Social Media Monitoring: Professionelle oder kostenlose Lösung?

Was über das eigene Unternehmen oder die eigene Marke im Internet alles publiziert wird, wollen viele Manager und Geschäftsinhaber wissen und setzen dazu auf das so genannte Social Media Monitoring. Dies umfasst streng genommen nicht nur Social Media, sondern auch die gängigen Online-Medien und Branchen- und Fachportale. Der Begriff „Monitoring“ mag dabei etwas unglücklich scheinen, geht es doch nicht um eine Überwachung im Sinne einer Bespitzelung. Das Ziel ist vielmehr herauszufinden, welche Themen aktuell von den Usern online diskutiert werden. Social Media Monitoring liefert damit geschäftsrelevante Daten, die nicht nur für die PR-Abteilung relevant sind, sondern für verschiedene Abteilungen eines Unternehmens wie Sales, Kundendienst oder Human Resources von Interesse sind.

Mit einer manuellen Google-Suche kann man kaum den Überblick behalten, deshalb ist der Einsatz von spezialisierten Tools üblich. Der Markt bietet vom einfachen kostenlosen, webbasierten Tool bis hin zur kostenintensiven Gesamtlösung mit umfangreichen Analyse- und Workflowmöglichkeiten eine breite Palette von Lösungen an.

Strategie vor Tool-Auswahl
Viele Unternehmen fragen sich: Tut es nicht auch ein kostenlosen Tool? Die Toolauswahl steht jedoch nicht an erster Stelle eines Engagements in Social Media. Um Social Media Monitoring erfolgreich zu betreiben, empfiehlt es sich, im Vorfeld ein paar strategische Überlegungen zu machen. Diese sind unabhängig davon, welches Tool man einsetzen will. Für ein Monitoring-Konzept muss zuerst geklärt werden, welche konkreten Fragestellungen damit beantwortet werden sollen. Sonst läuft man schnell in Gefahr, zu viele oder nicht die richtigen Daten zu haben. Dahinter stehen natürlich auch die Fragen danach, welche Ziele und Strategien im Social Web generell verfolgt werden. Bevor Sie sich also an die Auswahl eines Toolanbieters machen oder selber kostenlose Tools einrichten, sollten Sie sich über diese Punkte im Klaren sein. Über diese grundlegenden Fragen hinaus sind vorab auch die Rahmenbedingungen innerhalb Ihrer Organisation bezüglich personeller und finanzieller Ressourcen zu klären.

Kostenlose Tools haben ihre Stärken
Zu den bekanntesten kostenlosen Monitoring-Tools gehören sicher Google Alerts und socialmention, welches analog zu Google eine automatische Benachrichtigungsfunktion anbietet. Daneben gibt es zahlreiche Such- und Benachrichtigungstools für den Microblog-Dienst Twitter und Dienste, welche die öffentlich zugänglichen Inhalte von Facebook durchsuchen. Als Einstieg ins Monitoring oder im Rahmen eines so genannten Social Media-Audits können die zahlreichen Monitoring- und Recherchetools ihre Stärke ausspielen.


So stellt socialmention.com die Suchergebnisse dar.

Vorteile professioneller Tools
Aber wie sieht es mit dem kontinuierlichen Einsatz im Unternehmen aus, der an strategische Ziele geknüpft ist? Die grössten Unterschiede zwischen kostenlosen und professionellen Lösungen bestehen in folgenden Bereichen:
- Support und Verfügbarkeit
- Sprachabdeckung
- Quellenabdeckung und -auswahl
- Sentiment Analyse
- Konfigurations- und Auswertungsmöglichkeiten

Neben dem eigentlichen Monitoring muss für Unternehmenskunden auch der Support stimmen. Bei kostenlosen Tools gibt es in der Regel keinen Support und auch keinen Anspruch auf die Verfügbarkeit des Dienstes. Sprachabdeckung und die durchsuchten Quellen hängen zum Teil zusammen. Viele kostenlose Tools stammen aus dem englischsprachigen Raum und durchsuchen bevorzugt Quellen in englischer Sprache. So entgehen einem Unternehmen mit Fokus auf den deutschsprachigen Markt unter Umständen viele wichtige Erwähnungen. Oft ist es als Nutzer auch nicht nachvollziehbar, welche Quellen genau durchsucht werden, da sich die Angaben meist auf die Angaben „Social Web“ oder „News“ beschränken. Gerade um Twitter herum sind viele Insellösungen entstanden, welche nur Twitter durchsuchen. Aber was nutzt dies einem Unternehmen, für das Diskussionsforen viel relevanter sind?

