Greenpeace aus dem Netz genommen: Keine Kampagne ohne Content

Als hätte ich es geahnt…


Mein Tweet zum Kampagnenstart am 28. Juni 2011

Nur wenige Tage nach dem Launch von “VW: The Dark Side”, der Greenpeace-Kampagne gegen VW, geriet die Aktion ins Stocken. Das für die Kampagne zentrale Video, eine Parodie auf den Star Wars-Werbespot des deutschen Autokonzerns, wurde auf Beschwerde vom amerikanischen Rechteinhaber Lucasfilm von YouTube vom Netz genommen. Der Umzug zu Vimeo war ebenfalls nur von kurzer Dauer. Aktuell läuft der Spot auf der dänischen Plattform 23 Video und wird auch von dort in die Kampagnenseite www.vwdarkside.com eingebunden.

Als am 1. Juli die Beschwerde von Lucasfilm das Video bei YouTube vom Netz fegte, ergoss sich Spott und Häme über Greenpeace für eine derartig schlecht geplante Kampagne. So schreib beispielsweise Thomas Hutter einen kritischen Beitrag unter dem Titel „Copyright oder wenn eine Social Media Kampagne kräftig in die Hose geht“. Natürlich ist es auch denkbar, dass Greenpeace auf das juristische Vorgehen von Lucasfilm gebaut hat, um ein paar Tage nach Kampagnenstart der Geschichte nochmals Auftrieb zu verleihen. So schreibt etwa Bernhard Jodeleit:

„Die Juristen der Filmeschmiede haben der Parodie damit zu zusätzlicher Publicity verholfen. Es ist sicherlich nichts dran, aber ein Schelm wäre, wer dabei denken würde, dass Greenpeace mit diesem Vorgehen von Lucasfilm insgeheim gerechnet oder darauf gehofft hätte.“ (Quelle)

Von aussen ist der tatsächliche Sachverhalt natürlich nicht aufzuklären.

Vielleicht hoffte man bei Greenpeace ja auf einen ähnlichen Effekt wie im vergangen Frühling, als Nestlé die Parodien auf den Kitkat-Werbespot von YouTube entfernen liess und damit getreu dem Streisand-Effekt erst Recht mediale Aufmerksamkeit und den Zorn der Online-Gemeinde auf sich zog. VW ist in einer viel komfortableren Lage, den Job des Bösewichtes konnte man getrost der Rechtsabteilung von George Lucas überlassen und konnte auf die Kritik von Greenpeace rein auf der Sachebene reagieren.

Aber schon bevor das fragliche Video bei YouTube gesperrt wurde und die Kampagne damit (vorübergehend) ihren viralen Content verlor, war aus „VW: The Dark Side“ der Buzz schon wieder draussen, wie die Analyse mit Blogpulse zeigt:


Quelle: blogpulse.com

Der Verlust an Aufmerksamkeit wurde durch Lucasfilm allenfalls für kurze Zeit abgebremst. Auch auf Twitter kann man für den Hashtag #vwdarkside keinen erneuten Aufwärtstrend nach dem 1. Juli feststellen:


Quelle: trendistic.com

Natürlich blieb man auch bei Greenpeace nicht untätig. Am Nachmittag des 1. Juli rief Greenpeace England alle Jedi-Ritter zur Hilfe und blieb dabei dem Star Wars-Thema der Kampagne treu: „Jedi, we need your help. There has been a disturbance in the Force.“ Die „Erschütterung in der Macht“ war natürlich der Verlust des gesamten offiziellen YouTube-Kanals von Greenpeace. Die beiden Spots der Kampagne wurden zum direkten Download bereit gestellt.

…Jedi across the Twitterverse and the Facebooksphere have been re-uploading the film to any star system they can reach, making it impossible to jam our communications. Please continue to do this (download Episode I and Episode II). (Quelle)

Ich denke, dass alle Beteiligten wissen, dass sie die Greenpeace-Videos niemals komplett aus dem Netz entfernen werden können, da sie unterdessen von vielen Usern bei YouTube und anderen Plattformen hochgeladen wurden. Wer aktuell auf YouTube danach sucht, findet sie auch ohne Probleme.

Bleibt die Frage, ob die Kampagne ein Misserfolg ist oder nicht. Da ich nicht weiss, welche Ziele Greenpeace sich gesetzt hat, kann ich nur mit dem argumentieren, was ich von aussen feststellen kann. Greenpeace hat ihre Kritik an VW plazieren können und eine gewisse mediale Aufmerksamkeit damit erreicht. Wer als potentieller VW-Kunde via Google wissen will, was der Konzern fürs Klima tut, kommt zur Zeit an der Greenpeace-Kampagne nicht vorbei, wie ein Blick auf die momentane Online-Reputation von VW zeigt:

Aus Social Media-Sicht ist es natürlich peinlich, den viralen Aufhänger für eine Kampagne wegen Urheberrechtsansprüchen zu verlieren. Wenn Greenpeace davon wirklich überrumpelt wurde, müsste man dies als unprofessionell und dilettantisch bezeichnen. Aber es gehört zum Stil von Greenpeace, bewusst die Konfrontation mit stärkeren Gegner zu suchen. Und mit der Berichterstattung über den Stapellauf des neuen Greenpeace-Flagschiffes “Rainbow Warrior III” hat die Organisation bereits wieder positive Medienberichterstattung. Andererseits wäre es für die Glaubwürdigkeit von Greenpeace als „Widerstandkämpfer“ aber auch denkbar schlecht gewesen, hätten sie die Lizenz bei Lucasfilm eingeholt und dann den Spot gedreht. Somit war eigentlich von Anfang an vorauszusehen, dass es so kommen würde. Wer jedoch eine längerfristige Kampagne fahren will, die ohne urheberrechtliches Störfeuer auskommen soll, muss sich rechtlich absichern oder eben kein Material von Dritten verwenden.








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