpartei nimmt wie folgt Stellung:

Die Buchpreisbindung kann das Kulturgut Buch nicht schützen, weil es nicht bedroht ist. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde so viel Literatur produziert wie in der Gegenwart. Die technischen Möglichkeiten von Computer, Internet und digitalem Druck ermöglichen es einer nie da gewesenen Breite von Menschen, literarisch tätig zu sein. Eine Preisbindung schützt nicht die Autoren oder die literarische Vielfalt, sondern erzeugt lediglich eine regulierte Hochpreisinsel, wo staatliche Wächter und Zöllner den Zugang zu Kulturgütern kontrollieren.
Wie sich solche Monopole auf den Konsumenten auswirken, zeigt sich nicht zuletzt an den Medikamentenpreisen, wo der Schweizer Bürger im Interesse der Grossindustrie erheblich mehr für das gleiche Produkt bezahlen muss als seine Nachbarn jenseits der Landesgrenzen – eine ähnliche Situation gilt es bei wichtigen Kulturgütern wie Büchern zu vermeiden. Andernfalls droht dem Büchermarkt eine Situation wie wir sie in der Musik- und Filmindustrie bereits haben: die Konsumenten werden sich digitale Bücher auf dem Schwarzmarkt besorgen, wo weder Verlagshäuser noch Autoren etwas daran verdienen.
Um die Vielfalt im Büchermarkt erhalten zu können und zu verhindern, dass das Lesen zum Luxusgut verkommt, muss der Markt offen bleiben und das bestmögliche Angebot zu einem attraktiven Preis bieten. Dazu gehört auch die uneingeschränkte Zulassung von Parallelimporten. Die Piratenpartei Schweiz setzt sich darum gegen die Buchpreisbindung ein, unterstützt das Referendum und beteiligt sich im Refrendum-Komitee.

(Quelle)

Sobald es einen Link gibt, um das Referendum zu unterschreiben, werde ich ihn an dieser Stelle posten.

Medienberichte
Ja zur Buchpreisbindung enttäuscht (Tagesanzeiger)
Freie Fahrt für Piraten (Neue Zürcher Zeitung)








3 Kommentare

  1. Walter K. sagt:

    Ich frage mich schon für wenn die Politik gemacht wird in Bern!
    In denn letzten Monaten kam nicht wirklich was gutes.
    Verkehr, Strom und jetzt noch die Bücher.
    Es wäre mal an der Zeit Politik im sinne des Volkes zu betreiben, als immer solch einen Schachsinn rauszulassen. Kommt mir wirklich so vor wie im Mittelalter, auch da hat nur die Oberschicht bzw. die Kirche Zugang zum Buch.

  2. Matthias sagt:

    Dass jetzt schon wieder die Buchpreisbindung eingeführt werden soll, empfinde ich als Zwängere. Aber: “Geringverdiener, Arbeitslose und andere Randständige” besuchen seit Jahrzehnten die Bibliotheken. Genau dafür wurden sie ja gegründet. Ausserdem gibt’s viele Second Hand-Shops. Sind die Bücher seit 2007 eigentlich wirklich billiger geworden? Als fleissiger Bücherkäufer habe ich nicht den Eindruck, aber Statistik geführt habe ich nicht.

  3. [...] Widerstand gegen das Gesetz hatte sich bereits unmittelbar nach dem Parlamentsentscheid am 18. März 2011 formiert. [...]