Ein Monitoring soll nicht einfach nur Erwähnungen des Firmennamens oder der Produkte im Internet sammeln, sondern auch umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten bieten. Gerade die präzise Bestimmung der Tonalität – oft als Sentiment Analyse bezeichnet – fehlt in kostenlosen Tools. Dasselbe gilt für Archivierungs- oder Workflowfunktionen. Die Formulierung der Suchanfrage sollte man ebenfalls nicht unterschätzen. Kostenlose Tools lassen oft nur die Möglichkeit, einen oder mehrere Begriffe einzugeben, wie man es von Suchmaschinen her kennt. Wer jedoch nicht von unpassenden Ergebnissen überflutet werden will, muss mit komplexer formulierten Suchanfragen arbeiten können. Diese erlauben es, Dokumente anhand von vordefinierten Begriffen aus den Ergebnissen auszuschliessen. Mit dieser und anderen Methoden lassen sich präzise Suchanfragen erstellen, bei denen die Anzahl nicht relevanter Ergebnisse sehr klein gehalten werden kann.

Effiziente Auswertung
Um als Unternehmen ein Social Media Monitoring mit rein kostenlosen Tools aufzubauen, muss man mit mehreren Tools parallel arbeiten. Da diese untereinander nicht kompatibel sind und keine Daten untereinander austauschen können, muss die ganze Verarbeitung der Suchergebnisse manuell erfolgen. Der hierfür notwenige laufende Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Während professionelle Lösungen mit vorkonfigurierten Dashboards meist auf einen Blick aussagekräftige Resultate liefern, müssen mit kostenlosen Tools die Daten erst in einem separaten Programm zusammengeführt und gegebenenfalls auch grafisch aufbereitet werden. Ein effizientes Reporting ist jedoch wichtig, um zügig Antworten auf die im Monitoring-Konzept gestellten Fragen zu erhalten. So erlaubt beispielsweise der ComMonitor von Netbreeze das Anlegen von selber erstellten Suchabfragen als so genannte Widgets, die – wie unten abgebildet – direkt im Dashboard platziert werden können.


ComMonitor Dashboard. Quelle: Netbreeze GmbH

Fazit
Kostenlose und professionelle Lösungen haben beide ihre Existenzberechtigung und ihre Bereiche, für die sie eingesetzt werden können. Pauschale Ratschläge werden den individuellen Anforderungen von Unternehmen kaum gerecht. Bei der Auswahl eines Tools sollte die Frage im Zentrum stehen, ob das Tool die vom Social Media Monitoring erwarteten Antworten liefern kann. Dazu kommen dann Kriterien wie Kosten, Arbeitsaufwand für den laufenden Betrieb sowie die Qualität der Daten und der möglichen Analysen. Ebenso muss man sich entscheiden, ob man selbständig ein Tool betreibt oder eine externe Agentur damit beauftragt, die in regelmässigen Abständen Reports erstellt.

Mehr zum Thema hier
Social Media Monitoring: Das Web für tägliche Entscheidungen nutzen (Teil 1)
Social Media Monitoring: Strategische Überlegungen (Teil 2)
Social Media Monitoring: Einführen, Umsetzen und Reporting (Teil 3)
Liste mit Monitoring Tools / A Wiki of Social Media Monitoring Solutions
Liste mit Monitoring Tools / Wiki medienbewachen.de

Social Media Monitoring für KMU: So steht es im Social Web um Sie

Dieser Artikel ist zuerst auf unternehmer.de erschienen.

Wenn grosse Unternehmen wie die deutsche Bahn neue Angebote lancieren oder bei einem internationalen Konzern etwas schief läuft, hinterlassen viele User kritische Kommentare bei Facebook oder sorgen für die Verbreitung der schlechten Nachrichten via Twitter. In einer solchen kritischen Phase ist für die Unternehmen besonders wichtig, das Ohr dicht an den Meinungsäusserungen der Kunden und Konsumenten im Social Web zu haben. Ein Social Media Monitoring ist dabei unverzichtbar, um den Überblick zu behalten. Doch Monitoring macht nicht nur in Krisensituationen Sinn. Social Media Monitoring liefert geschäftsrelevante Daten, die nicht nur für die PR-Abteilung relevant sind, sondern für verschiedene Abteilungen eines Unternehmens wie Sales, Kundendienst oder Human Resources von Interesse sind.

