Für die heute veröffentlichte Medienmitteilung zum Thema Location Tracking (aka „Locationgate“) hat Apple sich eine Woche Zeit gelassen. Druck war in den letzten Tagen vom US-Senat, einer Sammelklage und verschiedenen europäischen Datenschützern aufgebaut worden. Da morgen nach zehn Monaten Verzögerung das iPhone 4 in Weiss auf den Markt kommt, wollte man in sich in Cupertino punkto Wahrung der Privatsphäre wohl wieder mit weisser Weste präsentieren können.

iPhone 4 mit weisser Weste…
Zuerst stellt Apple klar, es habe nie ein ortsbezogenes Tracking gegeben:
Apple is not tracking the location of your iPhone. Apple has never done so and has no plans to ever do so. (Quelle)
Was das iPhone speichert, sind Standorte von Hotspots und Sendemasten:
The iPhone is not logging your location. Rather, it’s maintaining a database of Wi-Fi hotspots and cell towers around your current location… (Quelle)
Das ist einfach eine andere Sichtweise. Aus den Standorten der Sendemasten lassen sich logischerweise wiederum Aufenthaltsorte der iPhone-User ableiten.
Der Grund der ganzen Aufregung der letzten Tage liege daran, dass Mobilfunkkommunikation eine technisch komplizierte Sache sei, und sich die Anbieter nicht genügend Zeit genommen hätten, dies den Kunden zu erklären.
Providing mobile users with fast and accurate location information while preserving their security and privacy has raised some very complex technical issues which are hard to communicate in a soundbite. Users are confused, partly because the creators of this new technology (including Apple) have not provided enough education about these issues to date. (Quelle)
Ist es zu bösartig, dies folgendermassen umzuformulieren: „Ihr Kunden seit zu dumm, also lasst uns nur machen. Wir wissen schon, was gut ist“?
Im Folgenden will Apple uns tatsächlich weiss machen, dass im iOS 4 mindestens zwei „bugs“ drin seien, von denen man bisher nichts gewusst habe. Dies betrifft den langen Zeitraum der Datenspeicherung und die Tatsache, dass diese vom User nicht deaktiviert werden könne.
The reason the iPhone stores so much data is a bug we uncovered and plan to fix shortly…
7. When I turn off Location Services, why does my iPhone sometimes continue updating its Wi-Fi and cell tower data from Apple’s crowd-sourced database? It shouldn’t. This is a bug, which we plan to fix shortly… (Quelle)
Apple beschäftigt hunderte von Programmieren und Entwicklern und es soll keiner gemerkt haben? Die Erklärung wirkt nicht gerade besonders glaubwürdig.
Dass Apple Sicherheit und Privatsphäre ernst nimmt, findet man erst am Schluss der Mitteilung.
Does Apple believe that personal information security and privacy are important? Yes, we strongly do. (Quelle)
Ein solcher Hinweis, auch wenn er PR-Standard ist, gehört an den Anfang. In die gleiche Kategorie würde der Hinweis fallen, dass man die Bedenken der Kunden ernst nimmt und in Zukunft die Kommunikation verbessern werde. Eine Entschuldigung, dass sich viele User über ihre Privatsphäre Sorgen gemacht haben, fehlt ebenfalls.
Schlussendlich krebst Apple zurück und verspricht für das nächste iOS-Update einige Anpassungen:
Sometime in the next few weeks Apple will release a free iOS software update that:
1. reduces the size of the crowd-sourced Wi-Fi hotspot and cell tower database cached on the iPhone,
2. ceases backing up this cache, and
3. deletes this cache entirely when Location Services is turned off.
In the next major iOS software release the cache will also be encrypted on the iPhone. (Quelle)
Ein anderen Ausweg als diese technischen Anpassungen gibt es für Apple auch gar nicht. Trotzdem bleiben viele Fragen offen, insbesondere betreffend der „crowd-sourced database“ mit Wi-Fi-Hotspots und Sendemasten. Andere Anbieter wie Google Android und Windows 7 führen ebenfalls ähnliche zentrale Datenbanken. Eine Frage, die Gesetzgeber und Datenschützer klären müssen ist, wie weit derartige Datenbanken überhaupt rechtmässig sind und ob Geräte- und Softwarehersteller überhaupt berechtigt sein sollen, derartige Daten zu sammeln.
Aber auch die bisherige Praxis von Apple ist damit nicht vom Tisch. Behörden und Gerichte tun meines Erachtens gut daran, trotz der heutigen Medienmitteilung nicht alle Abklärungen und Verfahren einzustellen.
Punkto Glaubwürdigkeit kann Apple mit dieser Medienmitteilung kaum punkten. Mit den Berichten der letzten Tage ist viel Vertrauen verloren gegangen. Und mit Erklärungen wie es sei technisch halt kompliziert, kann man auch kein Vertrauen zurückgewinnen. Der Hinweis, es sei ein “bug“, wirkt wie eine billige Ausrede, die eigentlich nicht zu einer professionellen Unternehmenskommunikation passt. Für mich sieht es eher so aus: “Shit, wir sind erwischt worden… aber beim Geschäft mit location-based Services wollen wir um jeden Preis mitverdienen.”
Koste es, was es wolle. – Aber auch das Vertrauen der Kunden?










Seit mir im Appel laden Anno dazumals mitgeteilt wurd, dass ich die iPod Festplatte für 80-90% der Kosten eines neuen iPods auswechseln könne, vertraue ich Apple onehin nicht mehr.
Meldungen wie diese bestätigen mich in der Absicht Apple auch in Zukunft nicht mehr zu vertrauen.