iPhone speichert Ortungsdaten: Datenschützer sind gefordert

Am Mittwoch vor Ostern mussten Millionen von iPhone-Usern erfahren, dass ihre Geräte regelmässig den aktuellen Aufenthaltsort abspeichern und sich mit den gesammelten Daten ein Bewegungsprofil erstellen lässt. Zudem liegen die Daten ungesichert auf dem Rechner des iPhone-Besitzers.

Die berechtigte Aufregung in Blogs, Twitter und Online-Medien liess nicht lange auf sich warten. Über Ostern kursierten im Netz viele Berichte mit Interpretationen, Halbwahrheiten und falschen Angaben. In Cupertino hüllt man sich in Schweigen – professionelle Krisenkommunikation sieht eindeutig anders aus. Aber eine transparente Reaktion bei derartigen Situationen war noch nie die Stärke von Apple.

Um noch mal deutlich zu sagen: Das Aufzeichnen der Standorte hat nichts mit dem Nutzen gängiger Social Media-Dienste wie Facebook Places oder Foursquare zu tun, wo man ja bereits viele Informationen über sich preisgibt. Nach aktuellem Wissensstand lässt sich die automatische Speicherung auch nicht deaktivieren. Also auch wer kein Social Media-Nutzer ist und sich einfach ein iPhone gekauft hat, weil es ein gutes Telefon ist, ist von der Sache genau so betroffen.

Über das Osterwochenende habe ich zusammen mit einem Freund einen Brief an den Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten verfasst, da wir beide der Ansicht sind, dass ein derartig massiver Eingriff in die Privatsphäre durch Apple nicht einfach so hinzunehmen ist.

Sehr geehrter Herr Thür

Aus meiner Sicht handelt es sich dabei ein massives Eindringen von Apple in meine Privatsphäre, welches mit den gesetzlichen Bestimmungen und den Menschenrechten keinesfalls vereinbar ist und ich als Kunde auch nicht akzeptieren kann! Ich frage mich, wie ein solches Produkt, das offensichtlich gegen geltendes Schweizer Recht verstösst, bei uns überhaupt in den Handel kommen konnte. Ich bitte Sie, in dieser Sache aktiv zu werden, um das Recht auf Privatsphäre im Namen aller Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber Apple zu verteidigen. Da Smartphones generell immer populärer werden und auch andere Anbieter wie Google Android auf ähnliche Art und Weise ortsbezogene Daten sammeln, sehe ich ein hohes öffentliches Interesse gegeben.

Zu welchen Zwecken diese Daten genau gesammelt werden, bleibt bis heute unklar. Angeblich verwenden gewisse Apps diese Daten, doch für eine eindeutige Ortsbestimmung sind diese wiederum zu ungenau. Apple, so habe ich den Eindruck, sammelt diese Daten einfach mal auf Vorrat, um sie eventuell später zu verwenden oder Dritten zugänglich zu machen. Dies ist meiner Meinung nach absolut unzulässig. Zudem besteht auch die Gefahr, dass die Daten von Dritten abgegriffen und missbraucht werden. Apple missbraucht das Vertrauen seiner Kunden aufs Schärfste. Wo ist hier der Grundsatz, nur so viele Daten zu sammeln, wie für den laufenden Betrieb nötig?

Generell wäre eigentlich jede einzelne App, die im App-Store heruntergeladen werden kann, auf die Einhaltung der Schweizer Datenschutzbestimmungen zu prüfen. Auch ein internationaler Konzern wie Apple muss sich an die Gesetze der einzelnen Länder, in denen er seine Services anbietet, halten. Auch Microsoft wurde von der EU schon dazu gezwungen, spezielle Versionen seines Betriebssystems für Europa anzubieten. Wieso kann Apple sich einfach über alle Vorschriften hinwegsetzen?