Communities und Kontakte identifizieren
Als kleines oder mittelständisches Unternehmen hat man hingegen schnell den Eindruck, dass im Vergleich zu Grosskonzernen oder beliebten Marken über das eigene Unternehmen oder die eigenen Produkte kaum etwas im Social Web zu finden ist. Wie es darum im konkreten Fall tatsächlich steht, kann man mit einfachen, meist kostenlosen Tools schnell selbst feststellen.

Für viele KMU steht im Social Web weniger die eigene Marke im Fokus, sondern das Business Thema oder die Branche selbst. Social Media eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, ein Netzwerk an neuen Kontakten aufzubauen und bestehende zu erweitern. Zu vielen Themen und Branchen gibt es bereits Communities, in die man sich mit guten Inhalten und Dialogbereitschaft einbringen kann und damit die eigene fachliche Kompetenz demonstrieren kann. Auch für B2B-orientierte Unternehmen lohnt sich ein Social Media-Engagement, denn die Informationsbeschaffung über Branchentrends oder einzelne Anbieter findet heute hauptsächlich online statt.

Social Media Monitoring beantwortet in diesem Zusammenhang konkret zwei Fragen:

  • Welche Plattformen sind für mein Unternehmen relevant?
  • Wer sind die so genannten Opinion Leaders, also wen muss ich in mein Netzwerk aufnehmen?

Zudem sollte man Folgendes nicht vergessen: Wenn online relativ wenig Content über das eigene Unternehmen vorhanden ist, ist es umso wichtiger zu wissen, wenn irgendwo die Firma oder ein Produkt tatsächlich erwähnt werden. Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine negative Äusserung zu Ihrem Unternehmen handeln, zu der Sie Stellung nehmen möchten. Positive Kommentare oder konkrete Fragen können genauso der Ausgangspunkt für eine Onlinedialog sein oder Ihnen Input für selber produzierte Inhalte für Ihre Facebook-Seite oder einen Unternehmens-Blog geben.

Monitoring-Tools für KMU
Wenn der Entscheid für ein Monitoring gefallen ist, stellt sich schnell die Frage nach dem passenden Tool. Viele KMU werden sich fragen, ob nicht auch eines der zahlreichen kostenlosen Tools ausreicht. Die Toolauswahl steht jedoch nicht an erster Stelle eines Engagements in Social Media. Um Social Media Monitoring erfolgreich zu betreiben, empfiehlt es sich, im Vorfeld ein paar strategische Überlegungen zu machen. Diese sind unabhängig davon, welches Tool man einsetzen will. Für ein Monitoring-Konzept muss zuerst geklärt werden, welche konkreten Fragestellungen damit beantwortet werden sollen. Sonst läuft man schnell in Gefahr, zu viele oder nicht die richtigen Daten zu haben. Dahinter stehen natürlich die Fragen danach, welche Ziele und Strategien im Social Web generell verfolgt werden. Bevor Sie sich also an die Auswahl eines Toolanbieters machen oder selber kostenlose Tools einrichten, sollten Sie sich über diese Punkte im Klaren sein.

Mit der reinen Sammlung von Daten ist es nicht getan. Sie müssen über das Wissen verfügen, die mit dem Monitoring gesammelten Daten zu interpretieren und die gewonnen Erkenntnisse in konkrete Handlungen umzusetzen. Wenn Sie intern nicht über das notwendige Know-how oder die zeitlichen Ressourcen verfügen, kann sich die gezielte Zusammenarbeit mit externen Spezialisten lohnen.

Ein Tool für den KMU-Einsatz sollte im Idealfall diese Funktionen umfassen:

  • Chart für „Buzz“ pro Kanal: Zeigt, auf welchem Kanal (Microblogs, Facebook, Foren, Online-News…) am meisten über Ihre Themen gesprochen wird.
  • Topic-Cloud: Über welche Themen wird am meisten gesprochen?
  • Publisher Ranking: Wer sind die Opinion Leaders?
  • Sentiment Detection: Automatisierte Analyse der gefundenen Beiträge in negative und positive Statements
  • Gute Konfigurationsmöglichkeiten der Suchbegriffe: Sonst erhält man zu viele Resultate, die nicht relevant sind.
  • Filtermöglichkeiten für Ad-Hoc Analysen
  • Dashboard für Standardanalysen
  • Export-Möglichkeiten der Daten für eigene Darstellungen

