Vor zwei Tagen machte mich ein Kollege auf die Kolumne von Sascha Lobo auf Spiegel Online mit dem vielversprechenden Titel „Warum Kommunikationsprofis im Netz versagen“ aufmerksam. Ohne den Text gelesen zu haben, dache ich „hey, da bin aber anderer Meinung“ und plante einen giftigen Blogbeitrag.
Nun hab ich den Text gelesen und muss Lobo eigentlich recht geben. Klassische PR bedient sich – so Lobo – den Massenmedien Print, TV und Radio um die Botschaften der Unternehmen unter die Menschen zu bringen. Als gängigsten Instrument identifiziert er die Pressemitteilung:
Sie blieb für Firmen und Institutionen hundert Jahre lang das wichtigste Instrument der Kommunikation mit der Öffentlichkeit, für viele auch das einzige. Sie ist auch heute noch relevant. Aber die Pressemitteilung ist in Wirklichkeit keine Kommunikation mit der Öffentlichkeit, sondern der Versuch, Journalisten und Multiplikatoren zu überreden, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. (Quelle)
Für Sascha Lobo geht es bei der vom Amerikaner Ivy Lee mitbegründeten Public Relations gar nicht um die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Er schreibt:
Klassische PR entspricht der Fähigkeit, den künstlichen, massenmedialen Apparat zu bedienen. Dessen Mechanismen eignen sich – offline wie online – für die zwischenmenschliche Kommunikation so gut wie das Foto eines Wagenhebers zum Wagenheben, denn klassische PR funktioniert indirekt, mit der Zwischenstation eines Massenmediums. (Quelle)

Wer ist diese “Öffentlichkeit?” Bildquelle: stock.xchng
Wie unterdessen allgemein bekannt funktioniert Kommunikation in Social Media anders, nämlich ohne die Massenmedien als Gatekeeper. Aus diesem banal scheinenden Unterschied heraus erklärt Lobo, die Schwierigkeiten, die viele PR-Profis mit Social Media haben. Letztes Beispiel dafür: Die PR-Agentur Burson-Marsteller, die im Auftrag von Facebook versuchte, negative Artikel über Google in Online-Medien und Blogs zu plazieren.
Doch auch die von Sascha Lobo beschworene direkte Kommunikation der Menschen untereinander bedarf Plattformen und technischen Einrichtungen, die von Grossunternehmen betrieben werden. Facebook ist zwar kein Medium im klassischen Sinne, ist aber sozusagen „Gastgeber“ aller Online-Interaktionen, die auf seiner Plattform stattfinden. Nur dank Plattformen wie Facebook oder Tools wie Blogs ist es heute für Unternehmen möglich, eine breite Öffentlichkeit mit ihren Botschaften direkt zu erreichen.
Lobo schliesst seinen Beitrag mit der provokanten These:
Die digitale Öffentlichkeit mit ihrer direkten Kommunikation im Internet, das ist die echte Welt. Die Massenmedien, die abgelöst vom persönlichen Erleben des Einzelnen vor sich hin publizieren, die sind virtuell. (Quelle)
Lobo vergisst dabei, dass längst nicht alle Menschen in der „digitalen Öffentlichkeit“ zu Hause sind. Viele beziehen ihre Informationen nach wie vor aus den Massenmedien und auch diese Zielgruppe muss von Unternehmen nach wie vor bedient werden. Es kann gut sein, dass der Begriff der Public Relations ausgedient hat. Oder er erreicht erst heute seine wahre Bedeutung – die direkte Pflege von Beziehungen mit der Öffentlichkeit.










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