Viele international tätige Konzerne wie Apple, Google, Facebook und andere sind seit Jahren daran, Datenschutz und Privatsphäre aufzuweichen, in dem sie immer mehr Daten automatisiert erheben. Dabei massen sie sich an, Daten zu speichern, die sonst nur der Staat im Rahmen von Ermittlungsverfahren sammeln dürfte. Zum Glück treffen sie unterdessen in verschiedenen Ländern auf Widerstand. Die so genannten „Location-based Services“ gehören zu den aktuellen Wachstumstrends für Werbung und Verkauf. Die Einhaltung bzw. die Durchsetzung der grundlegenden gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Datenschutz und Privatsphäre ist deshalb um so wichtiger und im Interesse aller Schweizerinnen und Schweizer, da auch das „digitale Leben“ immer mehr zum Alltag wird.

Ich ersuche Sie und Ihr Büro, in dieser Sache tätig zu werden, um diese Datensammlerei und Profiling durch Apple zu untersagen.

Wie man der heutigen Medienberichterstattung entnehmen kann, hat sich der oberste Schweizer Datenschützer bereits der Sache angenommen:

Und die Schweiz? Laut Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz wird auch der eidgenössische Datenschutzbeauftragte aktiv. «Es ist klar, dass Lokalisierungsdaten heikle Daten darstellen, weil damit von Nutzern Bewegungsprofile erstellt werden können», so Hanspeter Thür. «Wenn sie in zweifelhafte Hände geraten, könnte dies für den Betroffenen sehr heikel werden. Deshalb interessiert die Frage, wem diese Daten zur Verfügung stehen und vor allem, aus welchem Grund sie gespeichert werden. Diese Fragen werden wir Apple unterbreiten.»
Solange er nicht wisse, weshalb Apple dies mache, könne die Rechtmässigkeit der Tracking-Funktion nicht abschliessend beantwortet werden. «Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass es eine plausible Rechtfertigung dafür gibt, diese Tracking-Funktion nicht öffentlich zu machen und die Möglichkeit zu geben, sie auszuschalten. Es leuchtet nicht ein, dass Daten gesammelt werden, die nicht gebraucht werden. Da verlangen wir eine plausible Antwort.» (Quelle)

Juristische Abklärungen brauchen Zeit. Was hingegen (kaum) Zeit braucht, wäre eine offizielle klärende Stellungnahme von Apple. Der Konzern spielt ganz offen mit dem Vertrauen seiner Kunden. Und so lange man in Cupertino schweigt, überlässt man die Verteidigung des guten Rufes den eifrigen „Apple-Fanboys“, wobei deren Argumentationen dem Konzern oft auch mehr schaden als nützen.

Wer ebenfalls mit der Speicherung der Daten durch Apple nicht einverstanden ist, kann sich hier an den Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten wenden und den oben veröffentlichten Text als Vorlage für seinen Brief oder E-Mail verwenden.








4 Kommentare

  1. Sorry, aber es ist völlig übertrieben. Die Daten sind ja nur auslesbar, wenn man das Gerät Physisch besitzt. Dein Brief ist völlig überrissen und wiedermal eine Hasstirade gegen Apple.

    (…) Ich frage mich, wie ein solches Produkt, das offensichtlich gegen geltendes Schweizer Recht verstösst, bei uns überhaupt in den Handel kommen konnte. (…)

    Apple wird früher oder später agieren, dann sieht man was passiert. Aber den lieben Herr Thür wieder Arbeit zu verschaffen, nachdem er ja schon Google Street View verboten hat.

  2. Karsten Füllhaas sagt:

    @Chris: Dein Kommentar ist wiedermal ein super Beispiel für einen übereifrigen Fanboy mit rosa Brille. Die Daten sind auf verschiedene Art auslesbar, auch ohne physischen Besitz des Gerätes, zb. durch eine App oder auch auf dem PC. Mein Brief ist keine Hasstirade gegen Apple, ich nutze selber Apple-Geräte. Und Herr Thür hat Google Streetview nicht verboten.