Kostenlose Tools haben ihre Stärken
Der Markt bietet vom einfachen kostenlosen, webbasierten Tool bis hin zur kostenintensiven Gesamtlösung mit umfangreichen Analyse- und Workflowmöglichkeiten eine breite Palette von Lösungen an. Zu den bekanntesten kostenlosen Monitoring-Tools gehören sicher Google Alerts undsocialmention, welches analog zu Google eine automatische Benachrichtigungsfunktion anbietet. Daneben gibt es zahlreiche Such- und Benachrichtigungstools für den Microblog-Dienst Twitter und Dienste, welche die öffentlich zugänglichen Inhalte von Facebook durchsuchen. Als Einstieg ins Monitoring oder im Rahmen eines so genannten Social Media-Audits können die zahlreichen Monitoring- und Recherchetools ihre Stärke ausspielen.

Eine interessante Variante eines kostenlosen Tools ist der Social Media Report des Schweizer Anbieters Netbreeze GmbH in der so genannten „Community Edition“: Jeder kann hier ein Social Media Monitoring aufsetzen, aber die Ergebnisse sind öffentlich für alle sichtbar und können in der Community diskutiert werden.

So sieht beispielsweise der aktuelle „Buzz“ zum Thema Recycling aus:

Fazit
Wenig empfehlenswert ist die Strategie „mal was auf Facebook machen“ und aus Kostengründen auf ein Monitoring zu verzichten. Dies kommt einem Blindflug durchs Social Web gleich, der entweder mit einem Unfall oder mit enttäuschten Erwartungen enden wird. Wer als Unternehmen mit dieser Strategie unterwegs ist, verzichtet auf Unterstützung bei der Identifikation von relevanten Plattformen, Themen und Kontakten.

Mehr zum Thema hier
Social Media Monitoring: Das Web für tägliche Entscheidungen nutzen (Teil 1)
Social Media Monitoring: Strategische Überlegungen (Teil 2)
Social Media Monitoring: Einführen, Umsetzen und Reporting (Teil 3)

Alle Macht den Konsumenten – nur eine Illusion?

Social Media gibt den Konsumenten die Macht – eine Aussage, die man immer wieder lesen kann. Über 90 Prozent aller User (die Zahlen schwanken von Studie zu Studie) informieren sich online über Unternehmen, Marken und Produkte und nutzen die Erfahrungen und Bewertungen von Dritten zur eigenen Meinungsbildung. Unternehmen wiederum können via Social Media Monitoring das Feedback der Konsumenten nutzen, um ihre Produkte zu verbessern oder zu erfahren, was die Kunden bezüglich Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft von ihnen erwarten.

Die international tätige Agentur Weber Shandwick hat dazu vor wenigen Tagen eine neue Studie herausgebracht mit dem Titel „The Company behind the Brand: In Reputation we trust.“ Demnach hat das Unternehmen hinter einer Marke grossen Einfluss auf das Kaufverhalten von Konsumenten. Danach meiden 70 Prozent der befragten Verbraucher Markenprodukte, wenn sie das Unternehmen dahinter nicht mögen.


Quelle: Weber Shandwick

Doch was tun grosse Konzerne wie Sony, Apple, Electronic Arts oder Universal Music wirklich mit dem Feedback der Kunden? Machen Sie ihre Produkte und Dienstleistungen oder ihre Herstellungsbedingungen wirklich besser im Sinne ihrer Kunden? Ist also der oben beschriebene Mechanismus der Online Reputation wirklich relevant für sie?

Diese Fragen habe ich am Samstag mit ein paar Freunden, die nicht in der Kommunikationsbranche tätig sind, diskutiert. Aus Konsumentensicht mussten wir leider eine ernüchternde Bilanz ziehen:

Ob Sony wirklich die Sicherheit von Kundendaten nach den Hackangriffen vom vergangenen Jahr verbessert hat, ist von aussen nicht nachvollziehbar. Apple-Produkte werden weiterhin unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt – dies gilt natürlich auch für die meisten anderen Produkte der Unterhalterungselektronik, nur stehen Apple und Foxconn meistens zu vorderst Pranger. Aber was will man als Konsument auch machen? Auf dem Markt gibt es keine Alternativen. Und Verzicht ist halt auch keine ernsthafte Option, da können uns diverse Organisationen und Medien noch lange versuchen, ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn wir Produkte „Made in China“ kaufen.

