Die Diskussion rund um Datenschutz bei Facebook ist bald so alt wie Facebook selber. Da ich kein Jurist bin, will ich die Rechtslage, die eh in jedem Land wieder anders ist, mal aussen vor lassen. Im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein spitzt sich die Auseinandersetzung um den Like-Button und Fan-Pages dramatisch zu: Gemäss Landesdatenschützer Thilo Weichert müssen Regierungsstellen und Unternehmen ab dem 1. Oktober 2011 mit einer Busse von 50’000 Euro rechnen, wenn sie Fanpages bei Facebook betreiben oder den Like-Button auf ihren Webseiten eingebunden haben, wie golem.de und andere Online-Medien berichten. Für Weichert ist die automatische Weiterleitung von Userdaten in die USA illegal.

Irritierende Schlagzeile beim Handelsblatt.
Aus meiner Sicht stellt dies einen massiven Eingriff die Hoheit der Unternehmen dar, selber zu entscheiden, ob sie für ihre Kommunikation auf Plakatwerbung, Werbebriefe, TV-Spots oder das Internet setzen. Man mag Facebook mögen oder nicht, auf jeden Fall gehört das Social Network mit über 750 Millionen Usern heute sozusagen zur Infrastruktur im Internet, denn es bietet Privatpersonen und Unternehmen gleichermassen die Möglichkeit, ihre Kommunikation auf der Plattform zu organisieren und zu betreiben. Dazu gehört auch, dass Daten über Landesgrenzen hinweg rund um den Globus geschickt werden. Im Cloud-Zeitalter lässt sich eh kaum noch feststellen, wo welche Daten gespeichert sind oder verarbeitet werden. Diese Tatsache kann kein Bundesland oder kein Staat einfach ignorieren. Oder will man in Norddeutschland einen ganzen Wirtschaftszweig abwürgen?
In Schleswig-Holstein soll jetzt mit Like-Buttons und Fan-Pages Schluss sein. Und darin liegt auch schon eines der Probleme begraben: Das Internet hält sich nicht an Grenzen von Bundesländern oder Staaten. Anliegen wie Datenschutz und Privatsphäre können nicht in nationalen Alleingängen gelöst werden. Würde das „Facebook-Verbot“ tatsächlich in Kraft treten, würde dies für Unternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein massive Wettbewerbsnachteile bedeuten, da sie Facebook für ihre Kommunikation nicht mehr einsetzen können. Wer viel Zeit und Ressourcen in den Aufbau einer Community auf Facebook investiert hat, muss woanders wieder bei Null anfangen, sofern dies überhaupt möglich ist.
Aber auch für Kommunikationsberater und –agenturen entstünde eine grosse Verunsicherung. Kann man für Kunden noch eine Social Media-Strategie entwerfen, in der Facebook eine Rolle spielt? In der Szene der Social Media-Berater müsste der Aufschrei eigentlich gross sein.
Für Aufbau und Pflege ihrer Kommunikation mit Kunden und allen anderen Dialoggruppen brauchen Unternehmen stabile rechtliche Rahmenbedingungen, kurzfristige nationale Forderungen nach Verboten sind da völlig fehl am Platz.
Noch während ich diesen Beitrag schreibe, läuft ein Link auf einen Blogpost mit dem Titel „Und Facebook bewegt sich doch“ über meinen Twitter-Feed. Facebook hat überarbeitete Datenschutzrichtlinien aufgeschaltet. Ob diese den Anforderungen des schleswig-holsteinischen Datenschützers im Einzelnen genügen, wird sich dann noch zeigen müssen.
Was haltet Ihr vom “Facebook-Verbot”? Ist es legitim, dass der Staat sich derart in die Hoheit der Unternehmen einmischt, um auf Social Networks Druck auszuüben und an nicht mehr zeitgemässen Datenschutzrichtlinien festhält?
Mehr zum Thema „Facebook-Verbot“ hier
Facebook verhandelt Datenschutz mit Innenminister Friedrich (golem.de)
Facebook beschwert sich über datenschutzfreundlichen 2-Klick-Button (heise.de)
Breaking! Facebook Papier erklärt: So funktioniert der Like Button in Deutschland (allfacebook.de)











[...] Festhalten an alten Gesetzen Anstatt die Datenschutzgesetze an die seit rund 20 Jahren bestehende technische Realität anzupassen, wird krampfhaft versucht, veraltetes Recht durchzusetzen. Für Unternehmen, Webseitenbetreiber und Dienstleistungsanbieter entsteht eine Rechtsunsicherheit und zwischen den Bundesländern eine Wettbewerbsverzerrung. In Foren werden Datenschützer als „Internetausdrucker“ beschimpft, denn streng genommen geht es nicht nur um die Einbindung von Social Plugins, sondern um die Grundlage, wie das World Wide Web überhaupt funktioniert. Ich denke, man kann diesen Konflikt nur lösen, indem man zeitgemässe Gesetze schafft. Links: „Social Plugins in Deutschland nicht zulässig“ auf golem.de lesen Wenn der Staat in die Unternehmenskommunikation eingreift: Busse für Facebook-Pages (fuellhaas.com… [...]
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