    Also zwei falsche Behauptungen in einem Kommentar ist schon echt stark.

  3. Ja, zum einen muss ich sagen, ich nutze Apple Produkte und ich finde sie super. Zum anderen muss ich auch sagen, dass diverse andere Leute auch Apple Produkte nutzen und sie gut finden. Und das nicht einfach weils nur Spass macht. Die Schweiz ist nicht umsonst das iPhone Land schlechthin.

    Die oben erwähnte Aussage ist einfach komplett übertrieben!
    Und durch solche unnötigen Briefe werden wir in Zukunft nur mehr Steuern zahlen müssen, weil dann wohl jedes Gerät auf irgendwas getestet werden muss und dazu brauchs Spezialisten. Da iPhone gibt es jetzt seit einigen Jahren und es wurde auch erst jetzt herausgefunden.

    Meine Meinung ist einfach, dass solche Briefe total übertrieben sind und nur unnötig Arbeit generieren. Früher oder später wird Apple reagieren und etwas dagegen tun. Da muss sich kein Staatsbeamter dahinter setzen.

    Und das du mir zwei falsche Behauptungen anmasst ist auch übertrieben.

    1. Die Daten lassen sich nicht so einfach auslesen. Du brauchst also irgendwie Zugriff zu dem iPhone und das bevorzugt physischm damit eine App installiert werden kann oder es an einen Computer angeschlossen werden kann.

    2. Google Streetview wurde so eingeschränkt, dass es vorerst nicht voran getrieben wird. Also hat er den aktuelen Stand verboten.

    Und mich als Fanboy mit rosa Brille anhand eines einzigen Kommentar zu bezischtigen, das ist… ich will nicht, dass wir uns auf persönlicher Ebene heruntermachen, denn wir wollen doch sachlich bleiben.

  4. Renato sagt:

    Oh, da passt mein Blog-Beitrag von gestern prima: http://apfelblog.ch/iphone/locationgate-ist-nun-auch-in-der-schweiz-angekommen

    Ausgelöst wurde das ganze ja wegen ein paar Location Daten, welche für mehrere Monate auf dem iPhone 4 gespeichert werden. Diese Daten können per Backup auf einen Computer übertragen und ausgelesen werden, wenn das Backup nicht verschlüsselt wurde. Ob eine App die Daten auslesen kann, darüber habe ich keine Kenntnis. Übrigens, die gespeicherten Daten sind keine GPS Daten, sondern lediglich WLAN-Triangulationen und somit sehr ungenau. Hier muss Apple nachbessern und nur die letzten, nötigen Daten auf dem Gerät speichern und das Backup sollte per Default verschlüsselt gespeichert werden. Eventuell sollte die Lokalisierung auch per Default ausgeschaltet sein, welche jeder Benutzer in den Einstellungen nach belieben ein und ausschalten kann.

    Viel interessanter ist eigentlich die Daten welche an Apple übertragen werden. Das wiederum kommuniziert Apple seit mindestens zwei Jahren in den AGBs! Und diese haben ja alle iPhone-Benutzer zugestimmt. Diese Daten werden anonymisiert alle 12 Stunden an Apple übertragen.

    Ich hoffe Du hast noch einen Brief bezüglich allen Android Smartphone aufgesetzt an Herr Thür! Denn das Google Smartphone speichert auch Location Daten. Entgegen dem iPhone werden nicht Monate auf dem Gerät selber gespeichert. Dafür werden die vollen Profilinformationen über das Gerät und den Standort mehrmals stündlich ohne Anonymisierung an Google geschickt. DAS ist ein Skandal!

    Das ganze Locationgate ist sicher eine gute Möglichkeit um sich mal wieder bewusst zu machen, dass man sich als Konsument auch mehr über Produkte informieren sollte. Wie viel uns vorgeschrieben werden soll, das wird sicher eine schwierige Diskussion.