Spieleindustrie und Musikbranche gängeln ihre Kunden weiterhin mit DRM-Systemen und spannen weltweit die Gesetzgeber diverser Staaten mit ein, um in ihren Augen „kriminelle Kunden“ zu verfolgen. SOPA und ACTA lassen grüssen. Der oft in Foren und Onlinekommentaren geäusserte Kundenwunsch nach unkomplizierten Vertriebskanälen für Musik, TV-Serien und Kinofilmen scheint nach wie vor ungehört zu verhallen. Zudem müssten die angeblich erzielten Umsätze von kinto.to oder Megaupload der Industrie doch eigentlich die Augen öffnen, so nach dem Motto „hey, da ist ein Kundenbedürfnis – also auch ein Markt für uns.“ Doch die bisherige Reaktion der Industrie besteht nur in der Zementierung der bestehenden Strukturen und der Auslagerung der Strafverfolgung an die Regierungen und staatlichen Behörden, die unter dem Lobbydruck der Content-Industrie bereit scheinen, Errungenschaften der westlichen Demokratien wie freie Verbreitung von Informationen und Meinungsäusserung über Bord zu werfen. Kopieren ist eine urmenschliche Tätigkeit – sogar die Vervielfältigung unserer DNA beruht darauf. Oder mit welchen Theaterstücken hätte William Shakespeare Weltruhm erlangen können, wenn es damals ein Urheberrecht nach heutigem Muster gegeben hätte? Fast alle seiner Stücke basieren auf Werken anderer Autoren.

Grosse Konzerne scheinen heute eine Grösse erreicht zu haben, die es ihnen erlaubt, über Kundenwünsche und Meinungsäusserungen hinweg zu sehen. Ganz anders sieht die Welt für kleinere Unternehmen aus, dort spielt meiner Ansicht nach auch der oben beschriebene Mechanismus der Online Reputation noch eher. So habe ich in letzter Zeit gute Erfahrungen mit Kundensupport von kleinen Anbietern wie Twisted Melon oder SwitchResX gemacht, jeder positive Blogbeitrag oder Tweet ist für diese Unternehmen Gold wert. Genauso kann sie negatives Feedback auch schnell in Bedrängnis bringen, wenn sie darauf nicht reagieren.

Was SOPA für PR-Profis bedeutet

Gestern blieben aus Protest gegen die US-Gesetzesvorlagen SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Protect IP Act) die Webseiten der englischsprachigen Wikipedia und anderer grosser Unternehmen für eine Tag offline.


Die Webseite der Wikipedia blieb für einen Tag schwarz.

Auch wenn es sich um amerikanische Gesetze handelt, hätten diese auf jeden Fall weltweite Auswirkungen, gerade was die Kommunikation in Social Networks betrifft. Wer Social Media für seine private Kommunikation oder im Unternehmen nutzt, wäre in vielfacher Hinsicht betroffen.

Blogger Shel Holtz fasst auf PR Daily zusammen, wie sich SOPA auf die Arbeit von PR-Leuten auswirken würde.

SOPA threatens all that content, as long as it resides on a .com, .org or .net domain. All it takes is for a user to upload a video, a photo or a presentation that violates someone’s copyright—even if it’s someone singing a cover of a song at a party—and under SOPA, Internet service providers could be ordered to block the domain name.

When YouTube goes dark, so will the links embedded on your own site and any others that lead to your YouTube videos. Ditto photos on photo-sharing sites and presentations on sites like Slideshare and Scribd. (Quelle)

Lesetipps:
What SOPA means for PR professionals (prdaily.com)
Fünf Gründe für den Netz-Streik (spiegel.de)

Im Artikel beklagt sich Holtz unter anderem, dass keine der grossen PR-Agenturen sich dem Protest angeschlossen hat, obwohl es auch ihre Arbeit und die Kommunikation ihrer Kunden wäre, die von SOPA betroffen sind.

Ich halte SOPA für eine echte Bedrohung der privaten und unternehmerischen Kommunikation im Internet. Gerade für Unternehmen bedeutet Social Media, dass viele Inhalte, die sie in ihrer Kommunikation einsetzen, von Dritten gehostet werden. Da man mit SOPA damit rechnen muss, dass Services ohne Vorwarnung abgeschaltet werden, können sich Unternehmen nicht mehr auf Dienste wie beispielsweise Slideshare verlassen. Auch Beiträge auf der eigenen Facebook-Page würden zum Risiko.

Was denkt Ihr, ist SOPA wirklich eine Bedrohung für die Kommunikation via Social Media oder wären die Auswirkungen in der Praxis niemals so schlimm wie vielerorts befürchtet?