Glaubwürdigkeit erreicht man, wenn man das tut, was man selber sagt oder von anderen erwartet. Der Schweizer Detailhändler Migros ist damit kürzlich in die eigene Falle getappt, wie Medienrecherchen zeigen.
Einkaufen im Ausland war in der Schweiz im Sommer und Herbst eines der grossen Themen der öffentlichen Diskussion. Der schwache Euro machte Shopping auf der anderen Seite der Grenze attraktiv. Die Migros, aber auch andere Handelsunternehmen und Politiker appellierten an das „patriotische Gewissen“ der Schweizer Konsumenten, doch bitte im Inland einzukaufen, schliesslich ginge es Arbeitsplätze.

Wie die Newsnet-Redaktion nun herausgefunden hat, vergibt die Migros einen Teil ihrer Aufträge für Drucksachen aus Preisgründen ins Ausland. Die Kritik des Migros-Chef Herbert Bolliger am „Einkaufstourismus“ der Schweizer Kunden wirkt dadurch rückblickend extrem unglaubwürdig.
Mehr Informationen:
Druckaufträge der Migros sorgen für rote Köpfe (Basler Zeitung)
Aber auch die Newsnet-Redaktion hat sich zweifelhaft verhalten. Eine erste Version des Artikels war bereits letzte Woche erschienen. Dieser wurde jedoch schnell wieder offline genommen, da die Migros zwei Tage Zeit erbeten hatte, um die im Text genannten Zahlen zu überprüfen. Dies berichteten der Medienspiegel und doktormac.ch am 10.12.2011.
Interessanterweise ist die ganze Geschichte auch Facebook-Fans der Migros nicht entgangen.

Dabei muss man der Migros zu Gute halten, dass sie die geäusserte Kritik auf Facebook auch beantwortet hat. Sie verweist in ihren Antworten jedoch immer auf die erneute Publikation des Newsnet-Artikels und liefert auf Facebook keine Zahlen, wie viele Druckaufträge ins Ausland vergeben werden.
In der veröffentlichten Stellungnahme heisst es unter anderem:
«Wir finden es vertretbar, aus Kapazitäts- und Preisgründen einzelne Aufträge ins grenznahe Ausland zu vergeben… (Quelle)
Als Kommunikations-Berater und auch als Kunde kann ich dann nur antworten:
„Liebe Migros, ich finde es vertretbar, aus Preisgründen einzelne Produkte wie Frischfleisch oder andere Lebensmittel, die bei uns wegen Importbestimmungen nicht erhältlich sind, im grenznahen Ausland einzukaufen.“










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