Die „Tat“ wurde zwar schon am vergangenen Donnerstag begangen, auf Tagesanzeiger und den anderen Newsnetz-Medien hat sie heute hohe Wellen in den Leserkommentaren geschlagen. Bis dann heute Montag nach 18 Uhr plötzlich die Kommentarfunktion gesperrt wurde und alle bestehenden rund 80 Beiträge offline gingen.

Bild: Screenshot von Tagesanzeiger mit einem Bild vom fraglichen Blogbeitrag
Am Donnerstag der letzten Woche veröffentlichte Fidel Stöhlker, Sohn und Geschäftspartner des schweizweit bekannten PR-Beraters Klaus J. Stöhlker, auf dem unternehmenseigenen Blog der Agentur Klaus J. Stöhlker AG einen Beitrag mit dem Titel „Kosovaren geben SVP Schwung für den Wahlkampf“. Darin bezeichnete er das Volk der Kosovaren pauschal als „niederes Volk“ und kommt zum Schluss, die Schweiz „brauche dieses eigenartige Volk nicht“. Mehr will ich aus dem Text von Fidel Stöhlker nicht zitieren, da ich mich nicht der Weiterverbreitung von rassistischem Gedankengut schuldig machen will und auch ganz klar davon distanzieren möchte. Ob sich der Tagesanzeiger mit dem Screenshot des Blogbeitrages, auf dem der komplette Text problemlos gelesen werden kann, ebenfalls strafbar macht, sollen die Juristen unter meinen Lesern beantworten. Meines Erachtens gilt eine derartige Wiedergabe des kompletten Textes nicht mehr als Zitat. Gegen Stöhlker wurde unterdessen Strafanzeige eingereicht.
Auf 20 Minuten online nahm Stöhlker noch am gleichen Tag Stellung:
Dass er ein Volk pauschal als «nieder» bezeichnet, findet Stöhlker nicht rassistisch. «Das ist meine persönliche Meinung», sagt er zu 20 Minuten Online. Mit seinem Kommunikationsunternehmen habe das nichts zu tun. (Quelle)
Ich glaube, hier versucht Fidel Stöhlker vorschnell sein Unternehmen aus der Schusslinie zu holen. Er hat die Aussagen, die meiner Meinung nach klar rassistischer Natur sind, auf dem Blog des Unternehmens gemacht und er trägt den Familiennamen. Also besteht automatisch ein Zusammenhang. Derartige private politische Ansichten haben auf einem Unternehmensblog nichts verloren. Er hat mit seinen Äusserungen – ob nun unbedacht oder aus tiefer persönlicher Überzeugung – sein Unternehmen öffentlich in Misskredit gebracht und dessen Reputation beschädigt. Dass er auch in seiner Stellungnahme gegenüber den Medien bei seinen Aussagen bleibt, macht die Sache nicht besser. Auch wirtschaftlich könnte er seinem Unternehmen geschadet haben: Welcher Kunde will sich von einem PR-Berater unterstützen lassen, der selber die kommunikative Rassismuskeule schwingt und nicht einsehen will, dass er einen Fehler gemacht hat? Ich kann mir gut vorstellen, dass ein normaler Angesteller die fristlose Kündigung erhalten hätte.
Die Einsicht hat Fidel Stöhlker dann erst einen Tag später, am Freitag 19. August 2011, erlangt.
In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber 20 Minuten Online relativiert Fidel Stöhlker seine Aussage: «Für die beiden harten Worte gegen das kosovarische Volk entschuldige ich mich in aller Form.» Selbstverständlich meine er nicht das ganze Volk, «sondern Personen, die durch Verbrechen negativ auffallen». Er habe sich zu diesem Beitrag hinreissen lassen, da er persönlich Opfer eines Angriffs geworden sei, schreibt Stöhlker. (Quelle)
Als PR-Berater zeigt Stöhlker ungenügende Krisenkommunikation. Er braucht einen ganzen Tag, um sich zu entschuldigen. Der fragliche Blogbeitrag wurde stillschweigend gelöscht. Sicher gibt es dafür zwingende rechtliche Gründe, aber im Sinne einer transparenten Kommunikation hätte Stöhlker die Ereignisse auch auf dem Blog nochmals aufgreifen müssen. Auch hätte das Unternehmen selber Stellung nehmen müssen und sich von derartigen Äusserungen distanzieren müssen, um die eigene Glaubwürdigkeit zu wahren. Sich nur via Stellungnahme an die Medien zu entschuldigen, reicht nicht. Wer sich auf dem Blog über die Sache informieren will, läuft ins Leere.
Unüberlegte Äusserungen auf einem Blog können schneller als gedacht, einem Unternehmen grossen Schaden zufügen. Diese Erfahrung musste im Juni 2011 auch CEO James Redner machen, der auf Twitter über Spieler des Games „Duke Nukem Forever” herzog. Seine Agentur verlor mit dem Spielehersteller ihren grössten Kunden. Als PR-Berater hätte Fidel Stöhlker dies eigentlich wissen müssen. Die Sache ist aber auch ein Lehrstück dafür, dass alle sorgfältig ausgearbeiteten Social Media Guidelines wertlos sind, wenn die oberste Regel nicht eingehalten wird: „Hirn einschalten“. Zudem lässt Stöhlker den Beruf des PR-Beraters nicht gerade im besten Licht erscheinen.
Genau erschreckend wie die Formulierungen von Stöhlker sind die Kommentare, die zum eingangs erwähnten Tagesanzeiger-Artikel geschrieben wurden. Von einigen Kommentatoren erhielt er uneingeschränkte Unterstützung. Deshalb hat der Tagesanzeiger wohl auch die Kommentare vom Netz genommen, um nicht am Schluss noch selber juristisch belangt zu werden. Einblicke in eine rassistische Denkweise im Herzen der Schweiz, die einem zu denken geben muss.
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